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Maschinenbauer beklagen Sanktionen : „Die Russen lechzen nach unseren Maschinen“

  • -Aktualisiert am

Eigentlich ist die Stimmung gut auf der AMB-Messe in Stuttgart - wenn nicht die Krise mit Russland wäre. Bild: Holger Paul

Deutschlands Werkzeugmaschinen-Bauer leiden unter den Russland-Sanktionen: Die Aufträge sind deutlich eingebrochen. Viele hoffen, dass sich die Lage bald entspannt.

          Es ist kein Gold, was dieser Tage in den Stuttgarter Messehallen glänzt, es ist „nur“ Metall. Aber für die Aussteller sind all die fein geschliffenen und auf Hochglanz polierten Getriebe- oder Motorenteile, die sie an ihren Ständen zeigen, pures Gold wert. „Diese hohe Qualität der Metallbearbeitung können unsere Maschinen liefern“, lautet die Botschaft der deutschen Werkzeugmaschinenbauer, und sie kommt an: sowohl auf der Messe AMB, wo sich die Fachbesucher durch die Hallen drängeln, als auch bei den Kunden in aller Welt, den Fahrzeugherstellern, Flugzeugbauern oder Zulieferern.

          Rund 61 Milliarden Euro werden in diesem Jahr rund um den Globus mit dem Verkauf von Werkzeugmaschinen wohl umgesetzt; Maschinen, die in vielen Fabriken den Kern der Produktion darstellen. Knapp ein Viertel dieses Absatzes stammt aus deutscher Produktion, aber was noch wichtiger ist: Die hiesigen Hersteller von Dreh-, Schleif oder Fräsmaschinen können sich nach wie vor rühmen, allerbeste Qualität zu liefern, die auch in Schwellenländern wie China immer mehr gefragt ist und auch bezahlt wird. „Unsere Unternehmen sind in sehr guter Verfassung“, lobt Wilfried Schäfer, der Geschäftsführer des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW).

          „Sie können alles in China bekommen“

          Und gäbe es nicht den Konflikt mit Russland und die Sanktionen gegen Unternehmen aus dem Reich Putins, die Stimmung in dieser deutschen Vorzeigebranche mit ihren rund 71.000 Beschäftigten könnte wohl nicht besser sein. Stattdessen hadern die Betriebe mit ihrem Schicksal, vorsichtig zwar, aber unüberhörbar. Denn praktisch jeder Kunde in Russland, der bei ihnen neue Anlagen bestellt, ist ein Mischkonzern, der irgendwie auch mit der Rüstungsindustrie zu tun hat. Und das heißt: Exporte sind kaum noch möglich. „Die russischen Kunden lechzen nach unseren Maschinen. Aber wir können im Augenblick nichts liefern“, sagt Luigi Maniglio, Geschäftsführer und Deutschland-Chef des taiwanesischen Konzerns FFG, unter dessen Dach eine ganze Reihe traditionsreicher deutscher Maschinenbauer vor einigen Monaten ihre neue Heimat gefunden hat.

          Etwa 11 Prozent des Jahresumsatzes von 180 Millionen Euro macht die deutsche FFG mit Russland, 15 bis 20 Millionen Euro Umsatz seien damit gefährdet. „Natürlich besorgt uns das“, sagt Maniglio. „Wir hoffen sehr, dass es eine politische Lösung des Konflikts in den nächsten Monaten gibt.“ Anderen Herstellern ergeht es ähnlich. Russland war einer der großen Hoffnungsträger für die Zukunft, aber derzeit werden viele Aufträge verschoben oder fallen ganz weg. „Wir standen schon vor drei großen Abschlüssen, nun sind sie nicht zustande gekommen“, sagt Dirk Wember, der Inhaber des Spezialmaschinenbauers Haas Schleifmaschinen.

          Ein halbes Jahr könnten diese Projekte vielleicht auf Eis bleiben, schätzt Wember. Wenn sich die Lage bis dahin nicht entspannt hat, werden sie wohl für immer verloren sein. Denn andere Nationen, insbesondere die Chinesen, versuchen nun, in Russland vorzudringen. „Es gibt kein Teil, keine Maschine, die russische Kunden nicht auch in China bekommen könnten“, warnt Rüdiger Kapitza, der Vorstandsvorsitzende des deutschen Branchenprimus DMG Mori Seiki. Zwar können die Chinesen nicht die gleiche Qualität liefern wie die Europäer, heißt es auf der Messe selbstbewusst. „Aber es ist eine ausreichende Qualität“, sagt Kapitza.

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