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Mindestgröße für Pilotinnen : Zu klein fürs Cockpit

Arbeitsplatz Cockpit: eine Männerdomäne Bild: dpa

Eine junge Frau wollte Pilotin werden, doch sie erreichte die Mindestgröße von 1,65 Meter nicht. Weil dabei nicht nach Geschlecht unterschieden wird, klagte sie. Jetzt urteilten die Richter: Die Regel ist diskriminierend. Dennoch geht die Frau leer aus.

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          Fluggesellschaften, so scheint es, sind ein einziger Sündenpfuhl, wenn es um die Diskriminierung ihrer Mitarbeiter geht. Mögen andere Branchen an einer vollständig diversifizierten Belegschaften arbeiten, sie formen ihre Mitarbeiter noch immer ganz nach ihrem Geschmack: Stewardessen dürfen nicht zu dick und nicht zu unsportlich sein, die Piloten nicht zu alt. Spätestens seit diesem Donnerstag weiß die Öffentlichkeit: Auch zu klein dürfen Kapitäne nicht ausfallen, sonst erfüllen sie nicht die Anforderungen der Luftverkehrssicherheit. Sagt jedenfalls die Lufthansa, als sie eine junge Frau für die Pilotenausbildung ablehnte, nur weil sie 4 Zentimeter zu klein dafür war. Alle Tests hatte sie erfolgreich durchlaufen, nur an den letzten Zentimetern haperte es: 1,65 Meter hätte sie vorweisen müssen, gerade einmal 1,61 Meter gab das Maßband her.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          An Durchsetzungsvermögen scheint es der abgewiesenen Bewerberin nicht zu mangeln, deshalb forderte sie von ihrem einstigen Wunsch-Arbeitgeber 135.000 Euro vor dem Arbeitsgericht Köln. Durch die pauschale Festlegung der Mindestgröße auf 1,65 Meter werde sie als Frau mittelbar diskriminiert, argumentierte die Klägerin. Frauen seien nun einmal im Durchschnitt kleiner als ihre männlichen Kollegen.

          Der Anwalt der Gegenseite behauptete dagegen, ein Pilot müsse auch große Passagiermaschinen fliegen können und berief sich auf die Anforderungen der Luftverkehrssicherheit.

          Dem wollen die Kölner Arbeitsrichter nicht folgen. Sie stellten fest, dass die Festlegung einer Mindestgröße von 1,65 Meter für Pilotinnen diskriminierend sei. Schließlich seien weit mehr Frauen von der Grenze betroffen als Männer. Trotzdem ging die Frau leer aus: Die Mindestgröße sei tarifrechtlich geregelt, deshalb habe die Fluggesellschaft als Arbeitgeber nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt, betonten die Richter.

          Lufthansa ist Diskriminierungsklagen schon gewöhnt

          Das freilich ist noch nicht das Ende vom Lied, gegen das Urteil kann die abgewiesene Bewerberin noch Berufung einlegen. Das muss die Lufthansa jedoch nicht erschüttern, sie ist Diskriminierungsklagen ihrer Piloten schon gewöhnt.

          Zuletzt trieben die männlichen Kollegen ihren Fall bis vor den Europäischen Gerichtshof. Sie wehrten sich gegen die pauschale Vermutung, mit 60 Jahren seien sie zu alt dafür, am Steuerknüppel Platz zu nehmen. Bis dato wurden Piloten nach Erreichen dieser Altersgrenze nämlich noch direkt in den Ruhestand abgeschoben. Auch hier führte die Lufthansa Sicherheitsbedenken an, die der Europäische Gerichtshof freilich mit einem sehr pauschalen Argument vom Tisch fegte: Eine Festlegung der Altersgrenze auf 60 Jahre sei keine Maßnahme, die für die öffentliche Sicherheit und den Schutz der Gesundheit notwendig sei.

          Mehr Erfolg dürfte deshalb der Ansatz haben, mit dem eine indische Fluglinie jüngst für Schlagzeilen sorgte. Sie verlangte von ihren Stewardessen Angaben zum Body-Mass-Index. Damen, die zu dick waren, verdonnerte sie zu sportlicher Ertüchtigung. Die Fluglinie hat Glück: Indien unterliegt nun einmal nicht dem europäischen Diskriminierungsrecht.

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