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Migration nach Maß (1) : Deutschland fällt die geordnete Zuwanderung schwer

Bild: F.A.Z.

In die Einwanderungspolitik kommt Bewegung. Nach Ansicht von Experten braucht Deutschland neben der Masse auch Klasse. Doch statt Leistungsträgern kommen vor allem Geringqualifizierte. Auftakt einer Serie zur Zuwanderung.

          6 Min.

          In die Einwanderungspolitik kommt wieder Bewegung. Eine Arbeitsgruppe der großen Koalition prüft, wie der Zuzug gut ausgebildeter Fachkräfte und Selbständiger erleichtert werden kann. Nach Ansicht vieler Ökonomen braucht Deutschland aber nicht nur Klasse, sondern auch Masse: Die Zuwanderer tragen schon jetzt dazu bei, die absehbare Schrumpfung der hiesigen Bevölkerung zu verlangsamen. In einer Serie beschreiben unsere Korrespondenten, wie Deutschland und andere Staaten die Zuwanderung steuern und mit dem Migrationsdruck aus armen Ländern umgehen. (pwe.)

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Im Juni erregte das Statistische Bundesamt Aufsehen mit einer verblüffenden Zahl: Gemäß dem jüngsten Mikrozensus haben fast ein Fünftel aller in Deutschland lebenden Personen einen sogenannten Migrationshintergrund. 15,3 der 82,4 Millionen Einwohner gelten als Ausländer, Spätaussiedler oder Deutsche mit mindestens einem Elternteil, der nicht als Deutscher geboren wurde. Demnach leben hierzulande mehr Einwanderer oder Einwandererkinder mit deutschem Paß als Ausländer, rund 8 gegenüber 7,3 Millionen. Behördenchef Johann Hahlen sprach offen aus, was schon viele formuliert hatten, aber nie so eindrucksvoll belegen konnten: Deutschland sei ein Zuwanderungsland.

          Das Thema Migration ist eng mit anderen zukunftsrelevanten Fragen verbunden. Es geht um den Bevölkerungsschwund, um Integrationsschwierigkeiten, um den Flüchtlingsdruck aus Afrika, den vermeintlichen Kampf der Kulturen, um Fremdenangst und Ausländerfeindlichkeit sowie als Unterthema auch um den islamistischen Terror. In diesem Spannungsfeld versucht Deutschland seit 2005 mit dem umstrittenen neuen Zuwanderungsgesetz, die Integration zu verbessern, den Status der Ankommenden zu vereinfachen und ihre Motive mit den Interessen des Gastlandes zu vereinbaren.

          Zuwanderung nimmt seit Jahren stetig ab

          Die Gruppe der Immigranten ist uneinheitlich. Klar ist nur eines: Die Zuwanderung nimmt seit Jahren ab, wegen des Asylkompromisses, wegen des gebremsten Familiennachzugs, wegen des Kriegsendes im ehemaligen Jugoslawien, wegen der höheren Sprachanforderungen an Spätaussiedler, wegen der sinkenden Attraktivität Deutschlands als Wirtschaftsstandort. Im stärksten Einwanderungsjahr der jüngsten Zeit, 1992, zählten die Behörden eine Nettozuwanderung von rund 780.000, darunter waren fast 600.000 Ausländer. Bis 2004 hatte sich der Wanderungsüberschuß der Ausländer auf rund 55.200 verringert; 2005 waren es 96.000. Auch immer weniger Spätaussiedler kommen mit ihren Familien nach Deutschland.

          Statt 400.000 wie 1990 waren es 2005 kaum 36.000. Insgesamt sind seit 1990 fast zweieinhalb Millionen Aussiedler eingewandert. Ein drastischer Rückgang zeigt sich bei den Asylbewerbern. Gab es 1992 noch fast 440.000 Erstanträge auf Asyl, waren es 2005 nur noch weniger als 29.000. Durchschnittlich erhält nicht einmal ein Prozent der Antragsteller Asyl. Zu den legalen Einwanderern kommt die unkontrollierte Migration hinzu. 2004 schrumpfte die Zahl der Aufgriffe durch die Polizei um 16 Prozent auf 81.000 Personen. Auch dieser Zustrom scheint nachzulassen.

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