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Mindestlohn-Debatte : Jeder vierte Selbständige verdient kümmerlich

Ein Kiosk in Frankfurt Bild: dpa

Arbeitnehmer sollen bald einen Mindestlohn von 8,50 je Stunde bekommen. Wie aber sieht es mit vielen Selbständigen aus? Laut Berechnungen des DIW verdienen rund 1,1 Millionen von ihnen weniger.

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          Rund 1,1 Millionen Selbständige haben 2012 einer Studie zufolge weniger als 8,50 Euro in der Stunde verdient, die künftig für Arbeitnehmer als gesetzliche Mindestlohngrenze gelten soll. Das zeigen Daten, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ausgewertet hat. Insgesamt hätten 25 Prozent aller 4,4 Millionen Selbständigen in Deutschland Stundenlöhne von weniger als 8,50 Euro. Darunter sind viele Friseure, Kioskbesitzer, Betreiber kleiner Läden, Anwälte und Kneipiers, aber auch freischaffende Künstler oder Dozenten.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          „Ein großer Teil der Selbständigen lebt von der Hand in den Mund“, sagte DIW-Arbeitsmarktforscher Karl Brenke der F.A.Z: „Das sind in erheblichem Maße Kümmerexistenzen.“

          Rund 40 Prozent aller Solo-Unternehmer hätten nach Abzug aller Kosten so wenig Gewinn gemacht, dass sie keine Rücklagen bilden könnten, zeigten Daten aus dem Sozioökonomischen Panel (Soep), die auf einer großen regelmäßigen Befragung beruhen. „Diesen Selbständigen fehlen Mittel für Investitionen, als Vorsorge für Krankheit oder Alter“, warnte Brenke. Viele „Existenzgründungen als Selbständige“ geschähen aus der Not und nach langer Arbeitslosigkeit. „Viele Gründer machen sich auch Illusionen darüber, was sie verdienen können.“

          Von den 1,1 Millionen geringverdienenden Selbständigen sind laut Soep rund 775.000 Eine-Person-Unternehmen, 335.000 haben Angestellte. Der Geringverdiener-Anteil ist unter Selbständigen mit einem Viertel offenbar deutlich größer als unter abhängig beschäftigten Arbeitnehmern. Von diesen bekommen etwa 15 Prozent, vor allem in den neuen Ländern, einen Stundenverdienst von 8,50 Euro oder weniger.

          Für Arbeitnehmer soll laut Koalitionsvertrag zum 1. Januar 2015 ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde kommen. Tarifvertraglich vereinbarte Abweichungen sollen aber bis Ende 2016 noch möglich sein. Einige Ökonomen warnen nun davor, dass Kleinselbständige, etwa Friseurunternehmer, noch weniger verdienten, wenn ihre Angestellten künftig den Mindestlohn erhalten.

          Eine Auswertung des Statistischen Bundesamtes für die Zeitung „Welt am Sonntag“ kommt zu teils noch drastischeren Ergebnissen als das DIW. Danach mussten sich 2012 von den Unternehmern mit höchstens einem Mitarbeiter 34 Prozent mit weniger als 8,50 Euro Stundenlohn zufriedengeben. Bei den akademischen freien Berufen erhielten 22 Prozent weniger als der geplante gesetzliche Mindestlohn.

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