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Lohnuntergrenze : Folgen des Mindestlohns erst nach Jahren klar

Prost: In der Gastronomie wird der Mindestlohn wohl Spuren hinterlassen. Bild: dpa

Die Lohnuntergrenze könnte Hunderttausende Arbeitsplätze vernichten, warnen Ökonomen. Doch nun zeigt sich: Die tatsächliche Wirkung kann nur grob erfasst werden.

          Es ist die einschneidendste Arbeitsmarktreform seit den Hartz-Gesetzen: Vom 1. Januar 2015 an hat nahezu jeder Arbeitnehmer in Deutschland Anspruch auf einen Stundenlohn von mindestens 8,50 Euro. Das Prestigeprojekt der großen Koalition ist ein Experiment mit offenem Ausgang. Seit Monaten überbieten sich Forscher mit Prognosen. Einige erwarten keine negativen Effekte, andere mehr als eine Million zusätzliche Arbeitslose. Das Münchener Ifo-Institut hat am Donnerstag Umfrageergebnisse veröffentlicht, nach denen rund jedes vierte vom Mindestlohn betroffene Unternehmen Preiserhöhungen oder Stellenabbau plant. Im Osten planen demnach deutlich mehr Betriebe Entlassungen als im Westen, vor allem die Gastronomie ist stark betroffen.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Wer mit seinen Prognosen recht hat, werde sich rasch zeigen – lautet eine häufig geäußerte Vermutung. Zumal Unternehmer die Einführung antizipieren und wohl zum Teil schon jetzt ihre Konsequenzen ziehen. Doch belastbare Aussagen über die Auswirkungen werden offenbar frühestens nach weit mehr als einem Jahr vorliegen, zeigt eine Umfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unter führenden deutschen Arbeitsmarktforschern. „Man kann nicht zum 1.Januar den Mindestlohn einführen, und am Jahresende sind dann die Ergebnisse schon da“, sagt Holger Bonin, der leitende Arbeitsmarktökonom vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

          Das Institut arbeite seit einem Dreivierteljahr an einem aufwendigen Modell, mit dem die Folgen genau erfasst werden sollen. Erst in „zwei bis drei Jahren“ werde es finale Ergebnisse geben, schätzt Bonin. Auch andere Forscher wie der Vorsitzende des Sachverständigenrates, Christoph Schmidt, dämpfen die Erwartungen. Zum einen stehen die Ökonomen vor erheblichen methodischen Problemen, wenn sie die Folgen identifizieren wollen. Zum anderen werden wichtige Daten für die Studien erst mit Verzögerung verfügbar sein oder müssen überhaupt erst erhoben werden.

          Die Auswertung ist kompliziert

          Eine Schlüsselposition spielt das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Als Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit haben die Nürnberger Wissenschaftler den ersten Zugriff auf wichtige Datensätze. „Ein gutes Dutzend Forscher kümmern sich mit unterschiedlicher Intensität um das Thema“, sagt Direktor Joachim Möller. Drei große Befragungen, die das IAB regelmäßig bei Arbeitnehmern und Unternehmen erhebt, werden derzeit um Fragen nach dem Mindestlohn ergänzt. Im Frühjahr 2015 hofft Möller so erste Einschätzungen von Betroffenen in Händen zu halten. „Bis wir kausale Ergebnisse haben, wird es aber sehr viel länger dauern“, sagt der Forscher.

          Genauere Erkenntnisse könnten Daten der Sozialversicherungen liefern. Doch für einen solchen „Mindestlohnmonitor“ hat das Bundesarbeitsministerium gerade erst eine Machbarkeitsstudie beim IAB in Auftrag gegeben. „Es wird gerade geprüft, ob das ein gangbarer Weg ist“, sagt Möller. Auch wenn das Urteil positiv ausfällt, sind schnelle Ergebnisse nicht zu erwarten. Denn Arbeitgeber meldeten Neueinstellungen und Entlassungen oft erst mit monatelangen Verzögerungen an die Sozialversicherungen. Bis dann ein kompletter Datensatz auf den Schreibtischen der Forscher liegt, wird es dauern. „Aus einzelnen Daten können wir nichts machen, das wäre Kaffeesatzleserei“, sagt Möller.

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