https://www.faz.net/-gqe-8x76h

Monatsbericht : Bundesbank gegen „Vollgeld“

Geschäftsbanken verleihen das von den Kunden eingezahlte Geld an andere Kunden weiter und „schöpfen“ so neues Geld. Bild: dpa

Kritiker des Finanzsystems schlagen eine Mindestreserve von 100 Prozent vor. Das mache die Banken stabiler. Aber die Bundesbank hält von der Idee nichts.

          Die Finanzkrise hat radikale Kritiker des bestehenden Finanzsystems auf den Plan gerufen. Einige wünschen sich ein sogenanntes Vollgeld oder 100-Prozent-Reserve-System. Die Befürworter dieser Reformideen wollen, dass die Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken abgeschafft wird. Die privaten oder öffentlichen Banken dürften nicht mehr durch Kreditgewährung Sichteinlagen schaffen, ohne dafür eine vollständige Deckung durch Zentralbankgeld zu haben. Der Vorteil aus Sicht der Befürworter wäre, dass die Gefahr von Bankenkrisen gebannt wäre. Ein Bankenzusammenbruch aus Liquiditätsmangel könnte nicht mehr geschehen.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Im realen System beträgt die Mindestreserve, die Banken bei der Zentralbank hinterlegen müssen, nur einen Bruchteil der Kreditsumme, aktuell ist es nur ein Prozent. 100 Prozent Reserve bedeutete 100 Prozent Sicherheit vor Krisen und „Boom-Bust“-Zyklen, die von der Kreditvergabe ausgelöst werden, meinen die Befürworter der Radikalreform. Solche Ideen äußerte erstmals zu Beginn der Großen Depression 1929 der bekannte amerikanische Ökonom Irving Fisher; ähnliche Ideen verfolgten Chicagoer Professoren. Heute gibt es in verschiedenen Ländern Initiativen für ein Vollgeld mit unterschiedlicher Ausgestaltung.

          Die Bundesbank widmet den Vorschlägen in ihrem aktuellen Monatsbericht ein paar Seiten, weist sie aber letztlich als nicht überzeugend zurück. „Eine Anhebung des Reservesatzes auf 100 Prozent führt nicht zwingend zu einer Stabilisierung der gesamtwirtschaftliche Entwicklung“, heißt es. Dafür bräuchte es zusätzlich eine effektive Regulierung. Die Einschränkung der Geldschöpfung für das gesamte Finanzsystem, wie sie Fisher vorschwebte, schränkte eine wichtige Funktion des Bankensektors ein, die Schaffung von Liquidität und damit die Fristentransformation. Diese sei aber volkswirtschaftlich wichtig.

          Außerdem besteht aus Sicht der Bundesbank die Gefahr, dass es bei einer 100-Prozent-Reservevorschrift zu Ausweichreaktionen kommt. Schon heute ist der Schattenbankensektor groß. „Die Stärkung des Finanzsystems insgesamt sollte aus heutiger Sicht auf anderem Wege erfolgen“, schreibt die Bundesbank. Sie betont die Notwendigkeit einer Stärkung der Eigenkapitalbasis der Banken. Wenn diese Verluste durch faule Kredite machen, hätten sie dann mehr Kapitalpolster, um die Einbußen abzufedern.

          Weitere Themen

          „Da war nichts gut in der DDR“

          FAZ Plus Artikel: Theo Waigel wird 80 : „Da war nichts gut in der DDR“

          Theo Waigel zieht zum 80. Geburtstag Bilanz. Im Interview spricht er über die Wendezeit, erklärt, warum Europa die Finanzkrise ohne den Euro nicht überstanden hätte – und meint: „Wir leben heute in der besten aller Zeiten.“

          Elf Patienten aus Krankenhaus entlassen Video-Seite öffnen

          Nach Busunfall auf Madeira : Elf Patienten aus Krankenhaus entlassen

          Nach dem Busunglück auf Madeira sind elf der Unfallopfer aus dem Krankenhaus entlassen worden. 16 weitere Personen würden weiter behandelt, ihr Zustand sei aber stabil und verbessere sich. Noch sei nicht abzusehen, wann die verletzten Touristen zurück nach Deutschland transportiert werden können.

          Topmeldungen

          Anschläge in Sri Lanka : Massenmord an Ostersonntag

          Die Anschläge von Sri Lanka fügen sich ein in das Bild einer neuen terroristischen Internationale, die ihre Taten „ankündigt“. Das müssen die Sicherheitsbehörden ernst nehmen, um der schieren Mordlust zu begegnen.
          Theo Waigel in seinem Haus in Seeg im Allgäu, Heimatdorf seiner Frau, der Skirennläuferin Irene Epple

          FAZ Plus Artikel: Theo Waigel wird 80 : „Da war nichts gut in der DDR“

          Theo Waigel zieht zum 80. Geburtstag Bilanz. Im Interview spricht er über die Wendezeit, erklärt, warum Europa die Finanzkrise ohne den Euro nicht überstanden hätte – und meint: „Wir leben heute in der besten aller Zeiten.“

          Witze über Schwangere : Der Gag des Fleischlichen

          Darf man über wachsende Bäuche Witze machen? Die schwangeren Comedians Amy Schumer und Ali Wong tun es auf der Bühne. Es geht natürlich um mehr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.