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Kritik an Rentenreform : OECD-Chef: Deutschland kein Vorbild mehr

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OECD-Generalsekretär Ángel Gurría Bild: AFP

Der Chef der mächtigen Industrieländervereinigung OECD kritisiert die deutschen Rentenpläne scharf: Sie belaste die Jungen anstatt das System auf die älter werdende Bevölkerung einzustellen.

          Kurz vor dem Paris-Besuch der Bundeskanzlerin hat die wichtige Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Rentenbeschlüsse ihrer Regierung scharf kritisiert. „Die Zeiten, in denen Deutschland international als gutes Beispiel für die Gestaltung der Rentensysteme galt, sind mit den neuesten Beschlüssen vorbei“, sagte OECD-Generalsekretär Ángel Gurría der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Anstatt weiter langfristig zu planen und das Rentensystem auf die Alterung der Bevölkerung einzustellen, werden sinnvolle Reformen zurückgenommen.“

          Die Rentenreform der großen Koalition besteht wesentlich aus zwei Säulen. Einmal soll die „Rente mit 63“ es langjährigen Beitragszahlern ermöglichen, früher als bisher abschlagsfrei in den Ruhestand zu gehen. Außerdem sollen Mütter von Kindern, die vor dem Jahr 1992 geboren worden sind, mehr Rente bekommen. Beide Vorhaben kosten zusammen viele Milliarden Euro.

          Die OECD findet: Diese Vorhaben belasten die junge Generation. Aber nicht nur sie. Auch heutige Rentner würden die Auswirkungen spüren, denn sie müssten künftig mit geringeren Rentenerhöhungen leben.

          Gurría bemängelte, das größte Risiko, nämlich die Altersarmut, packe die Reform nicht einmal ordentlich an. „Es sind doch gerade Frauen, denen wegen ihrer oft lückenhaften Beitragskarrieren, Teilzeitarbeit und längerer Lebenserwartung Armut droht.“

          Kanzlerin Angela Merkel und fast ihr gesamtes Kabinett fliegen an diesem Mittwoch zu deutsch-französischen Regierungskonsultationen nach Paris. Im Anschluss besucht Merkel die OECD, wo mit Gurría zusammen kommen und eine wirtschaftspolitische Rede halten wird.

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