https://www.faz.net/-gqe-ryvo

Löhne : Tariflöhne steigen so langsam wie seit zehn Jahren nicht

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Gewerkschaften und Arbeitgeber haben 2005 eine spürbar größere Lohnzurückhaltung an den Tag gelegt als zuvor. Die Tariflöhne und -gehälter wuchsen um 1,2 Prozent. Real blieb noch weniger in der Tasche.

          1 Min.

          Gewerkschaften und Arbeitgeber haben im vergangenen Jahr eine spürbar größere Lohnzurückhaltung an den Tag gelegt als zuvor. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wuchsen die Tariflöhne und -gehälter in Deutschland so langsam wie noch nie in den vergangenen zehn Jahren. Der tarifliche Stundenlohn der Arbeiter wurde um durchschnittlich 1,2 Prozent erhöht, nach 2 Prozent im Jahr 2004. Real blieb den Arbeitern noch weniger im Portemonnaie: Angesichts der Inflationsrate von 2 Prozent sanken die Tariflöhne preisbereinigt um 0,8 Prozent. Einen Reallohnverlust hatte es zuletzt 1997 gegeben.

          Die gesamtdeutsche Statistik zur Entwicklung von Löhnen und Gehältern reicht nur bis zum Jahr 1995 zurück. Zieht man allein die Entwicklung in Westdeutschland heran, legten die tariflichen Stundenlöhne der Arbeiter mit 1,1 Prozent im vergangenen Jahr so langsam zu wie noch nie seit Beginn der Datenreihe im Jahr 1959. Nur im Jahr 1997 lag die Tariflohnentwicklung für die westdeutschen Arbeiter mit 1,3 Prozent fast genauso niedrig.

          Ähnlich moderat wie die Arbeiterlöhne entwickelten sich 2005 die Tarifgehälter der Angestellten. Im bundesdeutschen Durchschnitt wurde das tarifliche Monatsgehalt mit 1,3 Prozent so wenig erhöht wie noch nie im vergangenen Jahrzehnt. In Westdeutschland wuchs das Monatsgehalt in den vergangenen 46 Jahren überhaupt nur viermal langsamer als 2 Prozent, und zwar in den Jahren 1994, 1997, 1998 und eben 2005.

          Hinter den statistischen Durchschnittswerten verbergen sich sehr unterschiedliche Entwicklungen zwischen den Branchen. Am stärksten stieg der Tariflohn im Verarbeitenden Gewerbe mit 1,6 Prozent, wobei die Arbeiter in der Metallverarbeitung und im Maschinenbau noch knapp darüberlagen. Im Schienenfahrzeugbau gab es sogar ein Plus von 2,3 Prozent. Dagegen stieg der Tariflohn im Handel nur um 1,1 Prozent, im Bergbau um 0,9 Prozent, und er stagnierte am Bau. Für Arbeiter im Textil- und Bekleidungsgewerbe stieg der durchschnittliche Stundenlohn um 0,2 Prozent. Im Staatssektor erhöhte der tarifliche Stundenlohn sich um 0,5 Prozent. Die tariflichen Monatsgehälter der Angestellten entwickelten sich im Verhältnis der Branchen ähnlich.

          Die tariflichen Löhne und Gehälter werden von den Statistikern auf der Grundlage von rund 550 Tarifverträgen ermittelt. Sie decken weite Bereiche der Wirtschaft ab. Nicht berücksichtigt sind individuelle Zulagen und Zuschläge, Einmal- und Pauschalzahlungen sowie übertarifliche Vergütungen. Die Tarifgehälter bilden den wichtigsten Teil der Arbeitskosten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Schüler einer vierten Klasse sitzen zu Beginn des Unterrichts in Dresden auf ihren Plätzen.

          Im neuen Schuljahr : Welcher Lernstoff ist verzichtbar?

          Auch nach den Sommerferien wird der Unterricht anders sein als gewohnt. Drei Szenarien sind denkbar. Die Friedrich Ebert Stiftung schlägt nun vor, Prüfungs- und Lehrinhalte zu reduzieren. Streit ist programmiert.
          Streit mit der Bild-Zeitung: Virologe Christian Drosten

          „Bild“ gegen Drosten : Wahrheit im Corona-Style

          Die Kampagne gegen den Virologen Drosten ist sachlich unbegründet, niveaulos und niederträchtig. Sie richtet sich gegen die Wissenschaft. Und damit ist weder der Gesellschaft noch der Politik gedient.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.