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Lehrstellendebatte : Bildungsinitiative statt Ausbildungspakt

  • Aktualisiert am

Ohne Schulabschluss kaum Aussicht auf eine Lehrstelle Bild: dpa

Zu viele Jugendliche haben keinen Schulabschluss. Das ist viel gravierender als die drohende Lehrstellenlücke, über die alljährlich debattiert wird. Ein Kommentar von Konrad Mrusek.

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          Man kennt inzwischen das Ritual: Alljährlich im Herbst schlagen die Politiker Alarm, weil angeblich eine Lehrstellenlücke droht, Zehntausenden von Jugendlichen der Ausbildungsplatz fehlt. Kurz danach kommt dann die Entwarnung, erweist sich die Lage als halb so schlimm. So ist es auch in diesem Jahr.

          Zwei Drittel der jungen Menschen, die vor vier Monaten noch ohne Lehrstelle schienen, haben einen Ausbildungsplatz gefunden. Regierung und Wirtschaftsverbände loben sich daher gegenseitig, weil der vor drei Jahren gebildete „Nationale Ausbildungspakt“ sich wieder einmal bewährt hat.

          Zu viele Jugendliche ohne Schulabschluss

          War also die herbstliche Dramatik übertrieben, ist der Nachwuchs an guten deutschen Fachkräften gesichert? Man sollte diese ritualisierte Ausbildungsdebatte, die stets zwischen Erregung und Erleichterung pendelt, endlich beenden. Denn natürlich ist jetzt nicht plötzlich alles gut, nur weil sich die Lehrstellenlücke weitgehend geschlossen hat.

          Das Problem sind auch nicht so sehr die Unternehmen, die angeblich mit politischem Tremolo zum Ausbilden genötigt werden müssten. Weil in wenigen Jahren aus demographischen Gründen die Zahl der Jugendlichen sinkt, werden Unternehmen schon aus Eigeninteresse Lehrlinge wollen. Das Problem ist ein staatliches: Es gibt zu viele Jugendliche ohne Schulabschluss. Hier braucht Deutschland eine Bildungsinitiative, dann erübrigt sich ein Ausbildungspakt.

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