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Migranten : Auf der Bildungsleiter von oben nach unten

  • -Aktualisiert am

Ausländische Abschlüsse sollen bald leichter anerkannt werden Bild: dpa

In Deutschland leben viele qualifizierte Migranten, die Teller waschen oder Taxi fahren - weil ihre Zeugnisse nicht anerkannt werden oder weil Arbeitgeber ihre Abschlüsse nicht einschätzen können. Bildungsministerin Schavan schätzt ihre Zahl auf 300.000. Hier sind sieben von ihnen.

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          Der Schüler

          Myozin Thaw will Arzt werden, Zahnarzt, um genau zu sein. In Myanmar hatte der heute Neunzehnjährige gerade sein Studium begonnen, als seine Familie nach Deutschland auswanderte. Er kam im Februar 2009 nach Deutschland; heute lebt er in Baden-Baden. Zunächst lernte er in Karlsruhe Deutsch, danach wollte er wieder studieren. Er verschickte seine Zeugnisse, doch das Regierungspräsidium Stuttgart teilte ihm nach Monaten mit, sein Abschluss sei nicht vergleichbar mit dem Abitur, nicht einmal der Realschulabschluss wurde anerkannt. "Das finde ich schade", sagt Myozin Thaw. Elf Jahre ging er in Myanmar zur Schule. Seit September holt er nun auf der Berufsfachschule Rastatt den Realschulabschluss nach. Zwei Jahre wird das dauern, danach will er Abitur machen, das braucht noch einmal zwei Jahre. Er ist der Älteste in seiner Klasse. Mathe und Englisch seien kein Problem. Deutsch schon eher - obwohl er nach gerade einmal anderthalb Jahren ausgezeichnet spricht. Arzt will er immer noch werden. "Aber es ist schon ärgerlich, dass ich hier nur einen Hauptschulabschluss habe."

          Der Geologe

          Feriz Ajdinovic, 50 Jahre alt, lebt seit elf Jahren in Deutschland. Er stammt aus dem Kosovo, heute wohnt er in Rösrath in der Nähe von Köln. Als es den Staat Jugoslawien noch gab, studierte er in Pristina Geologie. Doch nach dem Ende seines Studiums würfelte der Krieg schnell alle Lebenspläne durcheinander. Eine Zeitlang arbeitete er für ein Bergbauunternehmen; doch das ging pleite. Als er nach Deutschland kam, war er 39 Jahre alt, und weil er nur eine befristete Aufenthaltsgenehmigung hatte, hielt sich der Enthusiasmus der Behörden in Grenzen. "Ich wollte mein Geld selbst verdienen", sagt Ajdinovic. Im Sozialamt habe man ihm aber gesagt, er könne höchstens Spüler werden. "Ich habe mich erniedrigt gefühlt", sagt er. Trotzdem fing er 2002 als Tellerwäscher in einem Schlosshotel an. Heute, acht Jahre später, ist er immer noch Tellerwäscher. Die Arbeit sei schwer, sein Arzt habe ihm geraten, damit aufzuhören.

          „Recht und Fair Play” heißt die Abteilung, die über die Anerkennung der Berufsabschlüsse entscheidet.

          Doch die Arbeitsagentur erkenne das Attest nicht an. In Deutschland hatte er rasch mit einem Sprachkurs begonnen, "denn das ist wichtig, für die Zukunft, für die Integration". Doch heute spricht er noch immer nur gebrochen Deutsch. "Der Schichtdienst", sagt er entschuldigend. Den Dienstagabend wollte er frei haben für den Sprachkurs. Doch das klappte genau zwei Wochen lang. Er versuchte, einen Praktikumsplatz zu ergattern, irgendetwas mit Geologie. Doch es kamen lauter Absagen. Dabei ist inzwischen sogar sein Diplom anerkannt worden. Doch eine berufliche Weiterbildung bekäme er nur, wenn er arbeitslos wäre. Die Arbeitsagentur aber warnt ihn davor, seinen Job als Tellerwäscher zu kündigen. "Ich habe Familie", sagt Ajdinovic. In seiner Stimme schwingt Resignation mit. "Noch bin ich fit für einen Neuanfang. Ich kämpfe immer. Aber vielleicht ist meine Zeit doch schon abgelaufen."

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