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Lizenzen versteigert : Der Irak öffnet seine Ölvorkommen

Der Irak versteigert Ölförderlizenzen: Die Sicherheitslage bleibt jedoch schwierig Bild: AFP

In der zweiten Auktion für Lizenzen zur Ölförderung haben Konzerne aus Europa, Russland, China, Malaysia und Afrika zugegriffen - aber keine Amerikaner. Der Irak will bis 2015 drittgrößter Ölproduzent der Welt werden.

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          Der Irak hat am Wochenende in einer zweiten Runde Lizenzen zur Ölförderung versteigert. Das krisengeschüttelte Land hofft, mittelfristig wieder zu einem der größten Ölproduzenten der Welt aufzusteigen. Die tägliche Fördermenge könnte in sechs Jahren auf 12 Millionen Barrel (159 Liter) am Tag steigen, sagte der irakische Ölminister Hussain al-Shahristani am Samstag nach der zweiten Auktion von Förderrechten, seit Saddam Hussein im Jahr 2003 gestürzt wurde. Damit könnte der Irak den größten Förderländern, Saudi-Arabien und Russland, Konkurrenz machen und auch geopolitisch an Gewicht gewinnen. Gegenwärtig produziert der Irak täglich etwa 2,4 Millionen Barrel.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Die Liste der Unternehmen, die nun zum Zuge gekommen sind, liest sich wie das Who's who der Ölindustrie. Shell, Lukoil, Gasprom, die chinesische CNPC, Petronas aus Malaysia sowie Sonangol aus Angola stehen den Konsortien vor, die den Zuschlag erhalten haben (siehe auch Shell erhält Zuschlag für Riesen-Ölfeld im Irak). Total, Statoil und Japex, die türkische TPAO sowie Kogas aus Korea gehören den Konsortien ebenfalls an. Hinzu kommen Unternehmen, die nach der ersten Bieterrunde im Juni Verträge für drei Ölfelder unterzeichnet haben, wie British Petroleum und CNPC, ExxonMobil und Shell sowie Eni. Ölminister Shahristani rechnet, dass die Konsortien aus beiden Bieterrunden insgesamt 100 Milliarden Dollar investieren werden. Als Ziel nannte er die Maximierung der Einnahmen für den Irak.

          Für die zweite Bieterrunde hatten sich 42 internationale Ölgesellschaften qualifiziert und angemeldet. Darunter waren auch sieben aus den Vereinigten Staaten, die indes kein Angebot abgaben. "Vielleicht haben sie andere Felder im Visier, für die sie später bieten werden", sagte Shahristani. In der ersten Bieterrunde hatten ein Konsortium unter der Führung von ExxonMobil und das Konsortium von Eni, zu dem das amerikanische Ölunternehmen Occidental gehört, den Zuschlag für die Felder West Qurna 1 und Zubair bekommen. In einer dritten Bieterrunde sollen 2010 die Rechte zur Exploration an voraussichtlich 50 Ölfeldern vergeben werden.

          7 Prozent der Welt-Ölreserven

          Die nun versteigerten Felder addieren sich auf 7 Prozent der bekannten Ölreserven der Welt, wenn man die Ölschiefer Kanadas einbezieht. Nach Angabe des Ölkonzerns BP verfügt der Irak insgesamt über 9 Prozent der nachgewiesenen Ölreserven der Welt. Dreißig Jahre hatte es im Irak wegen Kriegen, Sanktionen und Vernachlässigung keine oder kaum Erschließung und Ausbeutung neuer Ölvorkommen gegeben. Als Folge liegt die Produktion des Iraks weit unter seinen Möglichkeiten. Der Irak wird daher noch Ölreserven haben, wenn in vielen anderen Ländern, die heute große Ölproduzenten sind, die Felder schon leer gepumpt sein dürften.

          Sieben der zehn Ölfelder, die in der zweiten Bieterrunde vergeben wurden, addieren sich auf eine zusätzliche Produktion von 4,8 Millionen Barrel am Tag. Die großen Ölfelder der ersten Runde - Rumaila, Qurna West 1 und Zubair - addieren sich auf weitere 6,4 Millionen Barrel. Aus den beiden Bieterrunden gewinnt der Irak daher eine Produktion von gut 11 Millionen Barrel. Hinzu kommen weitere Felder, die nicht Teil der Bietrunden waren, mit rund 1 Million Barrel Tageskapazität. In sechs Jahren werde der Irak daher seine Produktion auf 12 Millionen Barrel erhöhen, rechnete Shahristani vor. Allerdings droht Widerstand aus der Opec. Erwartet wird, dass die Organisation der Erdöl produzierenden Länder dem Irak eine Erhöhung seiner Quote auf 6 Millionen Barrel am Tag zugestehen wird. Sollte die internationalen Ölgesellschaften nicht ihre Fördermenge ausschöpfen können, werde der Irak aber mehr produzieren, sagte Shahristani.

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