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Merkels China-Reise : Technologiediebstahl rügen

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Original und chinesische Fälschung (r.) eines deutschen Kraftstoffilters Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Ausländische Investoren werden in China durch Gesetze, Auflagen und andere Regelungen zum Technologietransfer gezwungen, sagen deutsche Wirtschaftsvertreter. Sie erhoffen sich während Merkels China-Besuch klare Worte.

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          Die deutsche Wirtschaft erwartet von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf ihrer China-Reise in der kommenden Woche klare Worte gegen erzwungenen und illegalen Technologietransfer. „Deutsche Unternehmen leiden verstärkt unter politischem Druck der chinesischen Regierung zum Technologietransfer“, sagte der China-Sprecher der deutschen Wirtschaft, der Unternehmer Jürgen Heraeus, dieser Zeitung am Donnerstag.

          Dabei gehe es um Fälle, in denen ausländische Investoren durch Gesetze, Auflagen oder andere Regelungen zum Technologietransfer gezwungen würden. „Das wird Frau Merkel sicher ansprechen“, sagte Heraeus. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) klagte zudem über den ungebrochen hohen Anteil von Markenpiraterie in China. Das müsse die Bundesregierung „noch deutlicher“ ansprechen.

          Kritik aus Unternehmerkreisen

          Merkel bricht am Sonntag zu ihrer ersten China-Reise als Kanzlerin auf. Die ursprünglich für den Herbst geplante, zweitägige Visite führt sie nach Peking und Schanghai. Zu der Unterzeichnung eines weiteren Vertrages zum Bau einer Transrapidstrecke wird es dabei wohl nach nicht kommen. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) wird mit der Wirtschaftsdelegation einen Tag länger bleiben und die ostchinesische Industriemetropole Nanjing besuchen. Dort hat BASF für knapp 3 Milliarden Dollar einen Verbundstandort aufgebaut, der erweitert werden soll.

          Aus Unternehmenskreisen war Kritik an der Kürze von Merkels Visite laut geworden - auch daran, daß nur 30 Manager mitreisen könnten. Heraeus sagte zwar, das sei bei früheren Kanzlerreisen nicht anders gewesen. Er wies aber darauf hin, daß bei China-Besuchen anderer Staatschefs „bis zu 100 Unternehmer dabei sind“.

          Die deutsche Wirtschaft habe bewiesen, daß sie zum Transfer auch von Spitzentechnologie bereit sei, sagte Heraeus. Zum Beleg verwies er auf die vom Maschinen- und Fahrzeugbau dominierte Ausfuhr, die sich binnen 10 Jahren auf 21,3 Milliarden Euro (2005) vervierfacht habe. Die Direktinvestitionen hätten sich gegenüber 1995 auf 8,2 Milliarden Euro (2004) verzehnfacht. (Die deutsche Einfuhr aus China erhöhte sich von 1995 bis 2005 um 500 Prozent auf 40 Milliarden Euro.)

          Erzwungene Gemeinschaftsunternehmen

          Die Unternehmen wollten aber freiwillig entscheiden, welche Technologie sie in welchem Umfang an chinesische Partner weiterreichen wollten, sagte Heraeus. Es gebe Branchen wie den Automobilbau und den Schienenfahrzeugbau, in denen ausländische Bieter gezwungen seien, Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Firmen einzugehen. Dabei könne der Partner oft nicht frei gewählt werden, sondern man bekomme einen chinesischen Wettbewerber zugeteilt. Dieser erhalte so Zugang zu ausländischen Technologien.

          Um sich an öffentlichen Ausschreibungen beteiligen zu können, müßten ausländische Bieter bis zu 80 Prozent an lokaler Fertigung zusichern. Dabei würden Leistungen deutscher Tochterunternehmen in China aber nicht immer als lokale Fertigung anerkannt. Auch verlangten die Chinesen für viele Projekte die Zusammenarbeit mit heimischen Design-Instituten. Der Asien-Pazifik-Ausschuß im BDI hat deshalb Empfehlungen erarbeitet, mit denen sich Investoren gegen Technologiediebstahl absichern können.

          „Gezielte Identifikation“

          Heraeus äußerte die Vermutung, „daß die chinesische Regierung einzelne Branchen gezielt identifiziert, in denen dann Strategien zur Technologieübertragung umgesetzt werden“. Für die deutschen Unternehmen sei das riskant, weil damit ihre Innovationskraft geschwächt werde. „Die Verbindung von Technologietransfer mit dem Aufbau einer schlagkräftigen eigenen Forschung kann schneller als gedacht dazu führen, daß China künftig selber zum Technologieführer aufsteigt“, sagte Heraeus. Frühere chinesische Partner träten bereits heute als Wettbewerber auf.

          Deutsche Investoren sollten auch die Chancen der Kooperation mit chinesischen Anbietern nutzen, riet Heraeus, dessen Unternehmen in China einen Milliardenumsatz erzielt. Allein die schiere Menge Hunderttausender Ingenieursabsolventen und Technikstudenten lege es nahe, neue Technologien mit Partnern vor Ort zu entwickeln. Fehlende Infrastruktur sei mitunter hilfreich: Neue Produkte gelangten schneller zur Marktreife, wenn keine Lobby die bestehenden Strukturen verteidige. Von Vorteil sei auch der große Arbeitswille vieler Chinesen. „Die arbeiten täglich 10 bis 12 Stunden, wenn es sein muß, an sieben Tagen in der Woche.“

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