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Luftfahrt : Bei EADS fliegen die Fetzen

  • Aktualisiert am

Ein frischlackierter A380 im Hamburger Airbus-Werk Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Krise bei EADS spitzt sich zu: Während wiederholte Lieferschierigkeiten des A380 bei Airbus und der Muttergesellschaft deutsch-französische Schuldzuweisungen ausgelöst haben, ermittelt die Börsenaufsicht gegen EADS-Spitzenmanager.

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          Die Verzögerungen in der Auslieferung des Großraumflugzeugs A380 haben einen deutsch-französischen Streit beim Flugzeughersteller Airbus und seiner Muttergesellschaft EADS ausgelöst. Damit verschärft sich die Produktionskrise, die zu verspäteten Auslieferungen des A380 an die Kunden führen wird. Der EADS-Co-Vorstandsvorsitzende Noel Forgeard machte in einem Radio-Interview weitgehend den Airbus-Standort Hamburg für die Verzögerungen verantwortlich. Er nannte zwar auch das französische Werk Saint-Lazare als Fehlerquelle, meinte aber, daß es „eine ziemlich starke Konzentration von Problemen in Hamburg“ gebe.

          Dies verursachte auf deutscher Seite heftige Reaktionen. „Wir brauchen keine Schuldzuweisungen, das ist nicht in Ordnung“, sagte der deutsche Airbus-Chef Gerhard Puttfarcken am Freitag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Wir richten unsere Energie darauf, viele Menschen in ganz Europa zu motivieren, um die Probleme in den Griff zu bekommen.“ Hamburgs Wirtschaftssenator Gunar Uldall (CDU) schloß sich der Kritik an: „So darf sich ein Spitzenmamager eines Unternehmens wie Airbus nicht äußern.“

          Gegenseitige Schuldzuweisungen

          Es gebe keinerlei Hinweise, daß die Komponenten, die in Hamburg gebaut wurden, verantwortlich seien für die technischen Schwierigkeiten und Verzögerungen. Auch an der Montagearbeit in der Hansestadt habe es nicht gelegen. Hinter vorgehaltener Hand wird in Senatskreisen gemunkelt, Forgeard wolle mit der Schuldzuweisung nur von eigenen Fehlern ablenken.

          Bild: FAZ.NET

          Bei Airbus in Toulouse wird indes nicht abgestritten, daß Hamburg Mitverantwortung für die Produktionsverzögerungen trage. Doch man verurteilt dort Schuldzuweisungen an einzelne Werke. Dies sei nicht sinnvoll, zumal die verschiedenen Standorte eng miteinander vernetzt seien und von einander abhingen. Vor allem wurde mit Empörung der Versuch Forgeards aufgenommen, in dem Radio-Interview alle Schuld von sich selbst abzuweisen und gleichzeitig den französischen Leiter des A380-Programmes, Charles Champion, in Schutz zu nehmen.

          Forgeard sei immerhin bis vor einem Jahr noch selbst Airbus-Chef gewesen und habe die erste Verschiebung des A380 um sechs Monate vom vergangenen Jahr zu verantworten. Forgeard hatte im Radio beklagt, über die neuesten Verzögerungen von Airbus sehr spät informiert worden zu sein. Dies wird in Toulouse als Angriff auf den amtierenden Airbus-Chef Gustav Humbert empfunden, der diese Kritik zurückweisen ließ. Denn nach den ersten Erkenntnissen im April sei die EADS-Führung unmittelbar unterrichtet worden: „Bei uns wird nicht der Schuldige gesucht, sondern es werden Probleme gelöst“, sagte ein Airbus-Sprecher in Toulouse.

          „Der Krieg der Chefs darf nicht wieder ausbrechen“

          Die Krise bei Airbus und EADS hat auch Staatspräsident Jacques Chirac auf den Plan gerufen. Vor der Presse in Brüssel sagte er, daß er volles Vertrauen in Airbus habe, die Probleme zu lösen. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos mahnte ein schnelles Handeln an. „Es ist Aufgabe des Managements von EADS und Airbus, die aufgetretenen Probleme beim A380 zielorientiert und schnell zu lösen“, sagte er in Berlin. Die Aktie des EADS-Konzerns, der den Großteil seines Gewinns mit der Tochtergesellschaft Airbus verdient, verlor am Freitag morgen neuerlich leicht an Wert, drehte sich später aber wieder ins Plus. Am Mittwoch hatte das Unternehmen ein Viertel seines Börsenwertes verloren, nachdem die wiederholten Lieferschwierigkeiten bekannt wurden.

          In Frankreich sorgen auch die Aktienverkäufe mehrerer EADS-Spitzenmanager, darunter Forgeard, vom vergangenen März für Furore. Die französische Börsenaufsicht sowie das deutsche Amt Bafin ermitteln nun unter dem Verdacht des Insiderhandels. Forgeard stritt ab, zum Zeitpunkt des Aktienverkaufs schon von den Verspätungen gewußt zu haben. Der französische Großaktionär Arnaud Lagardere will auch erst kürzlich informiert worden sein. In Kreisen von Lagardere hieß es am Freitag, daß der Großaktionär weiterhin Vertrauen zu Forgeard und zu Humbert habe. „Der Krieg der Chefs darf nicht wieder ausbrechen“, wurde gefordert.

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