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Kauf von Staatsanleihen : Die EZB pumpt und pumpt

EZB-Turm in Frankfurt: Die Zentralbank will die Inflationsrate steigern. Bild: Helmut Fricke

Die EZB öffnet die Geldschleusen so weit wie noch nie. So will sie die Inflationsrate anheben. Kritiker sagen: Renditen vieler Staatspapiere werden unter null gedrückt.

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          Für die europäische Geldpolitik beginnt im März eine neue Zeitrechnung. Sie öffnet die Geldschleusen so weit wie noch nie. Monat für Monat wird sie 60 Milliarden Euro in die Staatsanleihe- und Wertpapiermärkte pumpen. Bildlich gesprochen, wirft die Europäische Zentralbank die Notenpresse an und kauft mit frisch gedrucktem Geld einen großen Teil der verfügbaren Staatsanleihen. Schon die Ankündigung des insgesamt mehr als 1,1 Billionen Euro umfassenden Programms, das EZB-Präsident Mario Draghi am 22. Januar gegen den Widerstand der Bundesbank und anderer Ratsmitglieder durchsetzte, hat die Börsenkurse in Rekordhöhen getrieben.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die EZB hofft, dass ein Teil des Geldes, das sie in die Finanzmärkte pumpt, in Form günstigerer Kredite zu Unternehmen und Verbrauchern gelangt und so die Konjunktur stärkt. Welchen Schub die Geldflut den Verbraucherpreisen gibt, ist schwer zu sagen. Zentralbankökonomen gehen in internen Modellen nur von einigen Zehntel Prozentpunkten aus – über einen längeren Zeitraum sollte es etwas mehr als ein halbes Prozent sein. So könnte das gigantische Kaufprogramm die Inflation mittelfristig wieder in Richtung des Zielwerts von 2 Prozent heben.

          Im Februar ist die Inflation etwas gestiegen. Sie legte auf minus 0,3 Prozent zu, nach minus 0,6 Prozent im Vormonat. Dies teilte das EU-Statistikamt Eurostat am Montag mit. Bankvolkswirte hatten minus 0,4 Prozent im Februar erwartet. In Deutschland ist die Inflation im Februar wieder leicht in den positiven Bereich gestiegen, auch in Spanien und Frankreich hat sie sich entspannt. Vor allem angelsächsische Ökonomen warnen weiterhin vor einer Deflationsgefahr.

          Inflationserwartungen haben sich etwas stabilisiert

          Auf der Sitzung des EZB-Rats, die am Donnerstag diesmal in der zyprischen Hauptstadt Nikosia stattfindet, wird Draghi neue Prognosen zur Inflation und zum Wachstum vorstellen. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet hat angedeutet, dass die Wachstumsprognose vor allem wegen des Öl-Effekts etwas nach oben gesetzt werde. Unklar ist, wie lange die Inflation negativ bleibt. Es mehren sich die Anzeichen, dass die Trendwende erreicht sei, sagt der Chefvolkswirt der DZBank, Stefan Bielmeier.

          Hauptgrund für den leichten Anstieg der Inflation war, dass der Ölpreis wieder etwas gestiegen ist. Im Januar lag der Preis für ein Fass Rohöl der Sorte Brent durchschnittlich bei 48 Dollar, im Februar stieg er auf knapp 58 Dollar – immer noch rund 40 Prozent unter dem Vorjahreswert. Nach Angaben von Eurostat lagen die Verbraucherpreise für Energieprodukte im Februar noch um fast 8 Prozent (Januar: 9,3 Prozent) unter dem Vorjahresstand. Rechnet man Energie sowie Nahrungs- und Genussmittel heraus, liegt die sogenannte Kernrate der Inflation weiter bei 0,6 Prozent. Beinahe parallel zum Ölpreis haben sich die Inflationserwartungen wieder etwas stabilisiert. Die marktbasierte Rate „5y5y“, auf die Draghi besonders achtet, (Inflation in fünf Jahren für die nächsten fünf Jahre), ist seit dem Tiefpunkt im Januar unter 1,50 auf nun 1,65 Prozent gestiegen.

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