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„Morbiditätsprognose 2050“ : Deutschland 2050 - alt, krank, teuer

Bild: F.A.Z.

Die Alterung der deutschen Bevölkerung wird das Gesundheitssystem vor nicht gekannte Schwierigkeiten in der Finanzierung und Sicherung der Versorgung stellen. Besonders hart soll es die neuen Länder treffen.

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          Die wachsende Alterung der deutschen Bevölkerung wird das Gesundheitssystem vor nicht gekannte Schwierigkeiten in der Finanzierung und Sicherung der Versorgung stellen. Zu dem Schluss kommt eine neue Untersuchung des Kieler Gesundheitsökonomen Fritz Beske, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Die Ergebnisse von Hochrechnungen auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes seien dramatisch. Bereits in zehn Jahren gingen die geburtenstarken Jahrgänge in das Rentenalter. Das sei das Alter, in dem die Gesundheitsausgaben drastisch anzögen. Als Gegenmaßnahme empfiehlt Beske darüber nachzudenken, welche Leistungen Kassen künftig noch voll oder teilweise bezahlen sollten und könnten.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Mit der "Morbiditätsprognose 2050 - Ausgewählte Krankheiten für Deutschland, Brandenburg und Schleswig-Holstein" rechnen Beske und seine Mitautoren das Erkrankungsrisiko (Morbidität) bis zum Jahr 2050 für 22 Krankheiten hoch und ziehen Schlussfolgerungen für die Versorgung. Besonders hart werde es die neuen Länder wegen der Überalterung treffen. Basis ist die Bevölkerungsprognose des Statistischen Bundesamtes, nach der allein die Gruppe der über 80-Jährigen im Jahre 2050 im Vergleich mit 2007 auf 10 Millionen und damit um 6,1 Millionen oder 156 Prozent anwachse.

          Die Zahl der Dementen werde sich auf 2,2 Millionen verdoppeln

          Bei der altersbedingten Makuladegeneration, einer schwerwiegenden Augenkrankheit, erwarten die Autoren wegen des steigenden Lebensalters eine Zunahme der Erkrankten um 900.000 Fälle auf 1,6 Millionen und beim Diabetes mellitus um ein Fünftel auf bis zu 7,8 Millionen. Einen Herzinfarkt würden demnach 548.000 Menschen im Jahr erleiden, drei Viertel mehr als heute. Beim Schlaganfall verliefe die Steigerungsrate mit 62 Prozent nur ein wenig flacher auf 300.000 Fälle jährlich. Die Zahl der Dementen werde sich auf 2,2 Millionen verdoppeln.

          Mit der wachsenden Zahl kranker Alter wächst die Notwendigkeit der Behandlung und Betreuung. Hier wird die Alterung der Gesellschaft laut Beske ein weiteres Problem aufwerfen: das der unzureichenden Versorgung, weil es an ärztlichem und pflegerischem Personal mangeln werde. Bis 2050 werde die Altersgruppe im erwerbsfähigen Alter, also jene, die überwiegend das Bruttoinlandsprodukt erwirtschaftet, Steuern und Beiträge zahlt und das Arbeitskräftepotential stellt, von knapp 50 Millionen auf 35,5 Millionen zurückgehen.

          Mangel an Arbeitskräfte für das Gesundheitswesen

          Während die nachwachsende Generation um 35 Prozent kleiner werde, steige die Zahl der nicht mehr Erwerbsfähigen um 38 Prozent, die der Hochbetagten sogar um 156 Prozent. Arbeitskräfte für das Gesundheitswesen würden "in den erforderlichen Mengen nicht mehr zur Verfügung stehen", warnte Beske.

          Heute sei nicht vorhersehbar, welche Entlastungen Prävention und medizinischer Fortschritt bringen könnten, gab Beske Unsicherheiten in seiner Hochrechnung zu. Es sei heute aber genauso wenig vorhersehbar, welche neuen und behandlungsfähigen Krankheiten hinzukommen könnten und wie sich eine bessere Gesundheitsversorgung auf eine dadurch bedingte weitere Steigerung der Lebenserwartung mit den damit verbundenen höheren Kosten auswirken werde. Es sei jedoch unbestritten, dass der weitere Zugang zu medizinischem Fortschritt für die gesamte Bevölkerung erhebliche Kosten verursachen werde. Beske verteidigte ausdrücklich den Zugang zu medizinischen Innovationen für jedermann und kritisierte Systeme der verdeckten Rationierung, wie sie in staatlich finanzierten Systemen mit Wartezeiten oder der Verweigerung von Therapien vorkommen.

          „Viele werden sich darauf einstellen müssen, selbst Vorsorge zu treffen“

          Allerdings sei es dringend, dass die Politik das deutsche Gesundheitssystem auf die zu erwartenden Ausgabensteigerungen vorbereite. Auf eine wachsende Steuerfinanzierung zu setzen sei angesichts vielfältiger Ausgabenwünsche an den Staat und vor dem Hintergrund der beschlossenen Kreditbeschränkung gefährlich. "Viele werden sich darauf einstellen müssen, selbst Vorsorge zu treffen", sagte Beske, der unlängst empfohlen hatte, Zuzahlungen zu erhöhen, und dafür kräftig kritisiert worden war. Zugleich kritisierte er eine in Deutschland verbreitete Anspruchsmentalität, die weit über das Niveau anderer Länder hinausgehe.

          Die Reaktionen von Kassen und Ärzten auf die Analyse waren gemischt. Während Kassenvertreter auf eine bessere und damit kostensparende Steuerung der Patienten im Gesundheitssystem drängten, wiesen die Ärzte auf eine notwendige und angemessene Finanzausstattung hin.

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