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Lebensmittel : Lateinamerika sagt dem Fast Food den Kampf an

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Ungesunde Freude: Ein Kind isst einen Hamburger Bild: picture-alliance / dpa

Von Mexiko bis Peru erlassen Politiker Gesetze, die fett- und zuckerreiche Lebensmittel wie etwa Kartoffelchips unattraktiver machen sollen. Wird das zum Vorbild für den Rest der Welt?

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          Lateinamerika macht mobil - gegen Fast Food. Erst im Oktober führte Mexiko eine acht-prozentige Sondersteuer ein auf abgepackte Lebensmittel wie zum Beispiel Kartoffelchips und eine auf einen Liter bezogene Abgabe für zuckerhaltige Getränke. Kürzlich ordnete Ecuador an, Lebensmittel anhand eines Farbsystems nach ihrem Fett- und Zuckergehalt zu kennzeichnen. Schon im vergangenen Jahr verboten Peru, Uruguay und Costa Rica sogenanntes Junk Food - wozu gemeinhin etwa Hamburger oder Süßigkeiten zählen - an staatlichen Schulen.

          Der ganze Kontinent ist damit quasi ein großes Labor dafür geworden, wie die Politik ausprobiert, Menschen zu gesünderer Ernährung zu bewegen. Die Getränke-Sondersteuer Mexikos gelte dabei als die bedeutendste einzelne Maßnahme, weil das Land gemessen an der verkauften Menge beispielsweise für den Limonaden-Hersteller Coca-Cola der zweitwichtigste Markt der Welt sei, berichtet das „Wall Street Journal“.

          In Pachacute, nördlich der peruanischen Hauptstadt Lima, werden Studenten aus armen Verhältnissen zu Köchen ausgebildet.
          In Pachacute, nördlich der peruanischen Hauptstadt Lima, werden Studenten aus armen Verhältnissen zu Köchen ausgebildet. : Bild: REUTERS

          Barry Popkin, Professor an der Universität von North Carolina, hält für möglich, dass gerade die mexikanische Zucker-Getränkesteuer Schule macht und von anderen Ländern adaptiert wird. „Wir werden das in einigen Jahren wissen. Ab dann würde man einen entsprechenden Domino-Effekt sehen“, sagte der Autor des Buches „The World is Fat“ der amerikanischen Wirtschaftszeitung. Der kolumbianische Gesundheitsminister liebäugelt offenbar schon damit, die Steuer zu kopieren. Der Domino-Effekt könne sich ähnlich ereignen wie im Falle der Maßnahmen, die von Rauchen abhalten sollen und in immer mehr Ländern gelten.

          Mitunter gelinge es Nahrungsmittelunternehmen aber, einmal eingeführte Maßnahmen auszuhebeln. In Chile verbot der Gesetzgeber im Jahr 2012, Fast-Food-Gerichte mit Kinderspielzeug zusammen zu verkaufen. Als der zuständige Minister das Gesetz in die Tat umsetzte, gestattete er, Spielzeug oder Aufkleber mit zu verkaufen, wenn sie mit einer bestimmten Lizenz ausgestattet sind.

          Zugleich weisen die mit den Gesetzen angezielten Konzerne aber auch den Vorwurf zurück, ungesundes Essen zu verkaufen. Woods Staton, der das Unternehmen Arcos Dorados Holdings leitet, das die meisten McDonalds-Restaurants in Lateinamerika und der Karibik betreibt, äußerte, seine Kette vertreibe ausgewogene Mahlzeiten. Sie orientierten sich an Diät-Richtlinien.

          Außerdem betonte er, dass vor allem die wachsende Mittelschicht in der Region bei McDonalds esse, während die ärmsten Menschen von Fettleibigkeit am stärksten bedroht seien. „Diese Kinder könne sich gar nicht leisten, bei McDonalds zu essen.“

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