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Merkels Handys : Hersteller: Das „echte“ Kanzler-Phone ist sicher

Angeblich abhörsicher Bild: REUTERS

Dass Angela Merkels Handy abgehört wurde, ließ dem Hersteller den Atem stocken. Dann stellte sich heraus, dass nicht das „Kanzler-Phone“ abgehört wurde, sondern ein ungeschütztes Parteihandy. Letztlich, heißt es bei Secusmart, hänge die Sicherheit vom Nutzer selbst ab.

          So stellt man sich einen typischen deutschen Mittelständler vor: 35 Mitarbeiter, 6 bis 7 Millionen Euro Umsatz. Die vor sechs Jahren gegründete Düsseldorfer Secusmart GmbH steht mitten im Abhörskandal um das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als „führenden Experten auf dem Gebiet der hochsicheren Sprach- und Datenkommunikation“. Zu den Kunden gehören alle Bundesministerien, viele deutsche Dax-Unternehmen und auch die Kanzlerin selbst: Secusmart lieferte vor vier Jahren eine Sprachverschlüsselungslösung an die Bundesregierung; eine Kombination aus Software und Krypto-Chip, die in diesem Jahr modernisiert wurde und nun auf den neuen Blackberry-Modellen läuft.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie sich am Freitag herausstellte, ist die Kanzlerin – zum Glück für Secusmart – gerade mit diesem Smartphone nicht abgehört worden. Stattdessen soll der amerikanische Geheimdienst NSA ein von der Regierungschefin genutztes ungeschütztes CDU-Parteihandy abgefischt haben. Dem Geschäftsführer Hans-Christoph Quelle, einem früheren Nokia-Manager, ist die Erleichterung anzuhören: „Für unverschlüsselte Telefonate, SMS oder auch E-Mails können wir natürlich nicht garantieren.“ Das „Kanzler-Phone“ jedoch, Merkels eigentliches Diensthandy, „bleibt sicher“, gibt sich Quelle überzeugt. Schließlich sei die Sicherheit offen nachvollziehbar. Sie beruhe auf der Secusmart Security Card, einer Micro-SD-Karte mit integriertem Chip. Dieser Miniatur-Kryptoprozessor sorge im Handy für die Verschlüsselung von Sprache und Daten sowie für die Authentifizierung der Gesprächsteilnehmer.

          340 Sextillionen verschiedene Schlüssel

          Mit Lust rechnet Quelle vor, dass sich selbst die NSA an seinem Produkt die Zähne ausbeißen würde. Die verwendete AES-Verschlüsselung mit 128 Bit ermögliche 340 Sextillionen verschiedene Schlüssel, eine 340 mit 36 Nullen. „Selbst mit Spezialrechnern bräuchte man nach heutigem Stand der Technik theoretisch 149 Billionen Jahre, um diesen Code zu knacken.“ Das sei etwa 10.000 Mal länger als das Universum alt sei. „Da sind auch die Vereinigten Staaten noch eine Weile beschäftigt“, sagt Quelle.

          Secusmart-Geschäftsführer Hans-Christoph Quelle

          Freilich weiß auch der Secusmart-Manager, dass nicht die Technik die Sicherheit limitiert, sondern stets der Mensch. Je sicherer, desto unbequemer werden die Lösungen. Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, brauchen beide Gesprächspartner ein hochgesichertes Handy. In der ersten Version von 2009 kam noch erschwerend hinzu, dass eine Sprachverzögerung von rund einer Sekunde im Gespräch auftrat. Wer daran nicht gewöhnt war, redete dem Partner gerne mitten hinein. Bei der aktuellen Blackberry-Lösung habe man dieses Problem behoben. „Unser Bestreben ist es, die Sicherheit für den Nutzer so einfach wie möglich zu machen. Letztlich hängt die Sicherheit aber vom Nutzer selbst ab. Solange er sich im sicheren Bereich bewegt, ist er gegen Spähattacken geschützt. Schließlich würde auch keiner im Winter bei kalten Temperaturen den wärmenden Mantel an der Garderobe hängen lassen“, sagt Quelle.

          Den „wärmenden Mantel“ kann sich übrigens grundsätzlich jeder anschaffen. „Jeder unbescholtene Bürger kann bei uns kaufen“, sagt Quelle – ein polizeiliches Führungszeugnis wird nicht verlangt. Die Nachfrage von Privatleuten hält sich jedoch in sehr engen Grenzen. Vielleicht liegt es daran, dass der Listenpreis für ein einzelnes Gerät 2500 Euro beträgt.

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