https://www.faz.net/-gqg-7heds

Lebensmittelverschwendung : Ernährungsorganisation: Gebt altes Essen den Armen

  • -Aktualisiert am

Obst und Gemüse werden besonders häufig weggeworfen Bild: dpa

Die Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen lobt Lebensmitteltafeln als besten Weg, das Verschwenden zu beenden.

          2 Min.

          Ein Drittel aller weltweit hergestellten Lebensmittel landet zum Schluss nicht auf dem Teller, sondern vorher im Müll. Das gab die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) am Mittwoch in Rom bekannt. In ihrem Bericht lobt die FAO Initiativen wie die Lebensmitteltafeln in Deutschland.

          Überschüssige Nahrungsmittel an Bedürftige zu verteilen, sei „die beste Option“, schreibt die FAO. Weltweit würde bisher nur ein winziger Bruchteil des Angebotsüberhangs auf einem zweiten Markt vertrieben. Vielen Unternehmen erscheine die Entsorgung „billiger und einfacher“. Andere fürchteten sich vor juristischen Konsequenzen, sollten abgelaufene Lebensmittel nach der Verteilung an Bedürftige Krankheiten verursachen. Immer mehr Regierungen suchen aber laut FAO nach Wegen, die Weitergabe überschüssiger Lebensmittel stärker gesetzlich zu schützen und so „den Prozess zu glätten“.

          Verbraucher und Einzelhändler zeichnen in den Industriestaaten für 31 bis 39 Prozent der Lebensmittelverschwendung verantwortlich. In den Entwicklungsländern liegt dieser Wert nur bei 4 bis 16 Prozent. Diese letzten beiden Akteure der Lebensmittelkette alleine könnten das weltweite Verschwendungsproblem also nicht lösen.

          Investitionen in den Entwicklungsländern angemahnt

          In den Entwicklungsländern gehen die meisten Lebensmittel in viel früheren Herstellungsphasen verloren, beispielsweise wegen schlechter Erntetechniken, zu geringen Lagerkapazitäten oder unzureichender Kühlräume. In ihrem Bericht mahnt die FAO deshalb Investitionen in die Infrastruktur und die Lebensmittelindustrie der Entwicklungsländer an. Außerdem fordert sie, dass sich die einzelnen Elemente der Lieferkette besser aufeinander abstimmen sollten und die Herstellung von Nahrungsmitteln stärker an die Nachfrage angepasst werden soll. Die Organisation kritisiert, dass viele Einzelhändler in den Industriestaaten „perfekt essbare Lebensmittel“ alleine aus ästhetischen Gründen beanstandeten.

          Die Tragweite der Thematik ist groß. „Wir dürfen einfach nicht zulassen, dass ein Drittel aller Lebensmittel weltweit durch unsachgemäße Praktiken verloren geht, wenn jeden Tag 870 Millionen Menschen hungern“, sagte FAO-Generaldirektor José Graziano da Silva. Darüber hinaus schade die Verschwendung von Nahrungsmitteln Wirtschaft und Umwelt. Den ökonomischen Schaden schätzt die FAO weltweit auf 750 Milliarden Dollar pro Jahr.

          Studie beziffert ökologischen Schaden der Verschwendung

          Ökologisch betrachtet werden laut der Studie 3,3 Milliarden Tonnen Treibhausgase pro Jahr unnötig ausgestoßen, weil Lebensmittel hergestellt werden, die letztlich niemand isst. „Die Verschwendung richtet erheblichen Schaden an den natürlichen Ressourcen an, die die Menschheit braucht, um sich selbst zu ernähren“, heißt es im Bericht der FAO. Überschüssiger Anbau und Viehzucht verbrauche weltweit 250 Kubikkilometer Wasser jährlich. Das entspricht dem dreifachen Volumen des Genfer Sees.

          Wie die FAO den CO2-Fußabdruck der Lebensmittelverschwendung berechnet hat, erscheint unterdessen vage. Neben dem Ausstoß von Treibhausgasen während des Anbaus beziehungsweise der Zucht hat sie den Energieverbrauch der landwirtschaftlichen Betriebe zurate gezogen.Dass der Anbau von Pflanzen der Atmosphäre immer auch Kohlendioxid entzieht, ist nicht berücksichtigt.

          Besonders hoch ist die Vergeudung von Nahrungsmitteln im Bereich Obst und Gemüse. Dort wird laut FAO die Hälfte der weltweit produzierten Ware am Ende nicht gegessen. Fleischprodukte werden anteilsmäßig zwar deutlich weniger verschwendet, belasteten die Umwelt aber viel stärker als die Herstellung pflanzlicher Lebensmittel. Sie würden vor allem in Regionen mit hohem Einkommen weggeworfen.

          Weitere Themen

          Im Schatten Chinas

          FAZ Plus Artikel: Indiens Wirtschaft : Im Schatten Chinas

          Die Handelsbeziehungen zu Indien sind ein schwieriges Kapitel in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Erst die marktwirtschaftliche Öffnung des Landes sorgte für Schwung. Ein Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten, spricht bei einer Wahlkampfkundgebung im Lake Charles Civic Center.

          Amerika : Vereinzelte Republikaner wenden sich gegen Trump

          Einzelne Republikaner erwägen, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump zu unterstützen. Die Mehrheit steht nach wie vor hinter ihrem Präsidenten und will das auch mit einer offiziellen Abstimmung bestätigen.
          Der britische Premierminister Boris Johnson steht beim EU-Gipfel in Brüssel im Zentrum.

          Europäische Union : Britisches Parlament stimmt über Brexit-Vertrag ab

          Stimmt das britische Unterhaus heute für den Vertrag, den Premierminister Boris Johnson mit der EU ausgehandelt hat, wird Großbritannien am 31. Oktober aus der Europäischen Union austreten. EU-Kommissar Günther Oettinger schließt weitere Verhandlungen aus, sollte es nicht zu einer Einigung kommen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.