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Interview mit Fleischermeister Dirk Ludwig : „Das Buffet bei den Grünen war nicht vegetarisch“

  • Aktualisiert am

Dirk Ludwig in seinem Metier. Bild: Privat

Der Metzger Dirk Ludwig findet, die Politik soll sich vom Abendbrottisch fernhalten. Mit Renate Künast ist er per Du und empfiehlt seine Lammsalami.

          2 Min.

          Herr Ludwig, was ist eine Vollmondsalami?

          Die wird nur in der Vollmondnacht hergestellt.

          Und das bringt was?

          Man schreibt dem Vollmond ja allerlei mystische Kräfte zu. Manche Leute lassen sich bei Vollmond die Haare schneiden, weil dann die Frisur länger hält, in der Vollmondnacht geschlagenes Holz hat bautechnisch Vorteile. Es gibt Vollmondbier, Vollmondkäse, Vollmondbrot - und ich habe den Küchentisch mit der Vollmondsalami komplettiert.

          Das klingt etwas esoterisch, könnte also genau das Richtige für den einen oder anderen Anhänger der Grünen sein, oder?

          Also das ist ein bisschen weit hergeholt. Mit Politik hat der Verzehr meiner Salami relativ wenig zu tun. Die hat einfach einen intensiveren, würzigeren Geschmack. Obwohl sie nach der selben Rezeptur hergestellt wird wie meine normale Salami.

          Nun wollen die Grünen aber einen vegetarischen Tag einführen, zumindest in den Kantinen. Eine doofe Idee?

          Mich stört, dass solche Dinge jetzt reglementiert werden sollen. Da frage ich mich, wo bleibt die persönliche Freiheit? Ob jemand für einen Tag auf Fleisch verzichtet oder nicht - das darf doch jeder selbst entscheiden. In den meisten Restaurants und Kantinen wird ohnehin ein vegetarisches Gericht angeboten. Die Politik sollte sich weniger ins tägliche Leben einmischen.

          Wittern Sie Vegetarier-Propaganda?

          In letzter Zeit gab es schon ein paar merkwürdige Auswüchse, teilweise auch von Brüssel getrieben. Es ist eben das Wesen der Politik, Kontrapunkte zu setzen und Diskussionsfelder aufzumachen. Das ist ja auch legitim, aber bei manchen Dingen schüttelt man nur den Kopf. Diese Sache würde ich auch darunter ablegen.

          Haben Sie eigentlich auch Vegetarier im Freundeskreis?

          Ja klar. Sogar eine sehr gute Bekannte. Die ist Ernährungsberaterin und macht für uns Werbung.

          Als Vegetarierin macht sie Werbung für eine Metzgerei?

          Ja, in ihren Ernährungsseminaren. Unter dem Motto: Wenn Ihr nicht auf Fleisch verzichten wollt, dann geht zumindest dorthin. Und ihr Freund ist ein großer Fleischliebhaber. Der war bei unserem Steak-Kurs und kauft immer groß ein.

          Sie haben dieses Jahr die Silbermedaille beim Fleischwurstpokal gewonnen. Was ist das für ein Wettbewerb?

          Den schreibt der Fleischerverband Nordrhein-Westfalen einmal im Jahr aus. Da wird die beste Fleischwurst gekürt.

          Was macht Ihre Fleischwurst so lecker? Die drei Sorten Pfeffer, Koriander und Paprika?

          Die einzigen besonderen Zutaten sind eigentlich die Leidenschaft und das Herzblut, das wir hineinstecken. Letzte Woche hat jemand anderes bei uns die Wurst gemacht, und ich habe es sofort am Abendbrottisch geschmeckt - obwohl hier alles abgewogen wird und Rezepturen vorliegen. Fleisch ist ein Naturprodukt, kein Tier ist wie das andere. Sie haben alle eine andere genetische Disposition. Es spielt eine Rolle, wann sie geboren wurden, im Frühjahr oder im Herbst, dadurch haben sie andere Jahreszeiten durchlebt. Das Tier wächst anders, je nachdem ob es kalt oder warm ist, ob reichhaltiges Futter da ist oder im Winter Heu gefüttert wird. All diese Faktoren machen das Fleisch unterschiedlich, und dann schmeckt auch die Wurst um Nuancen anders.

          Essen Sie eigentlich auch mal nur Salat?

          Gestern zum Beispiel habe ich gar nichts gegessen.

          Das ist aber auch nicht gesund.

          Ja, aber meine Frau ist im Urlaub.

          Zu viel Fleisch essen soll ja schlecht sein fürs Klima.

          Ich habe davon gehört. Aber ich glaube nicht, dass das vordringlichste Problem, das wir auf der Welt haben, die Erderwärmung durch furzende Kühe ist. Da gibt es andere Faktoren, die sicherlich gravierender sind.

          Schicken Sie Jürgen Trittin doch mal Ihr Spezialpaket „Würstchenparade“. Der würde sich sicher freuen.

          Ich habe da sogar einen ganz guten Draht, zu Renate Künast allerdings. Die ist mit mir per Du und hat mich in den Bundestag eingeladen, als es um Tierschutz im Grundgesetz ging. Das war eine interessante Geschichte, als Metzger auf so eine interne Grünen-Veranstaltung zu gehen, wenn dann nur die ganzen Tierschutzorganisationen eingeladen sind und man selbst mit einem Namensschild auftaucht, auf dem „Metzgerei“ steht. Die Blicke beim Buffet waren super.

          War das Buffet vegetarisch?

          Nein.

          Wenn morgen die Welt untergeht, welche Wurst muss ich vorher probieren?

          Da gibt’s nur eine: meine Lammsalami.

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