https://www.faz.net/-gqe-8v3an

Initiative der SPD : Brauchen wir ein Gesetz gegen die Gier?

SPD-Dreigestirn Schulz (l.), Oppermann (Mitte) und Gabriel: Für eine stärkere Reglementierung der Managergehälter Bild: dpa

Die SPD will Exzesse bei Managergehältern mit einem Gesetz verhindern. Und weil die Empörung groß ist, will die Union im Wahlkampf dieses Feld nicht der Konkurrenz überlassen. Doch gegen eine Einmischung des Staates laufen die Unternehmen Sturm.

          4 Min.

          Die Vorschläge der SPD, die Managergehälter mit Hilfe des Steuerrechts zu begrenzen, stoßen in vielen Unternehmen auf Skepsis: „Auch wenn dies kein direktes Verbot für höhere Gehälter ist, mischt sich der Staat doch in die Lohnfindung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein“, kritisiert Lutz Goebel, Präsident des Verbandes der Familienunternehmer. „Und da hat er nichts zu suchen. Das sollte Sache der Eigentümer sein. Es ist ihr Geld, um das es geht“, sagt er. Ähnlich hatten zuvor schon Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard und Adidas-Chef Kasper Rorsted argumentiert.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Kritik kommt auch von Vergütungsberatern, die Deutschland eigentlich auf dem richtigen Weg sehen. „Managergehälter werden schon länger nicht mehr in Hinterzimmern beschlossen“, sagt Michael Kramarsch von der Unternehmensberatung HKP. Seit zehn Jahren müssen die Unternehmen die Gehälter ihrer Vorstände einzeln veröffentlichen, diese Transparenz habe sehr geholfen, weil starker öffentlicher Druck und Kontrolle entstanden seien. „Die größten Sprünge in der deutschen Managervergütung gab es Ende der 90er und Anfang der 2000er Jahre“, sagt Kramarsch. „Seither hat es sich wieder beruhigt. Wir sind derzeit weit von einer Vergütungspirale entfernt“, sagt er. In den vergangenen 10 Jahren hätten nur zwei Vorstandsvorsitzende im Dax die 10-Millionen-Euro-Marke übertroffen: der frühere VW-Chef Martin Winterkorn und der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

          Ähnlich sieht es Helmuth Uder von der Vergütungsberatung Willis Towers Watson: „Die Höhe der Mangergehälter ist in Deutschland insgesamt angemessen im internationalen Vergleich.“ Im Schnitt verdiene der Vorstandsvorsitzende eines Dax-Unternehmens rund 5,1 Millionen Euro im Jahr. In Frankreich liege der Schnitt mit 4,7 Millionen Euro etwas darunter, in der Schweiz mit 6,8 Millionen Euro etwas darüber. Deutlich höher würden die Konzernchefs in Amerika bezahlt: Dort liegt die Vergütung der Chefs der im Dow Jones gelisteten Unternehmen bei rund 16,4 Millionen Euro.

          Volkswagen macht die Politik wütend

          Dass es auch in Deutschland immer wieder zu Exzessen kommt, räumen allerdings auch die Gegner der SPD-Pläne ein. Vor allem der Fall Volkswagen hat die Gemüter in den vergangenen Wochen erhitzt. Zuerst wurde der breiten Öffentlichkeit bekannt, dass der frühere VW-Chef Martin Winterkorn rund 3100 Euro Rente am Tag bekommt. Dann wurde bekannt, dass die Ethik-Vorständin Christine Hohmann-Dennhardt das Unternehmen wegen Streitereien im Management nach nur 13 Monaten im Amt schon wieder verlässt und dafür eine Abfindung von rund 12 Millionen Euro erhalten soll.

          Dass Sozialdemokraten und Gewerkschaften den Verträgen im Aufsichtsrat zugestimmt haben, stört die SPD-Führung bislang nicht gravierend. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Hubertus Heil wehrt sich gegen Vorwürfe, die SPD sei mitschuldig an den Gehaltsexzessen. Im Deutschlandfunk argumentierte Heil am Montag, die Exzesse bei VW hätten mit den Verträgen von Martin Winterkorn begonnen. Die ersten Verträge mit ihm seien in einer Zeit vereinbart worden, als in Niedersachsen noch die CDU regiert habe, in den Amtszeiten von Wulff und McAllister.

          Bild: F.A.Z.

          Die SPD-Bundestagsfraktion hat am Mittwoch einen eigenen Gesetzentwurf zur Begrenzung von Managergehältern vorgelegt. Sie will die steuerliche Absetzbarkeit von Vorstandsbezügen auf jeweils 500.000 Euro begrenzen. Alle Beträge darüber sollen Unternehmen nicht mehr als Betriebskosten von ihrer Steuer absetzen können.  Familienunternehmen sollen von dieser Begrenzung nicht betroffen sein, denn dort stehe der Eigentümer in voller persönlicher Haftung für den Erfolg oder Misserfolg der Firma.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Die Milliardenvermögen dieser Welt beruhen doch auch auf Enteignung“, sagt Janine Wissler.

          Janine Wissler : Die sozialistische Versuchung

          Janine Wissler soll künftig „Die Linke“ führen. Sogar ihre politischen Gegner loben ihr Talent. Da könnte man fast vergessen, dass sie den Umsturz will.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.