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Lebensmittel : Deutsche Biobauern haben nichts vom großen Öko-Appetit

  • -Aktualisiert am

Aus Raps mach Ökostrom Bild: dpa

Die Deutschen geben immer mehr Geld für Bio-Lebensmittel aus. Den heimischen Biobauern bringt das beinahe nichts. Das liegt auch an den Folgen der Energiewende.

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          Die Deutschen geben immer mehr Geld für Bio-Lebensmittel aus –  aber die Ökobauern haben wenig davon. Jedenfalls nicht die deutschen. Das liegt unter anderem an der Energiewende.

          Denn weil die Landwirte immer mehr Mais oder Raps zur Strom- und Kraftstofferzeugung anbauen, steigen die Pachtpreise für das Land erheblich, und damit die Kosten für Landwirte. „Insbesondere das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) benachteiligt die heimische Produktion massiv“, heißt es im neuen Branchenbericht des Ökolandbauverbandes BÖLW.

          Das liegt daran, dass Ökobauern weitaus mehr Land benötigen, um die gleiche Ernte einzufahren wie konventionell wirtschaftende Bauern. Die Folge: Ein wachsender Anteil der Bio-Lebensmittel wird aus dem süd- und osteuropäischen Ausland importiert.

          Händler in Goldgräberstimmung

          Während laut der für den BÖLW erstellten Marktstudie des Branchendienstes AMI der inländische Umsatz mit Bio-Lebensmitteln und -Getränken um 7,2 Prozent auf 7,55 Milliarden Euro stieg, gab es 2013 nur 1 Prozent mehr Bauernhöfe, die nach den relativ strengen Standards der Verbände wie Bioland, Naturland oder Demeter wirtschaften. Die von ihnen angebaute Öko-Fläche stieg bloß um 0,4 Prozent. Nach weicherem EU-Ökostandard arbeiteten 3 Prozent mehr Betriebe auf um 2,5 Prozent erweiterter Fläche.

          Auf der großen Branchenmesse Biofach in Nürnberg, die an diesem Dienstag begonnen hat, sind somit Händler und Lebensmittelverarbeiter in Goldgräberstimmung, die deutschen Bauern aber unzufrieden. Stark gefragt waren 2013 vor allem Obst und Gemüse. Die Deutschen kauften besonders viele Bio-Bananen, Zitronen, Orangen und Kiwis aus Öko-Erzeugung – Früchte, die von weither importiert werden.

          Im europäischen Vergleich aßen Deutsche am achtmeisten Bio-Lebensmittel. Die Rangliste liest sich wie eine Rangfolge der Wirtschaftsstärke der EU-Staaten: Am meisten Bio-Lebensmittel aßen die Schweizer, gefolgt von Dänemark, Luxemburg, Liechtenstein, Österreich, Schweden, Deutschland. Fast keine Bio-Lebensmittel wurden gehandelt in der Ukraine, der Türkei, der Slowakei, Bulgarien, Litauen, Lettland, Portugal oder Polen.

          Diese Länder produzieren offenbar fast nur für den Export in reichere Staaten Öko-Lebensmittel. Deutsche Biobauern hingegen bangen um ihre  Konkurrenzfähigkeit. Dabei war 2013 für die konventionell wirtschaftenden  Bauern das wohl wirtschaftlich stärkste Jahr aller Zeiten: Das zeigte der Situationsbericht des Deutschen Bauernverbandes. Gründe waren die hohen Absatzpreise und wachsende Exporte vor allem von Milchprodukten und Fleisch.

          Davon konnten die Ökobauern nicht so sehr profitieren: Erstmals seit vielen Jahren, geht aus der Studie für den BÖLW hervor, war der Gewinn je Arbeitskraft auf den Ökohöfen geringer als auf den konventionellen Betrieben.

          Der Ökoverband stellt fest, „dass die relative Vorzüglichkeit des Ökolandbaus abnimmt“. Ein Beispiel sind die Milchbauern. Der Preis, den ihnen die Molkereien für Biomilch zahlen, ist nicht mehr so viel höher als der für konventionelle Milch, wie es lange Jahre war. Denn seit 2012 verteuerte sich die konventionelle Milch von rund 30 auf 40 Cent pro Liter. Für die Biomilch gab es etwa ein Fünftel mehr.

          Auch waren die Erzeugerpreise für Öko-Getreide, anders als für konventionelles, seit etwa 2 Jahren leicht rückläufig. Die Ernte war 2013 laut Studie eher schlecht.

          Das Wachstum des Umsatzes, wovon Handelsketten und der Naturkosthandel profitierten, freute Branchenvertreter gleichwohl. „Bio-Produkte stehen bei deutschen Kunden weiter hoch im Kurs“, sagte Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des BÖLW. Die Politik müsse dafür sorgen, dass auch der inländische Ökolandbau mitwachse. Auch „die übertriebene Biogasförderung“ bremse das Wachstum des Ökolandbaus. „Hier muss dringend gegen gesteuert werden, sonst breiten sich statt ökologischer Landbewirtschaftung weitere Monokulturen aus.“

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