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Liliane Bettencourt : Die alte Frau und das Geld

Liliane Bettencourt ist auf den Tonbändern mit leiser Stimme zu hören, sie wirkt zerstreut und unfähig, ihren Gesprächspartnern zu folgen. Mal stimmt sie zu, Franois-Marie Banier als Universalerben einzusetzen, dann wieder zeigt sie sich darüber höchst verblüfft. In einem Fernsehgespräch mit dem staatlichen Sender France 3 beantwortete Liliane Bettencourt alle Fragen zögerlich und oftmals nach mehreren Rückfragen. Sie wirkte, als habe sie ein paar Sätze vorbereitet. „Meine Tochter soll sich um ihr eigenes Leben kümmern“, wiederholte sie mehrere Male. Bei Rückfragen musste sie passen.

Ihre frühere Buchhalterin hat der Justiz anvertraut, dass Madame Bettencourt schon seit Jahren Spickzettel braucht, um eine Unterhaltung zu bestreiten. Die Witwe hat sich seit Dezember 2007 standhaft geweigert, sich gerichtsmedizinisch untersuchen zu lassen. Angeblich befürchtet sie, dass das ärztliche Gutachten von ihrer Tochter beeinflusst sein könnte. Um die Vermutungen über ihre Geschäftsunfähigkeit zu zerstreuen, hat Liliane Bettencourt angekündigt, dass unabhängige Prüfer ihr Vermögensmanagement unter die Lupe nehmen sollen. „Dieses Audit wird zeigen, dass ich vollkommen in der Lage bin, die Geschäfte der Familie zu führen“, teilte sie mit.

Liliane Bettencourt hält die Stimm- und Dividendenrechte des von ihrem Vater Eugène Schueller gegründeten Kosmetikimperiums. Eugène Schueller, dessen Familie aus dem Elsass stammt, wuchs in einem verarmten Bäckerhaushalt in Paris auf. Weil sein Vater die feine katholische Privatschule Sainte-Croix de Neuilly mit Backwaren belieferte, durfte Sohn Eugène dort die Schule besuchen. An das erfolgreiche Baccalauréat schloss sich ein Chemiestudium an der Sorbonne an. Noch während seines Studiums erfand Schueller eine Haarfärbetinktur. 1909 gründete er die Firma, aus der L’Oréal hervorgehen sollte. Als Schueller im August 1957 starb, erbte seine einzige Tochter Liliane die Firma, die zum Marktführer in der Kosmetikbranche angewachsen war.

Sogar Staatspräsident Sarkozy sorgt sich um den Konzern

Liliane hatte 1950 mit väterlichem Segen André Bettencourt geheiratet. Aus Furcht vor einem Wahlsieg der Linken in Frankreich ließ das Ehepaar Bettencourt 1974 den Schweizer Konzern Nestlé 29,8 Prozent der Anteile an L’Oréal erwerben. Der Aktionärspakt sollte das Kosmetikunternehmen vor einer drohenden Verstaatlichung bewahren. Als 1981 die Linke unter Franois Mitterrand die Macht eroberte, wurde L’Oréal fürsorglich behandelt. Schließlich kannten sich André Bettencourt und Mitterrand aus Schulzeiten, sie hatten das gleiche katholische Internat in Paris besucht. Auch während der deutschen Besatzung standen sich Mitterrand und der dem nationalsozialistischen Gedankengut gewogene Bettencourt näher, als es beide später wahrhaben wollten. Der Aktionärspakt mit Nestlé wurde im April 2009 abermals verlängert. Zu Lebzeiten Liliane Bettencourts darf Nestlé den L’Oréal-Anteil nicht aufstocken. Die Familie und Nestlé haben aber fortan das Recht, ihre Aktienpakete zu Geld zu machen. Ihrer Tochter Françoise Bettencourt-Meyers hatte Liliane Bettencourt bereits 1992 die nackten Eigentumsrechte des Aktienpakets übertragen. Ihre Enkelsöhne Jean-Victor und Nicolas Meyers sind zu jeweils 15,8 Prozent an der Familienholding Téthys beteiligt.

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