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Louis Gallois im Interview : „Ich habe Vertrauen in unsere Führungskräfte“

  • Aktualisiert am

„Airbus hat niemandem irgendwelche Lehren zu erteilen” Bild: AFP

An diesem Montag hat Airbus nach langer Verspätung den ersten A380 ausgeliefert. Das wichtige Ereignis wird überschattet von der Insider-Affäre bei EADS. Vorstandschef Gallois bezieht Stellung im F.A.Z.-Interview.

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          Der Luftfahrtkonzern EADS steht wegen der Lieferschwierigkeiten des A380 im Rampenlicht. Zusätzlich laufen Untersuchungen der französischen Börsenaufsicht wegen Insiderhandels. Der Vorstandsvorsitzende, Louis Gallois, spricht über den A380, die Ermittlungen und über die komplexe Arbeit seiner Branche.

          Herr Gallois, die französische Börsenaufsicht AMF hat schwere Vorwürfe des Insiderhandels gegen EADS- und Airbus-Führungskräfte erhoben. Was haben Sie dazu zu sagen?

          Zunächst einmal kenne ich den Zwischenbericht der AMF nicht. Die französische Zeitung „Le Figaro“ scheint Dokumente zu besitzen, aus denen Passagen zitiert werden. Mehrere Namen werden genannt, ohne jedoch Details zu nennen. Trotzdem haben die Medien jetzt schon alle Manager schuldig gesprochen. Die Unschuldsvermutung scheint also nicht mehr zu existieren, die Vertraulichkeit des Ermittlungsprozesses auch nicht. Die betroffenen Manager haben damit keine Möglichkeit, sich zu verteidigen. Das ist eine inakzeptable Situation. Man destabilisiert Personen, zieht ihren Ruf in Zweifel und setzt damit auch das Unternehmen unter Druck. Ich habe bis zum Beweis des Gegenteils weiterhin volles Vertrauen in unsere Führungskräfte. Wir werden sie darin unterstützen, von ihrem Recht auf Verteidigung Gebrauch zu machen. Und ich füge hinzu, dass die deutsche Börsenaufsicht Bafin, die ebenfalls eine seriöse Institution ist, in ihrer Untersuchung zu möglichem Insiderhandel meines Wissens die EADS-Führung nicht belastet hat.

          Feierlicher Rahmen: Chew Choon Seng, Chef von Singapore Airlines, nimmt als Erster den A380 in Betrieb
          Feierlicher Rahmen: Chew Choon Seng, Chef von Singapore Airlines, nimmt als Erster den A380 in Betrieb : Bild: AFP

          Wann haben Sie persönlich von den Verspätungen des A380 erstmals gehört?

          Ich möchte mich nicht zu den laufenden Ermittlungen äußern. Es gibt eine Untersuchung der AMF darüber, was der Verwaltungsrat wusste. Ich habe selbst ausgesagt und möchte, dass diese Untersuchung in aller Ruhe fortgesetzt werden kann. Die AMF ermittelt seit mehr als einem Jahr und ist dabei sehr gründlich. Aber das Zwischenergebnis - ich betone, die Untersuchung ist nicht abgeschlossen - hätte nicht an die Öffentlichkeit gelangen dürfen, weil dies zu einer Vorverurteilung der Betroffenen führt.

          Welche Schritte haben Sie unternommen?

          Da das Dokument nun bereits in den Händen von Journalisten ist, erwarte ich, dass es auch den Betroffenen zur Verfügung gestellt wird. Wir haben die Dokumente von der AMF angefordert, bisher aber keine Antwort erhalten.

          Auch Sie haben Aktienoptionen erhalten. Haben Sie jemals verkauft?

          Nein, das habe ich nicht. Es geht hier aber nicht um meinen persönlichen Fall. Ich werde dem Verwaltungsrat ein neues Modell für unser Unternehmen vorschlagen. Erstens bin ich dafür, dass man die Aktienoptionen durch Gratisaktien ersetzt, denn bei Aktien unterliegt man weniger zufälligen Einflüssen als bei Aktienoptionen. Das Ganze ist dann weniger eine Lotterie. Der variable Anteil des Gehalts besteht bei uns schon zu 80 Prozent aus Gratisaktien und 20 Prozent Aktienoptionen. Ich möchte den Anteil der Gratisaktien auf 100 Prozent steigern. Zweitens sollte man sich anschauen, unter welchen Bedingungen die Aktien verkauft werden dürfen. Entweder baut man hier eine Automatik ein, nach der man sehr lange im Voraus ankündigt, wann man verkaufen will. Oder - für mich die bessere Variante - die Aktien werden an Fondsmanager übergeben, die das Portfolio völlig unabhängig von ihrem Eigentümer verwalten. Zumindest für den Vorstandsvorsitzenden schlage ich zudem vor, dass er während seiner Amtszeit keine Aktien verkaufen darf. Der Vorstandsvorsitzende weiß bei bestimmten Themen naturgemäß mehr als andere. Er kann also dem Insider-Dilemma und dem entsprechenden Verdacht nicht entgehen.

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