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Größte Reserven der Welt : Venezuela hat das meiste Öl

Ölbohrung in Venezuela Bild: REUTERS

Venezuela hat jetzt die größte Menge an Ölreserven auf der Welt und verdrängt Saudi-Arabien von der Spitze. Aber die Qualität der Reserven ist fraglich.

          Venezuela verfügt nach Angaben seines Energie- und Ölministeriums über die größte Menge zertifizierter Ölreserven auf der Welt. Das offizielle Regierungsorgan des Landes „Gaceta Oficial“ beziffert das Volumen zum Stichtag 31. Dezember 2010 auf 296,5 Milliarden Barrel (1 Barrel=159 Liter). Diese Schätzung findet sich auch in einer vor kurzem veröffentlichten Jahresstatistik der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Damit überholt das lateinamerikanische Land Saudi-Arabien. Ende des vergangenen Jahres wurden in Venzuela 86,41 Milliarden Barrel, die unter anderem im Gebiet des Orinoco-Flusses lagern, als bestätigte Reserven hinzugerechnet.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Ob die Qualität der Reserven allerdings konventionellen Vorkommen – rasch verfügbarem Rohöl – entsprechen, ist fraglich. Denn normalerweise muss das venezuelanische Erdöl aufwändig und kostspielig gefördert werden. Dazu gehören zum Beispiel Ölschiefer. Man müsse sehr vorsichtig sein, sagt Alexander Pögl, Analyst beim Energieberater JBC Energie in Wien. Theoretisch könnte es sich bei den Angaben um eine Reklassifizierung von unkonventionellen zu konventionellen Reserven handeln. Dass Venezuela Anreize hat, hohe Reserven auszuweisen, ist klar. Das Land ist wirtschaftlich stark abhängig von Rohöl, die Bewertung seiner Bonität hängt mit seinen Ölreserven zusammen. Der Mineralölkonzern BP weist in seiner Statistik unverändert 211,2 Milliarden Barrel aus.

          Unwahrscheinlich ist, dass die sprunghaft gestiegenen Reserven Venezuelas einen dämpfenden Einfluss auf den Ölpreis haben werden. Bis diese Reserven gefördert werden könnten, vergingen viele Jahrzehnte, gibt Helmut Langanger, ehemaliger Vorstand im österreichischen Erdölkonzern OMV und derzeit Unternehmensberater, zu bedenken. Es sei höchst kompliziert, diese Volumina verfügbar zu machen, um daraus Öl zu gewinnen. Beim derzeitigen Ölpreis sei es aber rentabel. Denn Ölschiefer abzubauen, koste 90 bis 100 Dollar je Barrel. Das daraus gewonnene Öl wird mit Preisabschlägen von 15 bis 20 Dollar verkauft. Am Donnerstag wurde die amerikanische Sorte Brent zu 117 Dollar je Barrel gehandelt. Dass Reserven bearbeitet werden, die nur unter großem Aufwand gefördert werden können, ist ein Hinweis darauf, dass die Ölunternehmen mit weiterhin hohen Ölpreisen rechnen.

          Innerhalb der Opec könnte sich die Stellung Venezuelas verbessern. Denn je größer die Reserven sind, umso größer ist die Quote, die ein Land zugeteilt bekommt. Im vergangenen Jahr kam Venezuela auf 2,9 Millionen Barrel am Tag. Größter Förderer waren Saudi-Arabien mit einer Tagesleistung von 8,2 Millionen Barrel; dann folgte der Iran mit täglich 3,6 Millionen Barrel. Die im Kartell zusammen geschlossenen zwölf Länder produzierten 29,3 Millionen Barrel, das ist gut ein Drittel des Ölangebots auf der Welt.

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