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Londoner Flughafen : Britische Regierung stoppt Ausbau von Heathrow

Europas größter Flughafen: London Heathrow Bild: AFP

Kurz nach Amtsantritt sorgt die neue Regierung in Großbritannien für einen Paukenschlag in der heimischen Luftfahrtindustrie. Der Bau einer dritten Start- und Landebahn auf dem größten europäischen Flughafen London Heathrow soll gestoppt werden.

          Nach der Vereinbarung soll der Bau der Piste auf dem Flughafen Heathrow ebenso gestoppt werden wie der Ausbau der Flughäfen Gatwick und Stansted in der Peripherie der britischen Hauptstadt, heißt es in der Vereinbarung der konservativ-liberalen Koalition, die seit wenigen Tagen die Amtsgeschäfte in Großbritannien führt.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Heathrow arbeitet seit Jahren an der Kapazitätsgrenze. Nach den Vorstellungen der neuen Regierung sollen statt des Ausbaus Flüge von London auf den Flughafen Birmingham verlagert werden. Das knapp 200 Kilometer entfernte Birmingham soll dazu mit einer neuen Schnellbahnverbindung an die Hauptstadt angebunden werden, deren Finanzierung aber unklar ist. Anwohner klagen schon heute über den starken Fluglärm rund um Heathrow und haben sich seit Jahren vehement gegen die dritte Startbahn gewehrt.

          Schwerer Rückschlag für British Airways

          Darüber hinaus wollen der konservative Premier David Cameron und seine sozialliberalen Koalitionspartner die britischen Fluggesellschaften stärker als bisher für deren Umweltschäden belasten, indem zukünftig Sonderabgaben für jede Flugbewegung im britischen Luftraum erhoben werden. Unter der bislang von der britischen Labour-Partei geführten Regierung mussten die Fluglinien und Reiseveranstalter dagegen Sondersteuern für ihre Passagiere entrichten.

          Der Stopp für den geplanten Ausbau von Heathrow ist vor allem ein schwerer Rückschlag für die führenden Fluggesellschaften des Landes: Neben British Airways nutzen vor allem die inländischen Rivalen Virgin Atlantic sowie die zum Lufthansa-Konzern gehörende British Midland den Groß-Flughafen in der britischen Metropole, der mit 66 Millionen Passagieren im vergangenen Jahr das wichtigste Flughafen-Drehkreuz in Europa war.

          Kritik kommt auch vom Lobbyverband London First, einem Zusammenschluss großer Unternehmen in der Hauptstadt. Cameron müsse einen tragfähigen „Plan B“ vorlegen, wenn er den Heathrow-Ausbau stoppe, fordert der Verband. Dieser sei angesichts der schon heute extrem hohen Auslastung „ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit Londons“. Die britische Hauptstadt ist das größte Finanzzentrum in Europa und die Branche weist seit vielen Jahren darauf hin, dass ihre Mitarbeiter auf gute internationale Flugverbindungen angewiesen seien.

          Die Bahn sollte im Jahr 2020 in Betrieb genommen werden

          Um die Vormachtstellung auf den lukrativen Transatlantik-Routen nach Nordamerika zu verteidigen und die konkurrierenden Betreiber in Paris (58 Millionen Passagiere) und Frankfurt (51 Millionen) auf Abstand zu halten, drängte der britische Flughafenbetreiber BAA beizeiten auf den Bau einer dritten Start- und Landebahn. Trotz des Widerstands von Umweltschützern und Einwohnern sowie gegen den Protest der konservativen Tory-Partei paukte der damalige Premier Gordon Brown das Projekt Anfang 2009 durch.

          Beifall erhielt der Labour-Politiker damals von Vertretern der britischen Industrie sowie der lokalen Wirtschaft. Gegenwärtig sei Heathrow, der seine 66 Millionen Passagiere an fünf Terminals abfertigt, bereits zu 98 Prozent ausgelastet. Bis 2016, so lautet die interne Prognose von BAA, werde das jährliche Passagieraufkommen in Heathrow allerdings auf mindestens 100 Millionen Fluggäste steigen. Dieses Ziel sei allerdings nur zu erreichen, wenn der Engpass bei den Kapazitäten durch den Bau einer neuen Start- und Landebahn beseitigt werde. Der bisherige Zeitplan des zuständigen Verkehrsministeriums hielt mit diesen Vorgaben von BAA nur mühsam Schritt: Denn die 2,2 Kilometer lange Piste, die den britischen Steuerzahler wohl rund 10 Milliarden Pfund kosten wird, sollte erst ab 2020 offiziell in Betrieb genommen werden.

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