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Dank Flüssiggas : Litauen möchte Gasvertrag mit Russland nicht verlängern

Das schwimmende Flüssiggasterminal „Unabhängigkeit“ kommt in der litauischen Hafenstadt Klaipedia an um dort für 10 Jahre verankert zu werden. Bild: AFP

Bislang ist Litauen zu 100 Prozent vom russischen Erdgas abhängig. 2015 läuft der aktuelle Liefervertrag mit Gazprom aus, und Litauen möchte den Vertrag nicht verlängern. Ist das nur Taktik - oder steckt etwas ganz anderes dahinter?

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          Litauen macht ernst: Nachdem im vergangenen Jahr das eigene Flüssiggasterminal mit dem pompösen Namen „Unabhängigkeit“ eröffnet wurde, will das Land sich nun weiter von Russland lösen. Konkret möchte der baltische Staat seinen langfristigen Gasvertrag mit dem russischen Staatskonzern Gazprom nicht verlängern. Noch importiert das Land rund 2,5 Milliarden Kubikmeter Gas, doch im November hat Litauen ein gigantisches Flüssiggas-Terminal eröffnet. Der Zugang zum weltweiten Flüssiggas-Markt soll das Land nun unabhängiger von Russland machen und das russische Gasmonopol brechen. Der derzeitige Liefervertrag mit Gazprom läuft noch bis Ende des Jahres 2015, dann muss nachverhandelt werden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Im Moment ist das Land zu 100 Prozent von russischen Gasimporten abhängig, die auch noch 15 Prozent teurer sind als der durchschnittliche europäische Gaspreis.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Litauen musste bisher in den langfristigen Lieferverträgen sowohl Menge als auch Preis fixieren. Doch das Land fühlt sich nun in einer besseren Verhandlungsposition: „Die Situation hat sich geändert, wir haben mittlerweile Wettbewerb“, sagte Dalius Misiunas, der Vorstandsvorsitzende des staatlichen Energieriesens Lietuvos Energija. „Wir fühlen uns nicht mehr in Geiselhaft, wenn wir mit Gazprom über einen neuen Liefervertrag sprechen“, fügte Misiunas an. Bisher schloss das Land stets 10-Jahres-Verträge mit Gazprom ab.

          Im vergangenen Jahr eröffnete nicht nur das Flüssiggas-Terminal „Unabhängigkeit“, darüber hinaus unterschrieb das Land im August einen Fünf-Jahres-Vertrag mit dem norwegischen Konzern Statoil über eine Lieferung von 540 Millionen Kubikmeter Flüssiggas im Jahr – also immerhin ein Fünftel des Jahresverbrauchs. Statoil würde gern mehr exportieren, kann aber aufgrund bestehender Lieferverträge mit anderen Kunden und der begrenzten Kapazität des Verflüssigungsterminals nicht mehr Flüssiggas liefern. Das Flüssiggasterminal hat eine Kapazität von etwa 4 bis 5 Milliarden Kubikmetern im Jahr, damit könnte es auch den Bedarf der baltischen Nachbarn Lettland und Estland decken. 

          “Wenn man alle Umstände betrachtet, ist es rational über einen Liefervertrag für ein Jahr oder wenige Jahren zu sprechen. Wir können nicht riskieren, einen langfristigen Liefervertrag mit festen Preisen mit Gazprom zu schließen“, so Misiunas. Außerdem kündigte er an, dass Litauen in der Zukunft auch Gas von Polen oder Lettland kaufen könnte. Die Länder planen eine Pipeline, die im Jahr 2019 fertig sein soll. Außerdem erwägt Litauen, Flüssiggas aus den Vereinigten Staaten zu importieren.

          Unabhängig von allen politischen Erwägungen, ob Litauen sich von Russland unabhängiger machen möchte, ist es vor allem auch eine Frage des Preises für das baltische Land. Flüssiggas ist rund 20 Prozent teurer als herkömmliches Gas. Durch die schlechten Lieferverträge mit Russland ist allerdings für Litauen Flüssiggas und herkömmliches Gas ungefähr gleich teuer. Daher ist es nicht unwahrscheinlich, dass Litauen nur einen günstigeren Liefervertrag aushandeln möchte. Gazprom ist im Moment noch in der stärkeren Verhandlungsposition: Bis Ende des Jahres wird Litauen aller Wahrscheinlichkeit nach keine weiteren Flüssiggas-Lieferanten finden - so ist es weiter auf Gas aus Russland angewiesen. Und dass Gazprom keine Probleme damit hat, den Gashahn zuzudrehen, sieht man immer wieder an der Ukraine.

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