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Nach Brexit-Votum : Britischer Topmanager Sorrell fordert Wahlpflicht

Bild: Reuters

Er ist der bestbezahlte Manager Europas: der Brite Martin Sorrell. Nach dem Brexit-Votum fordert er Strafen für alle, die nicht abstimmen.

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          Einer der bekanntesten Manager Großbritanniens fordert als Konsequenz aus dem Brexit-Votum die Einführung einer allgemeinen Wahlpflicht. „Jeder sollte wählen müssen“, sagte Martin Sorrell, Vorstandsvorsitzender des Werbekonzerns WPP, am Wochenende im Gespräch mit dieser Zeitung. „Die Wahlbeteiligung sollte bei 100 Prozent liegen. Wenn jemand nicht wählen geht, sollte er bestraft werden.“ Ein Beschluss von dieser Tragweite wie jener über die EU-Mitgliedschaft dürfe nicht mit einer Wahlbeteiligung von nur 72 Prozent getroffen werden. „Was ist mit den anderen 28 Prozent?“

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          WPP ist der größte Werbekonzern der Welt; zu der Gruppe mit Sitz in London gehören Agenturen wie Ogilvy und der Marktforscher TNS. Der 71 Jahre alte Sorrell lässt sich seine Dienste an der Spitze fürstlich bezahlen: Im vergangenen Jahr bekam er vor allem dank hoher Boni rund 70 Millionen Pfund (86 Millionen Euro). Damit ist er der mit Abstand bestbezahlte Vorstandsvorsitzende in Europa. In puncto Wahlpflicht nennt Sorrell Brasilien als Vorbild. Tatsächlich herrscht in weiten Teilen Südamerikas Wahlpflicht, ebenso in Australien. Auch in Europa gibt es einige Beispiele, etwa Belgien und Zypern. In der Regel steht es den Bürgern frei, ob sie sich für eine der auf dem Stimmzettel vorgegebenen Alternativen entscheiden oder ihn ungültig abgeben. Pflicht ist nur, an der Wahl teilzunehmen. Die Geldstrafen für Verweigerer sind aber gering und werden nur selten durchgesetzt. Mancherorts werden Nichtwähler von Stellen im öffentlichen Dienst ausgeschlossen.

          Sorrell ist EU-Befürworter

          Die Entscheidung der Briten, aus der EU auszutreten, hält Sorrell für ein „Desaster“. Er selbst schlug sich schon frühzeitig auf die „Remain“-Seite. Seine Großeltern sind einst aus Osteuropa nach Großbritannien eingewandert. Anders als viele seiner Landsleute sieht Sorrell in Zuwanderung keine Gefahr, sondern etwas Positives. Die Kritik an Brüssel teilt er aber. „Gibt es zu viel Bürokratie in Europa? Ja. Gibt es Geldverschwendung? Ja.“ In der EU laufe vieles falsch, sagt Sorrell und nennt als ein Beispiel die zwei Sitze des Parlaments in Brüssel und Straßburg.

          Das aber sei noch lange kein Grund auszutreten, sondern ein Auftrag, es besser zu machen. Allerdings wohl nicht mehr für Großbritannien: Sorrell geht davon aus, dass auf das Referendum nun auch der Austritt folgt. „Ich bezweifle, dass es einen Weg zurück gibt.“ Als Nachfolger für Premierminister David Cameron spricht er sich für Innenministerin Theresa May aus. Sie habe sich in den vergangenen Monaten am besten verhalten, sei am wenigsten anderen in den Rücken gefallen. „Vielleicht sind Frauen besser als Männer“, sagt Sorrell. Er hofft auch darauf, dass in den Vereinigten Staaten Hillary Clinton Präsidentin wird. Seit Freitagmorgen ist er sich da aber nicht mehr so sicher. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Trump gewinnt, ist durch den Brexit definitiv gestiegen.“

          Sorrell sieht eine „London-Blase“

          Ist die Ungleichheit zu groß geworden? Haben die Gewinner der Globalisierung die Verlierer aus dem Blick verloren? Es gebe eine „London-Blase“, konstatiert Sorrell: „Wir haben keine Ahnung, was da draußen in der echten Welt passiert.“ Vor allem die ländliche Bevölkerung hatte sich für den Austritt ausgesprochen. Dass die Regierung von Cameron den Spitzensteuersatz vor drei Jahren von 50 auf 45 Prozent gesenkt hatte, hält er für einen Fehler. „Das war ein sehr schlechtes Signal.“ Den Satz wieder anheben und damit selbst signifikant mehr Steuern zahlen will er zwar nicht. Aber: „Wir sollten höhere Steuern auf kurzfristige Kapitalgewinne erheben.“

          Rund 17.000 der knapp 200.000 Mitarbeiter von WPP arbeiten in Großbritannien. Erst 2013 hatte Sorrell den Sitz des Konzerns von Dublin wieder zurück nach London verlegt. Noch will der Manager keine Arbeitsplätze auf den Kontinent verlagern, wohl aber künftige Investitionen. „Das ist die gute Nachricht für Westeuropa: Wir werden dort jetzt mehr machen, nicht weniger.“ Deutschland ist für WPP der viertgrößte Markt nach Amerika, Großbritannien und China. Zu den zehn umsatzstärksten Ländern des Konzerns gehören außerdem Frankreich, Italien und Spanien.

          Dass aus dem Brexit-Lager seit Bekanntgabe des Ergebnisses deutlich leisere Töne zu hören sind als im Wahlkampf, wundert Sorrell nicht. Das sei ähnlich wie bei einer Übernahme in der Wirtschaft: Das Hochgefühl, es geschafft zu haben, lege sich schnell, wenn es an die Umsetzung gehe. “

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