https://www.faz.net/-gqe-76dbn

Mario Draghi : „Ein Zeichen für die Rückkehr des Vertrauens“

  • Aktualisiert am

„Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro“: Mario Draghi Bild: AFP

Europas Währungshüter lassen sich nicht von Sorgen um die Aufwertung des Euro beirren. Die Zinsen bleiben auf Rekordtief - trotz der Rezession im Euroraum. Die Notenbank sieht zunehmend Zeichen der Entspannung an den Märkten.

          2 Min.

          Europas Währungshüter lassen sich auch durch wachsenden politischen Druck nicht von ihrem Kurs abbringen. Anders als etwa die französische Regierung macht sich die Europäische Zentralbank (EZB) vorerst keine Sorgen wegen der jüngsten Aufwertung des Euro. „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro“, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Langfristig bewege sich der Euro in der Nähe seines Durchschnittswerts. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen deutlich aufgewertet, insbesondere zum japanischen Yen, zum US-Dollar und zum britischen Pfund - auch infolge einer sehr lockeren Geldpolitik in Japan und den Vereinigten Staaten.

          Waren aus dem Euroraum werden in der Folge im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Frankreichs Staatspräsident François Hollande hatte sich deshalb für eine aktive Wechselkurspolitik geworben. Die Forderung nach einem politisch gesteuerten Wechselkurs stößt vor allem in Deutschland auf Ablehnung. Draghi betonte, Wechselkurse seien kein Ziel der Notenbank. Die aktuellen Kurse bewegten sich in der Nähe der langfristigen Durchschnittswerte. Die Wahrung der Unabhängigkeit der Notenbank sei essenziell für ihre Glaubwürdigkeit.

          Den Leitzins im Euroraum hält die EZB wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent. Zwar steckt der Euroraum in der Rezession, die Währungshüter erwarten jedoch, dass sich die Konjunktur im Laufe des Jahres allmählich wieder erholen wird. „Die Stimmung an den Finanzmärkten hat sich verbessert“, bekräftigte Draghi. Jüngste Umfragen bestätigten, dass sich das Vertrauen bei Unternehmen und Verbrauchern stabilisiere. Als positiv hob Draghi auch die vorzeitige Tilgung eines Teil der langfristigen EZB-Notkredite hervor.

          Bisher zahlten Geschäftsbanken gut 140 Milliarden Euro des ersten EZB-Langfristkredits von Ende 2011 zurück. Er hatte ein Volumen von rund 490 Milliarden Euro und bis zu drei Jahre Laufzeit. Weil das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung deutlich gestiegen ist, fließt zudem wieder Kapital in den Euroraum zurück. Allerdings kommen die Verbesserungen nur schleppend bei Unternehmen an. Johannes Mayr von der BayernLB erwartet jedoch, dass im Zuge der Entspannung an den Finanzmärkten allmählich auch die Bedingungen für die Finanzierung von Unternehmen in den Krisenländern günstiger werden.

          Der Leitzins der EZB bliebt bei 0,75 Prozent
          Der Leitzins der EZB bliebt bei 0,75 Prozent : Bild: dpa

          Angesichts der Entspannung an den Finanzmärkten sehen einige Ökonomen die EZB bereits vor dem Rückzug aus der ultralockeren Geldpolitik. Die Berenberg Bank prognostiziert, dass die Euro-Wirtschaft rasch in Schwung kommen und die Zinsen noch vor Ende des Jahres 2013 wieder angehoben werden. Andere Volkswirte rechnen hingegen nach wie vor mit einer weiteren Zinssenkung.

          Im Kampf gegen die Schuldenkrise hält die EZB noch immer ihre schärfste Waffe bereit: Das 2012 aufgelegte Programm zum notfalls unbegrenzten Kauf von Anleihen kriselnder Eurostaaten ist startklar, aber noch nicht aktiviert. Denn es setzt voraus, dass ein Land unter den europäischen Rettungsschirm schlüpft und somit Reformvorgaben einhalten muss. Als heißesten Kandidaten für das Programm sehen Ökonomen noch immer Spanien.

          Weitere Themen

          Dollar hilft Schwellenländern

          Anleihen : Dollar hilft Schwellenländern

          Anleihen aus Schwellenländern versprechen hohe Zinsen - verlockend, wäre da nicht der Wechselkurs. Doch ein neuer Abwertungszyklus des Dollar könnte sie interessant machen.

          Topmeldungen

          Baukräne stehen an einer Baustelle in Berlin.

          Wohngemeinnützigkeit : Ein Bärendienst für den Wohnungsmarkt

          Immer lauter wird die Forderung, die Wohngemeinnützigkeit wiederzubeleben. Dass dies eine schlechte Idee ist, zeigt schon das abschreckende Beispiel der Neuen Heimat.
          Frau mit Kopftuch vor der Humboldt-Universität in Berlin

          Redeverbote an Hochschulen : Flucht vor Argumenten

          Eine Forschungsstelle der Uni Köln fordert, die Redefreiheit zu begrenzen, um Grundrechte zu verteidigen. Das würde einer Abschaffung der akademischen Freiheit gleichkommen. Ein Gastbeitrag.

          Fehler beim FC Bayern : Hansi Flick hat genug

          Der FC Bayern leistet sich in der Champions League teilweise haarsträubende Unaufmerksamkeiten. Trainer Hansi Flick stellt deshalb nun eine Forderung auf – und für Leroy Sané gibt es klare Aufträge.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.