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Larry Summers : Obama verliert seinen wichtigsten Wirtschaftsberater

Larry Summers Bild: AFP

Larry Summers gehört zu den bekanntesten Ökonomen Amerikas. Er leitet das tägliche Wirtschaftsbriefing im Weißen Haus und war einer der Chefarchitekten des riesigen Konjunkturpakets. Jetzt will er zurück auf seine Professur an der Harvard Universität.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama verliert seinen wichtigsten Wirtschaftsberater. Larry Summers, der Vorsitzende des Nationalen Wirtschaftsrats, kehrt zur Jahreswende auf seine Professur an der Harvard Universität zurück. Wenige Wochen vor der Kongresswahl, in der den Demokraten vielfach deutliche Stimmenverluste prognostiziert werden, dauert der Exodus aus Obamas Wirtschaftsteam damit an. Der 55 Jahre alte Summers begründete seinen Rückzug damit, dass er im Januar nach Harvard zurückkehren müsse, um seine Position als festangestellter Universitätsprofessor nicht zu verlieren. Der Wechsel sei schon seit langem geplant, hieß es.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der im Umgang brüske Summers gehört zu den bekanntesten Ökonomen der Vereinigten Staaten. Von 1999 bis 2001 war er Finanzminister unter Präsident Bill Clinton, davor Chefökonom der Weltbank. Dass er Obamas Bitte gefolgt war, dem eher im Hintergrund wirkenden Wirtschaftsrat vorzusitzen, hatte viele überrascht. Gerüchteweise hätte Summers im vergangenen Jahr gerne den Vorsitz der Zentralbank Federal Reserve übernommen, doch Obama entschied sich dafür, Ben Bernanke abermals zu berufen

          Obamas bisheriges Wirtschaftsteam löst sich auf

          Manche Demokraten halten Summers seine zu große Nähe zur Wall Street vor. Der Ökonom leitet das tägliche Wirtschaftsbriefing im Weißen Haus und war einer der Chefarchitekten der politischen Antwort auf die Wirtschaftskrise. Das Konjunkturpaket von nach jüngster Zählung mehr als 816 Milliarden Dollar und die Rettung der Autobauer Chrysler und GM wird ihm maßgeblich zugeschrieben. Summers hatte ursprünglich ein noch größeres Konjunkturpaket gewünscht. Bei einer Arbeitslosenquote von 9,6 Prozent und einem schwachen Wachstum nimmt die Kritik an der Wirtschaftspolitik Obamas aber zu. Nach Umfragen haben die Amerikaner nur noch wenig Vertrauen in die ökonomischen Fähigkeiten der Regierung. Die oppositionellen Republikaner haben die Wirtschaft zum Leitthema des Wahlkampfes erkoren und verschärfen ihre Attacken. Der Minderheitenführer im Abgeordnetenhaus, John Boehner, hatte kürzlich erst den Rücktritt von Summers und Finanzminister Timothy Geithner gefordert.

          Obama verliert mit Summers das dritte Mitglied seines vierköpfigen Wirtschaftsteams. Der Budgetdirektor im Weißen Haus, Peter Orszag, und die Vorsitzende des Council of Economic Advisers, Christina Romer, hatten im Sommer persönliche Gründe für ihren Abschied genannt. Von den vier Mitgliedern des ursprünglichen Wirtschaftsteams bleibt nur noch Finanzminister Geithner, über dessen Zukunft nun spekuliert wird. Er trage keine Rücktrittsgedanken, heißt es.

          Der Nachfolger könnte aus der Privatwirtschaft kommen

          Das Weiße Haus verweist bei jedem Abgang regelmäßig darauf, dass die vergangenen zwei Jahre der Wirtschaftskrise anstrengend gewesen seien und vollen Einsatz erfordert hätten. Obwohl es nicht ungewöhnlich ist, dass zur Halbzeit der Präsidentschaft Regierungsmitglieder gehen und es einen Neuanfang gibt, überrascht das Tempo, mit dem das Wirtschaftsteam sich derzeit auflöst. Dabei steht die schwierigste Aufgabe in der Bewältigung der Wirtschaftskrise, der Abbau des unter den Präsidenten George W. Bush und Barack Obama aufgehäuften Staatsdefizits, in den kommenden Jahren, noch bevor.

          Die frei werdenden Positionen von Orszag und Romer hatte Obama mit Mitgliedern aus der Regierungsmannschaft besetzt. Gerüchteweise liebäugelt er nun damit, den Nachfolger Summers aus der Privatwirtschaft zu berufen. Damit würde er der republikanischen Kritik, in der Regierung fehle es an Wirtschaftserfahrung, entgegenwirken. Als Kandidatinnen genannt werden die frühere Vorstandvorsitzende von Xerox, Anne Mulcahy, aber auch die Vizedirektorin des Nationalen Wirtschaftsrats, Diana Farrell, die früher für die Unternehmensberatung McKinsey gearbeitet hat. Auch die Ökonomin Laura Tyson ist im Gespräch. Summers soll als Mitglied des Beraterkreises für den wirtschaftlichen Aufschwung der Regierung verbunden bleiben. Obama will seinen Rat weiter suchen.

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