https://www.faz.net/-gqe-6wck2

Mitt Romney : Der Kandidat der Wall Street

Erfahrung als zentrale Botschaft

Romney ist kaum zu vergleichen mit einem Stephen Schwarzman, dem Mitgründer der Beteiligungsgesellschaft Blackstone, der Romney auch in seinem Wahlkampf unterstützt. Der Milliardär Schwarzman war vor der Finanzkrise das Aushängeschild von Überfluss an der Wall Street. Die Feier seines 60. Geburtstags 2007 war eine extravagante Sause, für die er allein dem Rocksänger Rod Stewart eine Million Dollar Gage gezahlt haben soll. Diese Party und der Börsengang von Blackstone markierten den Höhepunkt der Hausse an der Wall Street, vor der Finanzkrise. Da hatte Romney die Branche längst verlassen. Er war schon 1999 ausgestiegen, um die skandalgeplagte Organisation der Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City auf Vordermann zu bringen.

Aus seiner Zeit bei Bain Capital macht er aber auch keinen Hehl, im Gegenteil: Seine Erfahrung als Geschäftsmann ist die zentrale Botschaft seiner Kampagne. Die Wahlkampfstrategen präsentieren den 64-Jährigen als Topmanager, als Macher, der die drängendsten wirtschaftlichen Probleme lösen kann. Romney ist zwar kein Visionär und mitreißender Redner vom Schlage Obamas. Aber bei einer Arbeitslosenquote von fast 9 Prozent im dritten Amtsjahr ist Obamas Vertrauensvorschuss auch aufgebraucht.

Mitt Romney will amerikanischer Präsident werden
Mitt Romney will amerikanischer Präsident werden : Bild: dapd

Mit der Geschäftswelt ist Romney seit seiner Kindheit in der Autostadt Detroit vertraut. Zwar stammt sein Vater, wie Romney gerne betont, aus einfachen Verhältnissen, hat nie einen College-Abschluss gemacht und als Zimmermann und Verputzer gearbeitet. Doch dann machte er in der Automobilindustrie Karriere, wurde Vorstandsvorsitzender von American Motors, dann Gouverneur von Michigan, dann Kabinettsmitglied in der Nixon-Regierung.

„Ich verstehe die Geschäftswelt“

Romney junior machte nach einem ersten Abschluss an der Mormonen-Universität Brigham Young in Salt Lake City und einem zweijährigen Intermezzo als Missionar in Frankreich die klassische Karriere von Leuten, die in Amerikas Wirtschaft an die Spitze drängen: Er erwarb einen Doppelabschluss in Jura und Betriebswirtschaft an der Elite-Universität Harvard. Danach arbeitete er einige Jahre als Unternehmensberater, zunächst bei der Boston Consulting Group und dann bei Bain & Company. 1984 gründete er mit einigen Partnern Bain Capital.

Die Firma finanzierte etwa den Start der Büromaterialien-Kette Staples, sanierte die bekannte Pizza-Kette Dominos's und den Matratzenhersteller Sealy. Er bot den Vorstandschefs dieser Firmen erstmals Leistungsanreize in Form von Aktien oder Aktienoptionen. Und als erfahrene Berater konnten die Bain-Capital-Leute sich auch um die geschäftlichen Details der gekauften Betriebe kümmern - damals ebenfalls ein neues Konzept.

In seinem Element ist Romney deshalb, wenn er am runden Tisch mit Geschäftsleuten über ihre Probleme fachsimpelt. Im Agrarland Iowa geht es dann um Maisanbau, um Ethanol, um die Regulierung von Schädlingsbekämpfung. "Ich kann Ihnen das sagen, weil ich 25 Jahre in der Wirtschaft zugebracht habe: Ich verstehe die Geschäftswelt", sagt Romney dann oft.

Menschliche Nöte

In der Sprache der Unternehmensberater beschreibt der Republikaner auch seine Errungenschaften als Gouverneur im traditionell demokratischen Massachusetts. Er wurde 2002 gewählt, stellte sich nach einer Amtszeit aber nicht zur Wiederwahl. Er habe "harte Entscheidungen" getroffen, um die Ausgaben des Staates unter Kontrolle zu bringen. Staatliche Programme seien "umstrukturiert und konsolidiert", bürokratische Hindernisse für Betriebe abgeschafft worden. Seine Gesetzesinitiativen hätten Tausende Jobs geschaffen.

Dann bemüht sich Romney trotz der selbstbewussten Überflieger-Geschichten aber doch um eine gewisse Normalität. Der Mann, den ein Gesellschaftsmagazin einst zu den 50 schönsten Menschen wählte, will den Eindruck vermeiden, als sei er nur ein privilegierter Mann mit Millionenvermögen und Bilderbuchfamilie. In seinem Lebenslauf steht, dass seine Frau 1998 an multipler Sklerose erkrankte und zuletzt an Brustkrebs litt - und dass die Hingabe ihres Mannes ihr durch diese Leidenswege geholfen habe. Will heißen: Auch ein Mitt Romney kämpft mit menschlichen Nöten. Darauf kann man getrost 10.000 Dollar wetten.

Weitere Themen

King of Wall Street

Hanks Welt : King of Wall Street

BlackRock-Gründer Larry Fink hat die Finanzbranche revolutioniert. Sein Le­ben beweist, dass sich Erfolg nicht planen lässt, dass aber ein paar Dinge den Er­­folg wahrscheinlicher machen.

Wirtschaftsforscher senken Konjunkturprognose deutlich Video-Seite öffnen

Anstieg von nur 2,4 Prozent : Wirtschaftsforscher senken Konjunkturprognose deutlich

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognose für das Wachstum der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr noch einmal deutlich abgesenkt. In ihrem Herbstgutachten gehen die Expertinnen und Experten nun von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,4 Prozent in diesem Jahr aus – nach prognostizierten 3,7 Prozent im Frühjahr.

Topmeldungen

FDP-Chef Christian Lindner in Berlin

F.A.Z. Frühdenker : Das Warten auf die FDP

Die FDP kann den Weg frei machen für Ampel-Koalitionsgespräche. Der Deutsche Buchpreis wird verliehen. Und Facebook baut das „Metaversum“. Der F.A.Z.-Newsletter.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.