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Familienministerin Schwesig : „Befristete Jobs wirken wie die Anti-Baby-Pille“

Manuela Schwesig Bild: dpa

Familienministerin Manuela Schwesig hat einen neuen Grund für den Geburtenmangel gefunden: befristete Verträge. Doch die verlieren längst an Bedeutung. Nur die Bundesregierung vergibt noch immer mehr Zeitverträge.

          Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig hat eine weitere Ursache für Deutschlands Kinderarmut entdeckt: befristete Arbeitsverträge. „Befristete Jobs wirken wie die Anti-Baby-Pille“, sagt sie in einem Interview mit dem Magazin „Focus“. „Wir müssen es ernst nehmen, dass auch Paare mit Kinderwunsch in Deutschland zunehmend keinen Nachwuchs bekommen.“

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Viele junge Paare erlebten massive Unsicherheit in der Arbeitswelt, zum Beispiel mit befristeten Verträgen - so diagnostiziert es Schwesig. „Da fehlt vielen die Planungssicherheit“, sagt sie. „Es ist bitter, wenn Paare, die Kinder wollen, erst einmal keine Perspektive sehen.“

          Dabei trifft dieses Schicksal schon seit einigen Jahren immer weniger Menschen. 2011 war die Zahl der befristeten Verträge auf ihrem Höhepunkt, seitdem ist sie kräftig zurückgegangen - obwohl insgesamt immer mehr Menschen Arbeit haben. Offenbar bringt der bessere Arbeitsmarkt die Unternehmen unter Druck: Wenn sie noch ordentliche Berufseinsteiger haben möchten, müssen sie ihnen unbefristete Verträge versprechen.

          Mit den anderen atypischen Verträgen, die von Gewerkschaften gerne als „prekär“ zusammengefasst werden, ist es ähnlich. Geringfügige Beschäftigung, Zeitarbeit, Ich-AGs ohne Angestellte - das alles verliert im aufblühenden Arbeitsmarkt an Bedeutung.

          Im Gegenteil: Den Unternehmen wird es offenbar immer wichtiger, auch ihre Leute mit befristeten Verträgen zu halten. Wenn der Zeitvertrag abläuft, muss inzwischen nur jeder vierte Mitarbeiter gehen. Die meisten bekommen einen unbefristeten Vertrag. Dass dafür Klagen nötig sind - wie im Fall einer Briefträgerin, die insgesamt 88 Zeitverträge anhäufte -, wird immer seltener.

          Nur die Bundesregierung widersetzt sich diesem Trend. Ihre Angestellten haben tatsächlich zumindest bis ins vergangene Jahr hinein immer häufiger einen befristeten Vertrag bekommen. In der Bundesregierung haben inzwischen rund zwölf Prozent der Arbeitnehmer einen befristeten Vertrag. In der Gesamtwirtschaft sind es nur sieben Prozent.

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