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Lohn-Studie : Mindestlohn macht die meisten Haushalte ärmer

Mindestlohn 8,50 Euro pro Stunde: was bewirkt er wirklich? Bild: dpa

Höhere Stundenlöhne setzen sich laut einer Studie nicht in höhere Realeinkommen um. Gerade für Haushalte der Mittelschicht kann der Mindestlohn mit Einkommensverlusten einhergehen.

          2 Min.

          Ein Mindestlohn von 8,50 Euro je Stunde wird die Einkommen ärmerer Haushalte in Deutschland kaum erhöhen. Berücksichtigt man die Auswirkungen des Mindestlohns auf Beschäftigung und Verbraucherpreise, dann gehen die realen Einkommen dieser Haushalte unter dem Strich sogar leicht zurück. Zu diesem Ergebnis kommt eine Modellrechnung des Ökonomen Viktor Steiner von der Freien Universität Berlin und seines Kollegen Kai-Uwe Müller vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Unter Umständen drohe als Folge des geplanten Mindestlohns sogar eine leichte Zunahme der Einkommensungleichheit, schreiben Steiner und Müller in ihrer Studie („Distributional effects of a minimum wage in a welfare state“), die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorab vorliegt.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die Autoren bestreiten nicht, dass mehrere Millionen Arbeitnehmer mit Einführung des Mindestlohns auf einen höheren Arbeitslohn hoffen könnten. Nach ihren aktuellsten Daten arbeiten derzeit 12,9 Prozent der Erwerbstätigen zu Stundenlöhnen von weniger als 8,50 Euro. Unter den erwerbstätigen Frauen im Osten beläuft sich der Anteil sogar auf knapp 25 Prozent. Im Durchschnitt könnte der geplante Mindestlohn die Stundenlöhne der Betroffenen um 41 Prozent erhöhen. Dies gilt in dieser Form aber nur, wenn man mögliche Arbeitsplatzverluste ganz ausblendet. Steiner und Müller haben in ihrer Modellrechnung eine mittlere Preisempfindlichkeit der Güternachfrage unterstellt und kommen damit zu dem Ergebnis, dass rund 500.000 oder neun Prozent der betroffenen Niedriglohnarbeitsplätze akut gefährdet wären. Diese Zahl liegt auch im Mittelfeld der Prognosen anderer Wirtschaftsforscher.

          Einkommensverluste denkbar

          Dass der Mindestlohn nur wenig zur Bekämpfung von Einkommens-Ungleichheiten beiträgt, liegt aber nicht allein an Arbeitsplatzverlusten, wie die neue Untersuchung zeigt. Es liegt auch daran, dass viele Niedriglöhner in Haushalten mit höheren Einkommen leben. Überdies werden die angleichenden Wirkungen des Mindestlohn durch das Sozial- und Steuersystem erheblich abgeschwächt.

          Betrachtet man unter den Haushalten nur das Zehntel mit den geringsten Einkommen in Deutschland, so gewinnen diese durch den Mindestlohn von 8,50 Euro bestenfalls 900 Euro jährlich oder 10,2 Prozent, zeigt die Modellrechnung. Dieser Prozentwert ist viel niedriger als der ermittelte Lohnzuwachs von 41 Prozent, auch weil der höhere Lohn zu einer Kürzung von Sozialleistungen oder höheren Steuern und Abgaben führt. Der Einkommenszuwachs von 10,2 Prozent für die ärmsten Haushalte wäre der Studie zufolge nur möglich, falls niemand seine Arbeit verliert. Mit dem erwarteten Gesamtverlust von 500.000 Stellen würde sich der Zuwachs für sie jedoch auf 5,1 Prozent halbieren. Mittelschicht-Haushalte müssen dann unter dem Strich sogar schon mit leichten Einkommensverlusten rechnen.

          Vollends negativ werden die Vorzeichen, wenn man neben den Arbeitsplatzverlusten die vom Mindestlohn verursachten Preiserhöhungen einbezieht. Sie führen dazu, dass selbst den untersten 10 Prozent der Haushalte ein kleiner Rückgang ihrer Realeinkommen droht; laut Ergebnistabelle blüht ihnen per saldo ein Einkommensverlust von 19 Euro pro Jahr; Mittelschichthaushalte verlieren sogar 200 bis 300 Euro pro Jahr.

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