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Manager-Abfindungen : Goldene Fallschirme

  • -Aktualisiert am

Verlässt die Citigroup mit goldenem Handschlag: Charles Prince Bild: REUTERS

Erst 160 Millionen Dollar für den ehemaligen Chef von Merrill Lynch, jetzt 42 Millionen für den Ex-Chef der Citigroup. Solche Abfindungen sind keine erfolgsabhängige Vergütung mehr, sondern Teil des Problems. Holger Steltzner kommentiert.

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          Was ist eine Abfindung? Früher einmal verstand man darunter eine überschaubare Finanzhilfe für den Übergang zwischen zwei Arbeitsplätzen. Heute werden Abfindungen zunehmend missbraucht, um Managern einen hohen Lebensstandard bis ans Ende ihrer Tage zu ermöglichen. Auch diese Managementmode treiben vor allem amerikanische Unternehmen voran, die zuvor stets die Vorteile der erfolgsabhängigen Vergütung gepriesen haben.

          Der Chef von Merrill Lynch ist mit 160 Millionen Dollar nach Hause geschickt worden, nachdem die Bank acht Milliarden Dollar verspekuliert hat. Auch die größte amerikanische Bank hat mit Hypothekenanleihen spekuliert. Nun muss die Citigroup 15 Milliarden Dollar abschreiben - und der Chef verlässt mit einem goldenen Handschlag von 42 und einem Gesamtpaket von fast 100 Millionen Dollar seinen Arbeitsplatz.

          Abfindungen auf zwei Jahresgehälter zu begrenzen

          Wie auch immer die Gesamtpakete geschnürt werden, ob Teilbeträge als Barabfindung, Aktienbestandteil oder als Übernahme von Anwaltskosten bezeichnet werden, es bleibt ein schaler Nachgeschmack und ein Fazit: Das ist alles andere als eine erfolgsabhängige Vergütung. Neben Managern haben auch die Aufseher versagt, weil sie Verträge mit falschen Anreizen unterschrieben haben. Im Vertrauen auf die goldenen Fallschirme ist die Geschäftsführung viel zu große Risiken eingegangen. Opfer dieser verhängnisvollen Fehlsteuerung sind nicht die Manager, sondern Aktionäre und Mitarbeiter der Banken.

          Ähnliche Fälle gibt es auch in Deutschland, aber nur in einem Fall werden amerikanische Dimensionen erreicht. Der Abschied von Jürgen Schrempp als Vorstandsvorsitzender von Daimler-Chrysler war nicht nur für das Unternehmen ein Glücksfall, sondern auch für ihn. Sein Rücktritt bescherte Daimler-Aktionären die langersehnten Kursgewinne. Ironie der Geschichte ist, dass derjenige, der mit seiner Vision der Welt AG gescheitert ist, vom Kurswechsel seines Nachfolgers am stärksten profitiert. Ungerührt hat Schrempp seinen Extrabonus von geschätzt 50 Millionen Euro eingestrichen.

          Das ist ein Lehrstück dafür, dass in der Krise die Zahl der Aktienoptionen nicht aufgestockt und auch die Ausübungshürden nicht gesenkt werden dürfen. Vor diesem Hintergrund regt die Deutsche Corporate Governance-Kommission für gute Unternehmensführung an, Abfindungen auf zwei Jahresgehälter zu begrenzen. In der Praxis wird aber längst nicht alles als Abfindung definiert, was als solche zu sehen ist. Entscheidend ist, wie alle Details von Vorstandsverträgen zusammenwirken.

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