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Mediziner : Honorare der Kassenärzte steigen um fast 10 Prozent

Bild: F.A.Z.

Die 150.000 niedergelassenen Ärzte haben ihre Einnahmen aus der Behandlung von Kassenpatienten deutlich gesteigert. Dabei gibt es beträchtliche Unterschiede zwischen den Arztgruppen: Während Fachärzte für Innere Medizin und Nervenheilkunde hohe Zuwächse verbuchten, mussten Orthopäden und Anästhesisten Verluste hinnehmen.

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          Die 150.000 niedergelassenen Ärzte haben ihre Einnahmen aus der Behandlung von Kassenpatienten im ersten Halbjahr 2009 um fast 10 Prozent gesteigert. Auf das Jahr gerechnet könnte der Zuwachs 1,8 Milliarden Euro betragen. Das geht aus neuen Berechnungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hervor.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Demnach stiegen die Einnahmen je Arzt im ersten Halbjahr 2009 um durchschnittlich 9,2 Prozent auf 100.431 Euro. Mit der Honorarreform, welche unter der großen Koalition beschlossen wurde, sollten die Ärztehonorare bundesweit angeglichen, die Zuwächse vom Beitragsaufkommen abgekoppelt und verzögerte Erhöhungen nachgeholt werden.

          Ärztechef: Reicht noch nicht aus

          Die Steigerungsraten 2009 differieren je nach Arztgruppe und Bundesland. Orthopäden und Anästhesisten mussten Verluste hinnehmen, während Fachärzte für Innere Medizin und Nervenheilkunde mehr als 20 Prozent Zuwachs verbuchen konnten. Im Ländervergleich waren die Einnahmen in Baden-Württemberg und Bayern rückläufig, während die Ärztehonorare in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen um mehr als 17 Prozent zulegten.

          Obwohl die Honorarreform den Ärzten unerwartet hohe Zuwächse eingetragen hat, äußerte sich der KBV-Chef Andreas Köhler unzufrieden. "Auch wenn die Krankenkassen jetzt mehr Geld zur Verfügung stellen, reicht es noch nicht aus, um dauerhaft flächendeckend die Versorgung sicherzustellen, vor allem, um den Arztberuf wieder so attraktiv zu machen, dass die drohende Unterversorgung mit Ärzten und Psychotherapeuten vermieden werden kann", sagte er der F.A.Z. am Montag. Kürzlich hatte er gesagt, dass der von der Politik versprochene Honorarzuwachs von 2,5 Milliarden Euro 2009 gegenüber 2007 noch um 900 Millionen Euro übertroffen werde. Für 2010 habe man mit den Kassen weitere 1,7 Milliarden Euro ausgehandelt.

          Versicherer: Noch mehr Geld gibt es nicht

          Der Vizevorstand des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV), Johann-Magnus von Stackelberg, wies weitere Honorarforderungen als unangebracht zurück. Noch mehr Geld gebe es nicht. "Der politisch gewollte einmalige Honorarsprung der Ärzte darf nicht zur jährlichen Gewohnheit werden - erst recht nicht, wenn die Einkünfte der GKV-Beitragszahler stagnieren", sagte er dieser Zeitung. Ärzte gehörten zu den Besserverdienern. Im Durchschnitt habe ein Niedergelassener 20 000 Euro mehr bekommen und sein Bruttoeinkommen 2009 auf 162 000 Euro erhöht. "Das ist Geld der GKV-Beitragszahler, die dafür einen Anspruch auf engagierte Versorgung durch die Kassenärzte haben."

          Baden-Württembergs Sozialministerin Monika Stolz (CDU) sagte, die Ärzte ihres Landes seien die Verlierer der Honorarreform. Die Selbstverwaltung müsse eine Lösung finden. "Wenn das auf dieser Ebene nicht zeitnah geregelt werden kann, muss das Bundesgesundheitsministerium intervenieren und eine gerechte Verteilung der begrenzten Mittel sicherstellen."

          Fachärzte vor Allgemeinmedizinern

          Das Gesundheitsministerium wollte die Zahlen nicht kommentieren. Aus der Statistik geht hervor, dass die 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) den Ärzten im ersten Halbjahr 2009 bundesweit 15,5 Milliarden Euro überwiesen haben. Das waren 923,9 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum. Schon im ersten Halbjahr 2008 hatten sie gegenüber 2007 ein Plus von 760 Millionen Euro verbucht. Im Westen erreicht die Steigerungsrate 5,2 Prozent, im Osten 13,2 Prozent. Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg schnitten dreimal so gut ab wie der Durchschnitt der Westländer. Baden-Württemberg und Bayern verloren.

          Im Vergleich der Arztgruppen (ohne Bayern) ergibt sich folgendes Bild: Allgemeinmediziner schneiden mit einem durchschnittlichen Plus von 4,9 Prozent schlechter ab als die meisten Fachärzte. Unter denen haben die für Innere Medizin den höchsten Zuwachs (27,5 Prozent). Kinder- und Augenärzte, Chirurgen, Gynäkologen, Radiologen und Urologen verzeichnen je Arzt Zuwachsraten von 5 bis 9 Prozent. Die Spanne der Honorare, aus denen Praxiskosten, Helferinnen, Steuern, Versicherungen sowie Einkommen zu bestreiten sind, reicht für das Halbjahr von 37 933 Euro für Psychotherapeuten bis 156 000 Euro bei Radiologen.

          Allerdings wird damit das Ärzteeinkommen nur zum Teil abgebildet. So fehlen die Honorare der Privatpatienten. Auch spezielle Versorgungsverträge, etwa Hausarztverträge, werden teils außerhalb des KV-Systems direkt mit den Kassen abgerechnet.

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