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Marburger Bund : Klinikärzte kündigen Tarifgemeinschaft mit Verdi

  • Aktualisiert am

Die Ärzte fordern mehr Geld und kürzere Arbeitszeiten Bild: AP

Als die Arbeitgeber jüngst ein für den Marburger Bund völlig inakzeptables Gehaltsangebot vorlegten und die Gewerkschaft Verdi ein noch schlechteres Angebot akzeptiert hätte, „da war für uns die Schmerzgrenze erreicht“.

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          Im Streit um bessere Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern hat der Ärzteverband Marburger Bund die Tarifgemeinschaft mit der Gewerkschaft Verdi aufgekündigt und will fortan selbst verhandeln. Das bestätigte der Verbandsvorsitzende Frank Ulrich Montgomery dem Berliner „Tagesspiegel am Sonntag“. Der Marburger Bund vertritt die angestellten und verbeamteten Krankenhaus- und Klinikärzte, die in den vergangenen Wochen mit Protestmärschen gegen Überstunden und für eine bessere Bezahlung demonstriert hatten.

          Montgomery sagte dem Bericht zufolge, viele Mitglieder des Verbandes fühlten sich in ihrem Kampf um bessere Arbeitsbedingungen von der Gewerkschaft nicht wirksam vertreten. Montgomery kündigte demnach an, der Verband wolle schon am 15. September in Stuttgart selbst mit der Tarifgemeinschaft der Länder über einen arztspezifischen Tarifvertrag für Klinikärzte an den Universitäten verhandeln. „Das geht alleine sicher besser als mit Verdi“, sagte er.

          Die Länderfinanzminister sind im Streit mit den Klinikärzten laut einem „Spiegel“-Bericht zu Zugeständnissen bereit. Das Nachrichtenmagazin berichtete, bereits am Dienstag wolle der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) in einem Spitzengespräch mit Ärztevertretern verhandeln.

          Montgomery nannte jüngste Verhandlungen mit der Vereinigung kommunaler Arbeitgeber (VKA) Anlaß für den Bruch mit der Gewerkschaft. Die Arbeitgeber hätten ein Angebot gemacht, wonach ein 28jähriger verheirateter Arzt über zehn Jahre eine Einkommenseinbuße von fünf Prozent zu verkraften gehabt hätte. „Das haben wir abgelehnt“. Verdi hingegen habe ein „noch schlechteres Angebot akzeptiert - und da war für uns die Schmerzgrenze erreicht“.

          In einer eigens einberufenen Hauptversammlung widerrief der Marburger Bund am Samstag die seit vier Jahrzehnten bestehende Kooperation. Ursprünglich hatte er gemeinsam mit der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) verhandelt, die dann in der Verdi aufging.

          Vorbild ist die Pilotenvereinigung Cockpit

          Montgomery sagte, die Partnerschaft habe auf Bundesebene durchaus tarifpolitische Vorteile gebracht, jedoch hätten „die Eifersüchteleien der Funktionäre vor Ort alles kaputtgemacht“. Außerdem habe es sich nicht bewährt, mit allen anderen im öffentlichen Dienst über einen Kamm geschoren zu werden. „Vom Baggerfahrer in der Lausitz bis zum Chefarzt in Berlin - das kriegen Sie einfach nicht alles in einen Tarifsack rein.“

          Vorbild für den Marburger Bund ist die Pilotengewerkschaft Cockpit. Auch sie hat sich von ver.di abgespalten und verhandelt seither selbstständig. In einem spektakulären Tarifstreit hatte der Berufsverband im Jahr 2001 zweistellige Gehaltszuwächse für die Piloten erzielt.

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