https://www.faz.net/-gqe-7lgr0

Mindestlohn-Debatte : Viele Akademiker erhalten nur Niedriglöhne

  • Aktualisiert am

Herr Doktor Niedriglohn Bild: Röth, Frank

Der Mindestlohn kommt. Für so manchen Akademiker liegt dieser näher am tatsächlichen Einkommen als man vermutet hätte.

          Trotz einer guten Ausbildung arbeiten laut einer neuen Studie hunderttausende Akademiker in Deutschland zu Niedriglöhnen. Nahezu jeder zehnte Akademiker bekam 2012 nicht mehr als 9,30 Euro brutto pro Stunde, berichtete die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf Berechnungen des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen. Von den abhängig Beschäftigten mit Hochschulabschluss erhielten demnach 8,6 Prozent einen Niedriglohn. Laut dem IAQ liegt dieser bei zwei Dritteln des mittleren Stundenlohns - 2012 waren das 9,30 Euro brutto in der Stunde.

          Dem Bericht zufolge waren rund 688.000 Menschen betroffen. „Es gibt seit Jahren eine konstante Gruppe von akademisch ausgebildeten Arbeitnehmern, die zu geringen Löhnen arbeiten“, sagte die IAQ-Expertin Claudia Weinkopf. Die Zahl schwanke seit Jahren grob zwischen sieben und fast zwölf Prozent. Den IAQ-Zahlen zufolge ist unter weiblichen Akademikern das Risiko, zu Niedriglöhnen zu arbeiten, fast doppelt so hoch wie unter Männern: Während 11,4 Prozent der Frauen mit Hochschulabschluss auf dem Niedriglohnsektor arbeiten, sind es bei den Männern nur 6,1 Prozent.

          Die Zahl der arbeitslosen Akademiker erhöhte sich 2013 im Jahresdurchschnitt gegenüber dem Vorjahr um 21.400 auf 191.100 Menschen, berichtete die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA). Dies sei ein Anstieg um 13 Prozent. Grund sei unter anderem die deutlich gestiegene Absolventenzahl. Das Risiko, arbeitslos zu werden, sei für Akademiker aber weiterhin sehr gering, erklärte die BA. Ihre Arbeitslosenquote habe sich auch 2013 weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau von unter drei Prozent bewegt.

          Auch Selbständige verdienen oft weniger oder wenig mehr als der vorgesehene Mindestlohn. Rund 1,1 Millionen von ihnen haben 2012 einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge weniger als 8,50 Euro in der Stunde verdient.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brände im Regenwald : Das ökologische Endspiel am Amazonas

          Der Amazonas-Regenwald produziert gut ein Fünftel des Sauerstoffs, den wir atmen. Die andauernden Waldbrände und der Raubbau an ihm sind nicht nur eine ökologische Katastrophe – sondern auch eine humanitäre.
          Zuletzt mehr Schatten: An der Wall Street standen die Aktienkurse zuletzt unter Druck.

          Aktienrückkäufe : Stützpfeiler der Wall Street gerät ins Wanken

          Amerikas Unternehmen kauften im zweiten Quartal weniger eigene Aktien. Angesichts des Handelskonflikts gilt das als weiteres Indiz für die Verunsicherung in den Vorstandsetagen. Bereiten sich die Unternehmen auf den Wirtschaftsabschwung vor?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.