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Wann lohnt sich Migration? : Wir brauchen Zuwanderer, aber die richtigen

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In einer Mittelschule in Leipzig nimmt eine Schülerin am Unterricht im Fach «Deutsch als Zweitsprache» teil. (Archivfoto) Bild: dpa

Belastet Zuwanderung die öffentlichen Haushalte? Nicht unbedingt. Dazu müssen Migranten aber mindestens so gut qualifiziert sein wie die hiesige Bevölkerung.

          Angesichts der wachsenden Asylbewerber- und Flüchtlingszahlen und zunehmender Furcht vor Einwanderung hat in Deutschland erneut die Debatte um die richtige Migrationspolitik begonnen. Vor zwei Wochen hat der Präsident des Ifo Instituts Hans-Werner Sinn in einem Beitrag noch einmal auf das hingewiesen, was unter den Ökonomen, die sich mit den wirtschaftlichen Effekten von Migration befassen, breiter Konsens sein dürfte.

          Um die ökonomischen Herausforderungen zu bewältigen, die mit der alternden und infolge niedriger Geburtenzahlen schrumpfenden Bevölkerung verbunden sind, benötigt Deutschland zwar nicht nur, aber eben auch Zuwanderung. Und damit die erwünschten wirtschaftlichen Entlastungen zustande kommen, müssen künftige Zuwanderer qualifiziert und in den Arbeitsmarkt integrierbar sein.

          Holger Bonin ist Leiter des Forschungsbereichs Arbeitsmärkte und Soziale Sicherung am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Er hat eine viel diskutierte Studie über die Auswirkungen von Migration auf den Staatshaushalt mit verfasst.

          Auch die im November vorgelegte Studie des ZEW für die Bertelsmann-Stiftung, auf die Sinn in seinem Debattenbeitrag Bezug genommen hat, kommt zu diesen Schlussfolgerungen. Für diese Untersuchung wurde die langfristige Entwicklung der deutschen Staatsfinanzen für eine Reihe von Szenarien durchgerechnet, die sich hinsichtlich der Anzahl und Qualifikation der künftigen Zuwanderer unterscheiden. Die Resultate lassen sich auf eine knappe Formel bringen: Damit die öffentlichen Haushalte langfristig entlastet werden, müssen künftige Zuwanderer im Durchschnitt mindestens so qualifiziert sein wie die heute in Deutschland lebende Bevölkerung.

          Wenn die Politik, was legitim ist, in Fragen der Zuwanderung auch an fiskalische oder wirtschaftliche Ziele denkt, muss sie also auf die Qualifikation und damit die Beschäftigungschancen der Einwanderer achten. Der Handlungsbedarf ist dabei allerdings nicht so akut, wie es die aktuelle Diskussion vielleicht erscheinen lässt. Im letzten Jahrzehnt hat sich nämlich das durchschnittliche Qualifikationsniveau der Neuzuwanderer nach Deutschland an das der Wohnbevölkerung angenähert und es teils sogar überschritten.

          Funktioniert die Zuwanderung nach Qualifikationsbedarf?

          Dahinter steht eine starke Zunahme der Akademikerquote. Nach Angaben des Migrationsforschers Herbert Brücker hatten 39 Prozent der Neuzuwanderer im Alter zwischen 25 und 64 Jahren im Jahr 2013 einen Hochschulabschluss. Bei den in den neunziger Jahren Zugewanderten lag diese Quote dagegen nur bei 16 Prozent. Zugleich aber hat der Anteil der Neuzuwanderer ohne Berufsausbildung im Trend nur langsam abgenommen und war im Jahr 2013 mit rund 30 Prozent immer noch hoch. Es ist dieser Wert, der zu Fragen führt, ob Deutschland die Steuerung von Zuwanderung nach dem Qualifikationsbedarf ausreichend gut gelingt.

          Bei der ökonomisch motivierten Zuwanderung von EU-Bürgern sind die Steuerungsmöglichkeiten seit der Umsetzung der Arbeitnehmerfreizügigkeit sehr begrenzt. Dies lässt sich damit rechtfertigen, dass die Effizienzgewinne des freien Verkehrs von Arbeitskräften in einem Binnenmarkt volkswirtschaftlich die möglichen Nachteile Einzelner durch wachsende Konkurrenz am Arbeitsmarkt aufwiegen. Solange die Migranten für den Zweck der Beschäftigung kommen, dürfte diese Rechnung aufgehen.

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