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Lebensmittel : Keine Ampel für Fertiggerichte

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Umstrittene Ampel Bild: dpa

Das EU-Parlament hat die von Verbraucherschützern geforderte Ampel-Kennzeichnung für Lebensmittel abgelehnt. Damit müssen Fertigprodukte auch künftig nicht mit farbigen Symbolen gekennzeichnet werden. Stattdessen soll auf den Packungen der Brennwert in Kalorien angegeben werden.

          Die umstrittene Ampelkennzeichnung für die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln ist vom Tisch. Das Europäische Parlament stimmte am Mittwoch in Straßburg mit klarer Mehrheit dagegen, die Verbraucher mit Ampelfarben auf der Packung darüber zu informieren, ob der Salz-, Zucker- und Fettgehalt eines Lebensmittels im grünen, gelben oder roten Bereich ist. Auch freiwillige nationale Systeme wie in Großbritannien lehnten die Abgeordneten ab. Allerdings müssen Fertiggerichte, Snacks und bestimmte Getränke nach dem Votum künftig klare Angaben auf der Vorderseite der Verpackung dazu enthalten, wie viel Fette, gesättigte Fette, Zucker und Salz sie je 100 Gramm oder je 100 Milliliter enthalten. Die Hersteller müssen angeben, wie viel Prozent des durchschnittlichen täglichen Verbrauchs - einer 40 Jahre alten Frau, also 2000 Kilokalorien - damit abgedeckt sind. Außerdem müssen sie den Kaloriengehalt nennen.

          Auf der Verpackungsrückseite sollen die Hersteller angeben, wie viel Eiweiß, Kohlenhydrate, Belaststoffe sowie natürliche und künstliche Transfette das Lebensmittel enthält. Alkohol soll hingegen nicht gekennzeichnet werden. Dafür hatten sich Grüne, Sozialisten und Linke ausgesprochen. Bisher gibt es in der EU keine Vorgaben für die Kennzeichnung der Inhaltsstoffe von Lebensmitteln. Allerdings machen einige Hersteller solche Angaben schon auf freiwilliger Basis. Das Votum des EU-Parlaments basiert auf einem Vorschlag der Europäischen Kommission von Anfang 2008. Diese hatte ihren Vorstoß damals damit begründet, dass er einen entscheidenden Beitrag im Kampf gegen die zunehmende Fettleibigkeit leiste. Klare und einheitliche Informationen erleichterten den Verbrauchern, gesunde Lebensmittel zu kaufen. Die Kommission hatte sich dabei allerdings nicht für eine Ampel-Kennzeichnung eingesetzt.

          Befürworter einer solchen Kennzeichnung wie die Organisation Foodwatch argumentieren, die Ampel funktioniere besser als das „Verwirr-System“ der Konzerne mit Angaben zum täglichen Verbrauch, denn Rot warne klar vor ungesunden Inhaltsstoffen. Ähnlich äußerte sich der SPD-Europaabgeordnete Jo Leinen. Farbliche Signale wären besser gewesen, sagte Leinen. Die im Europäischen Parlament für den Vorschlag federführende Berichterstatterin Renate Sommer (CDU) hieß hingegen das Votum gegen die Ampelkennzeichnung gut: Die Ampel mit ihren willkürlichen Schwellenwerten sei wissenschaftlich nicht fundiert. Eine zuckerfreie Cola mit Süßstoff bekäme „Grün“ und der naturtrübe Apfelsaft „Rot“, nur weil er Fruchtzucker enthält. Außerdem könnten die Hersteller ein „Rot“ leicht umgehen, indem sie etwa Salz durch Geschmacksverstärker ersetzten, ohne dass ein Lebensmittel dadurch gesünder werde.

          Auf der Vorderseite gekennzeichnet werden muss nach dem Beschluss künftig auch, wenn Produkte Lebensmittelimitate wie den umstrittenen, etwa auf Pizzen genutzten Analogkäse enthalten. Das gilt auch für „Klebefleisch“, also mit Enzymen aus Resten zusammengeklebtes Fleisch. Weiterhin sprach sich das EU-Parlament für eine weitgehende Herkunftskennzeichnung aus. So sollen nicht nur Fleisch, Fisch und Obst, sondern auch verarbeitete Produkte entsprechende Angaben enthalten. Irreführende Angaben und Bilder auf der Verpackung sollen verboten werden. Wenn ein Lebensmittel mit Fotos von frischen Früchten beworben wird, müsse es auch frische Früchte enthalten und nicht nur künstliche Aromastoffe. Nach dem EU-Parlament müssen nun die Mitgliedstaaten ihre Position zu dem Vorschlag festlegen. Nur wenn sich beide Institutionen auf eine Linie einigen, kann die Neuregelung in Kraft treten.

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