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Kritik von Arbeitgebern : Wann Rentner arbeiten dürfen

Viele Menschen im Rentenalter wollen sich noch nicht zur Ruhe setzen Bild: dpa

Die Arbeitgeber kritisieren, das Sozial- und Arbeitsrecht behindere die Beschäftigung von Menschen im Rentenalter, die arbeiten möchten. Die Rente mit 63 könnte den Fachkräftemangel verschärfen.

          Die Arbeitgeber wollen ein Signal gegen die Rente mit 63 setzen. Sie verlangen Erleichterungen für die Beschäftigung von Rentnern. „Wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer es wollen, muss eine Beschäftigung auch noch im Rentenalter möglich sein“, sagte Ingo Kramer, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Mittwoch in Berlin. Allerdings verhinderten die schlechten arbeits- und sozialrechtlichen Voraussetzungen bislang, dass das Potential derer besser genutzt werde, die das Rentenalter schon erreicht hätten. „Will ein Arbeitgeber seinen Beschäftigten auch als Rentner vorübergehend weiterbeschäftigen, ist dies rechtlich schwierig. Wenn der gleiche Beschäftigte im Rentenalter zu einem anderen Arbeitgeber wechselt, so kann er dort ohne weiteres befristet beschäftigt werden. Diese widersinnige Regelung muss geändert werden“, forderte Kramer.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Die Arbeitgeber treibt die Sorge um, dass die Rente mit 63 den Fachkräftemangel verschärft, weil weniger Ältere bereit sein dürften, länger zu arbeiten. Auch wenn es zuletzt gelungen sei, die Beschäftigung Älterer deutlich zu steigern, bleibe das Beschäftigungspotential in der Altersgruppe der Personen über 65 Jahre nur unzureichend genutzt, bedauert die BDA. Während die Erwerbstätigenquote bei den 55 bis 64 Jahre alten Personen in Deutschland höher liege als in fast allen anderen europäischen Ländern, rangiere Deutschland bei den 65 bis 74 Jahre alten nur im unteren Mittelfeld. In dieser Altersgruppe lag die Erwerbsquote in Deutschland 2012 bei 7,8 Prozent, im EU-Schnitt waren es dagegen 8,3 Prozent. Die Arbeitgeber sind überzeugt, dass eine Verdopplung möglich wäre. Dies zeigten Norwegen (18,6 Prozent), Schweiz (16,2 Prozent) und Großbritannien (14,4 Prozent). Erwerbstätige im Rentenalter seien in Deutschland sehr viel häufiger als sonst selbständig. Während in der Altersgruppe bis 64 Jahre rund 90 Prozent aller Erwerbstätigen Arbeitnehmer seien, sei es unter den Rentnern nur noch jeder Zweite. Die übrigen arbeiteten als Selbständige.

          Die Arbeitgeber finden Unterstützung in der Union

          Derzeit enden Arbeitsverhältnisse in der Regel mit Erreichen des gesetzlichen Rentenalters – zurzeit also mit 65 Jahren und drei Monaten. Bei einer Weiterbeschäftigung ist der Arbeitnehmer, der schon Rente bezieht, von Rentenbeiträgen befreit. Nur der Arbeitgeber zahlt weiter Geld in die Renten- und Arbeitslosenversicherung ein. Diese Beiträge erhöhen die Rente aber nicht mehr. Sie begründen auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, denn der Arbeitnehmer ist ja durch die Rente abgesichert. In der BDA ist deshalb von einer „Strafsteuer auf die Beschäftigung Älterer die Rede“. Für diese Beiträge gebe es keine Gegenleistung.

          Arbeitgeber-Präsident Ingo Kramer

          Nicht nur das Sozialrecht, auch das Arbeitsrecht steht Arbeitgebern im Weg. „ Nötig sei eine Klarstellung im Sozialgesetzbuch, dass eine befristete Weiterbeschäftigung rechtssicher zulässig sei. Die Betriebe hätten durchaus Interesse, Ältere im Rentenalter zu beschäftigen. Nach einer Befragung durch das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln beschäftigten 2011 15 Prozent der Unternehmen Menschen im Ruhestand, und 6 Prozent planten, Ruheständler einzustellen.

          Die Arbeitgeber finden Unterstützung in der Union. Unionsfraktionschef Volker Kauder forderte dieser Tage, dass Arbeitgeber, die Rentner beschäftigen, für diese künftig keine Beiträge mehr zur Arbeitslosen- und Rentenversicherung zahlen müssten. Auch sollen bei einer Weiterbeschäftigung nach dem Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze befristete Arbeitsverträge möglich werden. Nach Ansicht des Vorsitzenden der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung, Carsten Linnemann, könnte dafür im Arbeitsrecht als neuer Befristungsgrund „Rentnerbeschäftigung“ eingeführt werden. Nur so könnten Unternehmen sicher sein, dass es später nicht zu Kündigungsschutzprozessen komme. Die SPD und der Arbeitnehmerflügel der Union um den CDU-Abgeordneten Peter Weiß halten allerdings nichts von der Abschaffung der Sozialbeiträge für die Arbeitgeber: Nach ihrer Ansicht zieht das alte Argument: Wenn die Unternehmen bei den Älteren Sozialbeiträge sparen können, gefährdet das die Beschäftigung der Jüngeren.

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