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Währungsfonds : Lagarde will wieder als IWF-Chefin kandidieren

  • Aktualisiert am

Christine Lagarde Bild: AFP

Die Französin Christine Lagarde will an der Spitze des IWF bleiben und erhält dafür breite Unterstützung. Dass ihr in ihrer Heimat ein Prozess droht, ist kein Hindernis.

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          Die derzeitige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF)Christine Lagarde will abermals für das Spitzenamt antreten. „Ja, ich bin Kandidatin für eine zweite Amtszeit“, sagte die Französin dem französischen TV-Sender France 2 in Davos. Dafür erhält Lagarde breite Unterstützung aus verschiedenen Staaten.

          Am Donnerstag sprachen sich Deutschland, Großbritannien und ihr Heimatland Frankreich für eine weitere Kandidatur Lagardes aus, auch der amerikanische Finanzminister Jack Lew äußerte sich wohlwollend. Zuvor hatte der IWF in Washington offiziell das Rennen um den Spitzenposten eröffnet. Lagarde sei in den schwierigen Zeiten nach der Finanzkrise eine „umsichtige und erfolgreiche Krisenmanagerin“ gewesen und habe „ganz wesentlich“ zum hohen Ansehen des IWF beigetragen, erklärte das Ministerium von Wolfgang Schäuble (CDU).

          Großbritanniens Finanzminister George Osborne erklärte ebenfalls seine Unterstützung und lobte Lagarde als „außergewöhnliche Führungspersönlichkeit mit Visionen und Scharfsinn“. Sie sei in der Lage, die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren zu steuern. Der amerikanische Minister Lew sagte dem Finanznachrichtensender CNBC, er habe ein „sehr enges berufliches Verhältnis“ zu Lagarde, die „exzellente Arbeit“ geleistet habe. Allerdings wollte er noch nicht ausdrücklich sagen, ob er eine mögliche Kandidatur der Französin unterstützen werde. Der IWF hatte am Mittwoch mitgeteilt, Bewerber für den Topjob könnten sich bis zum 10. Februar melden. Der Verwaltungsrat hoffe, sich dann bis zum 3. März auf einen Kandidaten geeinigt zu haben. Lagardes Amtszeit läuft Ende Juli aus. Sie hat sich bereits offen für eine weitere Kandidatur gezeigt.

          Möglicher Gerichtsprozess kein Hindernis

          In ihrer Heimat Frankreich allerdings droht Lagarde wegen einer acht Jahre zurückliegenden Finanzaffäre in ihrer Zeit als Wirtschafts- und Finanzministerin ein Prozess. Premier Valls sagte am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos, Frankreich habe „großes Vertrauen“ in Lagarde und werde sie unterstützen. Lagarde soll in ihrem Heimatland wegen einer umstrittenen Millionen-Entschädigungszahlung an den Geschäftsmann Bernard Tapie vor Gericht gestellt werden. Sie war in der Affäre im August 2014 formell beschuldigt worden. Die Ermittler werfen ihr Nachlässigkeit im Umgang mit öffentlichen Geldern vor. Lagarde kündigte Rechtsmittel an, während der IWF ihr sein Vertrauen aussprach.

          Den ungeschriebenen Regeln zufolge stellen die Europäer den Chef des IWF und die Vereinigten Staaten den der Weltbank. Doch dieses Arrangement steht zunehmend in der Kritik, die Schwellenländer fordern mehr Einfluss in den internationalen Finanzinstitutionen. 2011 hatte sich auch der Zentralbankchef von Mexiko, Agustín Carstens, um den IWF-Chefposten beworben, aber gegen Lagarde verloren. Die elegante Französin hatte die Leitung des Währungsfonds in turbulenten Zeiten übernommen: Ihr Vorgänger und Landsmann Dominique Strauss-Kahn hatte wegen Vergewaltigungsvorwürfen zurücktreten müssen. Für den Posten schien Lagarde wie geschaffen: Sie kann langjährige Finanzkompetenz vorweisen und kennt die Großen der Welt, außerdem spricht sie perfekt Englisch.

          Mit 25 Jahren hatte Lagarde in der renommierten US-Anwaltskanzlei Baker and McKenzie begonnen und dort eine brillante Karriere bis an die Spitze der Kanzlei hingelegt. 2005 begann sie ihre politische Karriere in Frankreich, als Staatssekretärin für Außenhandel.   2007 beförderte der frischgewählte Staatschef Nicolas Sarkozy sie an die Spitze des Finanzministeriums. Der Wechsel an die IWF-Spitze war für die zweimal geschiedene Mutter zweier Söhne der Höhepunkt einer Bilderbuchkarriere - die nun noch andauern könnte.

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