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Luftfahrt : Air Berlin kauft Konkurrenten DBA

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Von Air Berlin gekauft: DBA Bild: obs

Die Billigfluggesellschaft Air Berlin übernimmt die DBA und rückt damit näher an den Branchenprimus Lufthansa heran. Mit der Übernahme wolle Air Berlin das Wachstum sichern, sagte Vorstandschef Hunold.

          Die Fluggesellschaft Air Berlin hat den Konkurrenten DBA gekauft. Dies teilte das Berliner Unternehmen am Donnerstag morgen offiziell mit, nachdem die Verträge bereits am Vorabend in München unterzeichnet worden waren. Die Fluglinie rückt damit näher an den Marktführer Lufthansa heran.

          „Wir konnten uns die Chance, unseren Wunschpartner zu gewinnen, nicht entgehen lassen“, erklärte Joachim Hunold, Vorstandschef von Air Berlin, am Donnerstag in Frankfurt. Mit der Übernahme wolle Air Berlin ihr Wachstum sichern, sagte Hunold. „Die Streckennetze von Air Berlin und DBA ergänzen sich hervorragend, weil es keine Überschneidungen gibt. Wir können die innerdeutschen Verbindungen von DBA problemlos in unser europäisches Netz integrieren und damit den Anteil der Geschäftsreisenden deutlich erhöhen“, unterstrich der Airline-Chef.

          „Mittlerer zweistelligen Millionenbetrag“

          Hunold betonte zudem, das Management der DBA habe das Unternehmen seit der Übernahme von British Airways profitabel nach vorne gebracht. Als Netto-Kaufpreis nannte Hunold „einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag“. Das Nachrichtenmagazin „Focus“ berichtete, Air Berlin habe dem Nürnberger Multi-Unternehmer Hans-Rudolf Wöhrl etwa 120 Millionen Euro gezahlt.

          Die DBA beförderte den Angaben zufolge im Geschäftsjahr 2005/2006 mit ihren 29 Flugzeugen rund 4,3 Millionen Passagiere und erzielte mit 720 Mitarbeitern einen Umsatz von 404 Millionen Euro. Air Berlin zählte im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 13,5 Millionen Gäste und machte 1,215 Milliarden Umsatz. Die
          Fluggesellschaft betreibt 58 Maschinen. Zusammen rechnen Air Berlin und DBA in diesem Jahr mit rund 20 Millionen Passagieren.

          Air Berlin rechnet weiterhin mit deutlichem Gewinn

          Anläßlich der Übernahme stellte Air Berlin vorzeitig seine Zahlen für das zweite Quartal 2006 vor. Danach erzielte die Airline vor Zinsen und Steuern ein Ergebnis von 44,8 Millionen Euro und einen Nettogewinn von 30 Millionen Euro. Die Übernahme der DBA werde das Air-Berlin-Ergebnis nicht belasten, erklärte Hunold in Frankfurt.

          Der Umsatz kletterte von 330 Millionen Euro auf 401 Millionen Euro. Air Berlin bekräftigte die Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Das Management rechne „weiterhin mit einem deutlichen Gewinn“, teilte die Billigfluglinie mit.

          Soweit wie möglich sollen die Flugpläne für den kommenden Winter aufeinander abgestimmt werden. Ab 1. April 2007 soll es einen gemeinsamen Sommerflugplan geben. Die DBA-Geschäftsführer Martin Gauss und Peter Wojahn werden das Unternehmen voraussichtlich weiter leiten.

          LTU bleibt im Mehrheitsbesitz von Hans-Rudolf Wöhrl

          Die Düsseldorfer Fluggesellschaft LTU bleibt nach wie vor im Mehrheitsbesitz des bisherigen dba-Eigentümers und Textilunternehmers Hans-Rudolf Wöhrl. Die Übernahme von dba werde keine Veränderungen in der Gesellschafterstruktur der LTU zur Folge haben, teilte die LTU am Donnerstag mit.

          Mehrheitseigentümer bleibe mit 55 Prozent die Wöhrls Beteiligungsfirma Intro. 45 Prozent halte unverändert LTU-Geschäftsführer Jürgen Marbach. „Air Berlin ist weiterhin nicht an an der LTU beteiligt“, betonte eine Sprecherin.

          Die Zusammenarbeit wird fortgeführt

          Die Zusammenarbeit der LTU mit der nun vereinigten Air Berlin/dba werde fortgeführt, unterstrich die LTU. Die europäischen Flüge der Air Berlin und die innerdeutschen Flüge der dba dienten weiter als Zubringer zum LTU-Langstreckennetz mit den Drehkreuzen Düsseldorf und München. Die Kooperation werde der LTU in diesem Jahr zu Einsparungen im zweistelligen Millionenbereich verhelfen, sagte LTU-Geschäftsführer Marbach.

          „LTU wird sich als Linienfluggesellschaft noch stärker positionieren. Dabei konzentriert sie sich auf ein klares Streckenprofil mit deutlichem Fokus auf die Langstrecke“, erklärte die Gesellschaft.

          Lufthansa gibt sich gelassen

          Der mit 51,3 Millionen Passagieren unangefochtene Branchenprimus Lufthansa gab sich gelassen. „Unsere Lage ändert sich durch den Zusammenschluß nicht“, sagte ein Sprecher. „Wir standen schon bisher europaweit in einem harten Wettbewerb und haben uns da erfolgreich behauptet.“

          Lufthansa sei mit Tarifen ab 99 Euro und der Beteiligung am Billigflieger Germanwings im Markt gut aufgestellt. Hypo-Vereinsbank-Analyst Uwe Weinreich rechnet damit, daß die Lufthansa die Condor übernehmen wird.

          Übernahme erhöht den Druck auf Tui

          Die Übernahme der DBA erhöht den Druck auf den Reisekonzern Tui, seine Fluggesellschaften Hapag Lloyd Express (HLX) und Hapagfly neu auszurichten und möglicherweise zusammenzulegen. Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft der Flugtöchter werde bei Tui vermutlich in den nächsten Wochen fallen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine mit der Situation vertrauten Person. Tui arbeitet seit einiger Zeit an einer Neuausrichtung des Billigfliegers HLX und der Charterfluggesellschaft Hapagfly.

          „Die DBA-Übernahme erhöht jetzt den Druck im Kessel“, sagte der Insider. Das künftige Geschäftsmodell werde sich an HLX ausrichten: „Die Benchmark des neuen Gebildes ist HLX“. Ein HLX-Sprecher sagte, die Übernahme von DBA durch Air Berlin habe keine unmittelbaren Konsequenzen für das Geschäft von HLX. „Es gibt kaum Überschneidungen bei den Strecken, wir kommen uns da nicht ins Gehege.“ Die Übernahme sei keine Überraschung, man sei von einer Marktkonsolidierung ausgegangen, fügte der Sprecher hinzu.

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