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Mehrkosten für Versicherte : Beitragsschock für Kassenkunden

  • -Aktualisiert am

Mehr Geld für die Krankenversicherung: Die meisten Kassen werden teurer. Bild: dpa

Die Kosten für die gesetzliche Krankenversicherung werden im kommenden Jahr für fast alle Versicherten steigen. Doch mancherorts deutlich stärker als anderswo. Ein Überblick.

          2 Min.

          Fast alle gesetzlich Krankenversicherten müssen von Januar an mehr an ihre Kasse zahlen. Denn der durchschnittliche Zusatzbeitrag nimmt wegen des Kostenanstiegs laut Regierung um 0,2 Punkte auf 15,7 Prozent zu. Da die Versicherten den Zusatzbeitrag alleine zahlen, kämen auf einen Arbeitnehmer mit 2500 Euro Monatseinkommen 5 Euro, für einen Beschäftigten an der Bemessungsgrenze von dann 4237,50 Euro allerdings schon knapp 8,50 Euro zu.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Da die Kassen den Zusatzbeitrag nach ihrer Finanzlage wählen, differiert dessen Höhe. So wird die drittgrößte Kasse, die DAK mit 6,1 Millionen Versicherten, den Beitragssatz um 0,6 Punkte auf 16,1 Prozent anheben. „16,1 Prozent stehen in der Vorlage, über die am Freitag unser Verwaltungsrat abstimmen wird“, sagte der Vorstandsvorsitzende Herbert Rebscher der F.A.Z.. Bei einem Einkommen von 2500 Euro muss ein DAK-Kunde dann 15 Euro im Monat mehr zahlen als heute, liegt der Verdienst bei 4237,50 Euro oder höher, summieren sich die monatlichen Zusatzkosten schon auf 25 Euro. Die DAK hatte 2010 mit wenigen Kassen als Erste den Zusatzbeitrag von 8 Euro eingeführt, was Zehntausende Mitglieder mit Kündigung quittierten.

          Auch andere Kassen dürften den Zusatzbeitrag anheben

          Rebscher hatte deshalb 2015 lieber das Risiko eines Defizites in Kauf genommen, statt als eine von wenigen Kassen einen hohen Zusatzbeitrag nehmen zu müssen. Doch inzwischen hat die DAK die Mindestreserve strapaziert, die aufgefüllt werden muss. Hinzu kommen laufende Kostensteigerungen und der Wille, 2017 nicht wieder eine Beitragserhöhung durchziehen zu müssen, wozu ein Finanzpolster nötig ist. So kommen 0,6 Punkte Anstieg zustande.

          Die DAK steht zwar am oberen Rand der Erhöhungen, ist aber nicht die einzige große Kasse, die ihren Zusatzbeitrag stark anhebt. Insofern ist die Strategie des vergangenen Jahres aufgegangen. Die IKK Classic dürfte am Montag eine Anhebung auf womöglich 15,9 Prozent beschließen, erwarten Kenner. Die Knappschaft hat schon eine Anhebung um 0,5 Punkte auf 15,9 Prozent beschlossen. Auf dem Niveau erwarten Beobachter auch den Satz der AOK Rheinland/Hamburg. Die KKH, die viertgrößte Ersatzkasse, liegt dann bei 15,8 Prozent. Sie alle müssen ihre Kunden schriftlich auf Kündigungsrechte hinweisen und darauf, dass es günstigere Anbieter gibt.

          Die größte Kasse, die Techniker-Krankenkasse, erhöht um 0,2 Punkte auf 15,6 Prozent und bleibt damit weiterhin leicht unter dem Durchschnittssatz. Die zweitgrößte Ersatzkasse, die Barmer-GEK, dürfte diesen Freitag einen Anstieg um 0,2 Punkte auf 15,7 Prozent beschließen. Die Deutsche BBK, mit der die Barmer 2017 fusionieren will, hatte den gleichen Satz festgelegt. Auch die Ortskrankenkassen (AOK) Bayern, Nordwest, Hessen, Rheinland-Pfalz/Saarland und Bremen heben den Beitrag auf 15,7 Prozent an. Dass es auch ohne Zusatzbeitrag geht, beweist die Metzinger BKK. Sie verlangt nur den gesetzlichen Satz von 14,6 Prozent. Pech nur für viele, die dorthin wechseln wollen: Die Kasse ist nur für Kunden geöffnet, die in Baden-Württemberg wohnen. Die Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenkasse kann aber grundsätzlich mit einer Frist von zwei Monaten gekündigt werden.

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