https://www.faz.net/-gqe-10n7l

Metalltarife : „Mit Volldampf in Warnstreiks“

  • Aktualisiert am

Das ist die Forderung Bild: AP

In der Metallindustrie stehen die Zeichen auf Streik. Nach Baden-Württemberg lehnte am Freitag auch die IG Metall in Nordrhein-Westfalen das Angebot der Arbeitgeber einer Lohnerhöhung von 2,1 Prozent zuzüglich einer Einmalzahlung ab. Die Gewerkschaft verlangt acht Prozent - und will noch in der Nacht mit Warnstreiks beginnen.

          Im Tarifkonflikt der Metallindustrie stehen die Zeichen auf Streik. Nach Baden-Württemberg lehnte am Freitag auch die IG Metall in Nordrhein-Westfalen das Angebot der Arbeitgeber ab. Die Gewerkschaft kündigte an, noch in der Nacht mit Warnstreiks zu beginnen. In Bayern wurden die Gespräche nach dem Angebot einer Tariferhöhung um 2,1 Prozent für das kommende Jahr und Einmalzahlungen bereits nach gut einer Stunde abgebrochen. Ein solche Offerte hatten die Arbeitgeber am Vorabend bereits in Baden- Württemberg präsentiert. Von der IG Metall wurde sie als unzumutbar zurückgewiesen.

          Nach den Verhandlungen im Südwesten am Vorabend wird am Freitag in dritter Runde in fünf weiteren Bezirken zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern gestritten. Auch für die insgesamt mehr als zwei Millionen Beschäftigten der Branche in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen, den Regionen Küste und Mitte (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland) kommen Angebote auf die Acht-Prozent-Forderung der IG Metall, die ähnlich wie in Baden-Württemberg ausfallen dürften. Insgesamt sind in der bundesdeutschen Metall- und Elektroindustrie 3,6 Millionen Menschen beschäftigt.

          „Das Angebot wird der wirtschaftlichen Kraft der Branche nicht gerecht“, sagte NRW-Bezirksleiter Oliver Burkhard vor Beginn der dritten Verhandlungsrunde in Dortmund. Die Offerte sei eine „Anmaßung“. „Jetzt geht es leider mit Volldampf in Warnstreiks“, kündigte er an. Diese sollten noch in der Nacht beginnen. Von Montag an solle die Warnstreikwelle verstärkt werden. Die IG Metall hatte die Offerte in Baden-Württemberg am Donnerstagabend in Fellbach bei Stuttgart als unzumutbar abgelehnt. Die Friedenspflicht endet am Freitag um Mitternacht.

          „Wir brauchen satte Einkommenszuwächse“

          Zuvor hatte bereits IG-Metall-Chef Berthold Huber Warnstreiks angekündigt. Lohnzurückhaltung wäre ein „gefährliches Gift für Wachstum und Konjunktur“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Die Arbeitnehmer seien „wütend, weil sie trotz Aufschwung weniger in der Tasche haben, während Manager und Kapitalbesitzer massiv profitiert haben“.

          Der Gewerkschaftschef will sich dem Bericht zufolge offenbar an dem Tarifabschluss in der Stahlindustrie zu Jahresbeginn orientieren. Auf die Frage, ob dieser Abschluss mit 5,2 Prozent mehr Lohn die Messlatte sei, sagte Huber der Zeitung: „Das werden wir sehen. Sicher ist, dass dieser Abschluss bei den Beschäftigten voll und ganz auf Zustimmung getroffen ist. Wir brauchen satte Einkommenszuwächse, sie schaffen neue Kaufkraft, die mehr Konsum auslöst und damit Wachstum und Wohlstand stärkt.“

          Huber erneuerte seine Streikbereitschaft und kündigte eine Warnstreikwelle ab dem Wochenende an: „Wir wollen eine friedliche Lösung, aber wir werden einem Arbeitskampf nicht aus dem Weg gehen. Erste Warnstreiks wird es in der Nacht zu Samstag geben. Von Montag an folgt die eigentliche Welle - das ist nur eine Warnung. Wenn wir nicht zu einem Ergebnis kommen, könnte nach einer Urabstimmung Mitte November richtig gestreikt werden.“

          Weitere Themen

          Weniger düngen dürfen

          Güllebremse für Landwirte : Weniger düngen dürfen

          Verschmutzen Landwirte das Grundwasser, weil sie zu viel düngen? Die EU-Kommission verlangt jedenfalls eine Verschärfung der Regeln. Agrarministerin Klöckner will deshalb die Dünge-Pause verlängern.

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          Topmeldungen

          Miet- und Kaufpreise in Europa : Schlimmer geht immer

          Deutschland ächzt unter hohen Mieten und teuren Immobilien. Doch anderswo in Europa ist die Lage weitaus dramatischer – kein gutes Zeichen.

          Ich und das Klima : Du sollst verzichten

          Die Deutschen müssen ihr Leben ändern, sagen die einen. Was die Deutschen machen, ist der Welt egal, behaupten die anderen. Was kann der Einzelne wirklich bewirken?

          Umstrittener Backstop : Was will Boris Johnson?

          In einem Brief an EU-Ratspräsident Donald Tusk kritisiert der britische Premierminister die „Backstop“-Regelung zur irischen Grenze und schlägt „alternative Vereinbarungen“ vor. Er stößt jedoch auf wenig Gegenliebe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.