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Präsidentschaft : Frankreichs banger Blick auf die Wahl

François Fillon (links) und Emmanuel Macron sind die Lieblinge der Wirtschaft. Ihre Vorstellungen sind allerdings unterschiedlich. Bild: dpa

Die Wirtschaft hofft auf Macron und Fillon. Doch der Aufstieg der Kandidaten vom rechten und linken Rand macht die Unternehmen und die Investoren unruhig.

          Eigentlich könnte die französische Wirtschaft mit einem guten Schuss Zuversicht auf den ersten Durchgang der Präsidentenwahl am kommenden Sonntag blicken. Gleich zwei Präsidentschaftskandidaten bieten ein Programm mit wirtschaftsliberalen Inhalten. Kein Vergleich mit der Lage vor fünf Jahren: François Hollande hatte im Wahlkampf 2012 die Finanzwelt zu seinem „Feind“ erklärt und eine Reichensteuer von 75 Prozent versprochen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Heute dagegen ist bei aller Unsicherheit der ehemalige Investmentbanker Emmanuel Macron der Umfragefavorit. Er führt keinen ideologischen Ballast mit sich wie einst Hollande, und er hat in seinem Tross keine Linksaußen-Politiker, die von Marktwirtschaft nichts wissen wollen. Er wäre auch seit Jahrzehnten mal wieder ein Präsident, der zuvor in der Privatwirtschaft gearbeitet hat.

          Fillon ist nicht mehr vorne mit dabei

          Zudem ist François Fillon trotz seiner Finanzaffären noch nicht abgeschrieben. Er bietet ein Programm, das im Vergleich mit den Konkurrenten am überzeugendsten eine rasche Sanierung Frankreichs in Aussicht stellt. Die überbordenden Staatsausgaben würde keiner so konsequent bekämpfen wie Fillon, mit den Symbolen der alten Politik wie der 35-Stunden-Woche und einem frühen Rentenalter will keiner so radikal Schluss machen wie er. Nachdem er im November die bürgerlich-konservativen Vorwahlen gewonnen hatte, jubelte ihm die Wirtschaft zu.

          Doch die Lage ist seither viel verworrener geworden. Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon haben sich am rechten und linken Rand Wahlchancen erkämpft, die ganz Europa in Unruhe versetzen. Macron und Le Pen liegen nach den jüngsten Umfragen zwar weiter in Führung, und nach den gleichen Befragungen würde Macron Le Pen in der Stichwahl klar schlagen, doch der Linkskandidat Mélenchon ist nach einer bemerkenswerten Aufholjagd nicht weit vom Spitzenduo entfernt. Alle Prognosen für das Ergebnis des ersten Wahlgangs sind äußerst unsicher.

          Macron überzeugt junge Unternehmer und ältere Manager

          Die französischen Wirtschaftsvertreter sind vor diesem Hintergrund zwischen Macron und Fillon gespalten. Macron hat vor allem jüngere Unternehmer und Führungskräfte überzeugt, darunter viele Start-up-Unternehmer, denen er seit Jahren das Wort redet. Doch in Macrons Lager finden sich auch Vertreter der älteren Manager-Riege, etwa Pierre Pringuet, Vorsitzender der einflussreichen Arbeitgebervereinigung Afep und die Nummer zwei des Getränkekonzerns Pernod Ricard, sowie Thierry Breton, Chef des IT-Konzerns Atos und Finanz- und Wirtschaftsminister unter Jacques Chirac, zudem Paul Hermelin von Capgemini und Claude Bébéar, Gründer des Versicherungskonzerns Axa.

          Aus vielfachen Gründen stützen sie Macron: Weil sein weicherer Reformkurs bessere Realisierungschancen habe, zumal Fillons Programm das Land blockieren würde, allein schon wegen dessen angeschlagener Glaubwürdigkeit. Weil Macron mit einer neuen Partei und seiner Jugend nicht die alte Politikerkaste repräsentiere, die ihre Ämter als Selbstbedienungsladen verstand. Und auch weil viele Franzosen nichts mit Fillons strammem Rechtskurs anfangen können, der vom weitgehenden Einwanderungsstopp bis zu tief katholischen Gesellschaftswerten reicht.

          Geschäftswelt schätzt auch Fillons Versprechen

          Auf der anderen Seite haben einige Schwergewichte der Geschäftswelt Fillon viel Treue bewiesen: Henri de Castries, ehemaliger Axa-Vorstandsvorsitzender und Nachfolger von Claude Bébéar, zudem der Total-Chef Patrick Pouyanné sowie der ehemalige Telekom-Manager Pierre Danon verteidigen ihn. Denn Fillon habe als einziger Kandidat den dramatischen Handlungsbedarf Frankreichs erkannt, der aufgrund von vier Jahrzehnten verfehlter Wirtschaftspolitik entstanden sei.

          Kein anderer gehe so entschieden das französische Problem Nummer eins an – die Arbeitslosigkeit. Nur durch eine energische Eindämmung der öffentlichen Ausgaben sei das Wachstum der Staatsverschuldung zu stoppen und könnten gleichzeitig die Steuern sinken, vor allem für die Unternehmen, denen es an Wettbewerbsfähigkeit und damit an Einstellungsbereitschaft fehle.

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