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Google, Apple & Co. : Hedgefonds-Manager meckern über hohe Internet-Gehälter

  • Aktualisiert am

Google-Manager Eric Schmidt hat im Jahr 2011 rund 100 Millionen Dolar bekommen. Bild: AP

Die am meisten verdienenden Manager leiten heute Internet-Unternehmen wie Google. Hedgefonds-Manager kritisieren ganz offen deren Führungskultur. Aus eigenem Interesse.

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          Bekommen die Bosse der Internetunternehmen zu viel Geld? Bürgerinitiativen in Kalifornien klagen schon einige Zeit über die Gehälter in der Branche. Demonstranten haben aus Wut sogar schon einen Bus blockiert, der allmorgendlich Mitarbeiter des Suchmaschinenbetreibers Google zur Arbeit bringt. Sie werfen den Konzernen beispielsweise vor, durch die hohen Gehälter Wohnen in Städten wie San Francisco zu verteuern.

          Nun gewinnt der Protest eine andere Qualität. Große Investoren finden offenbar die gesamte Art und Weise schlecht, wie die Technologie-Firmen geführt werden. Der im Silicon Valley bekannte Hedgefonds-Manager Jeff Ubben (ValueAct) hat dabei während eines Investoren-Treffens laut „Financial Times“ nun ausdrücklich den Google-Verwaltungsratsvorsitzenden Eric Schmidt im Blick. Dessen Gehalt bezeichnete er als viel zu hoch („exzessiv“).

          Der Hedgefonds-Manager vergleicht die Bezüge mit denen der Finanzbranche zugespitzt so: Während Jamie Dimon (der Chef der Großbank JP Morgan) in New York Dresche kriegt für seine 20 Millionen Dollar Jahressalär, bekomme der Google-Manager Schmidt einfach 100 Millionen Dollar dafür, dass er über einer Handvoll Führungstreffen präsidiert. Die riesige Summe bezieht sich auf das Jahr 2011, als Schmidt gerade vom Vorstandsvorsitz (CEO) an die Spitze des Google-Verwaltungsrats (Chairman) wechselte.

          Handfeste Eigeninteressen

          Schmidt ist aber keine Ausnahme. Der Oracle-Vorstandsvorsitzende Larry Ellison kam im Jahr 2012 auf eine Vergütung von etwas weniger als 100 Millionen Dollar, Tesla-Chef Elon Musk auf beinahe 80 Millionen.

          Dann - wieder die gesamte IT-Branche und nicht nur die Gehälter im Blick - stellt Investor Ubben fest: Nirgendwo sonst in den Vereinigten Staaten würden die Rechte der Anteilseigner so sehr mit Füßen getreten wie im Tal der Internet-Tüftler. Jesse Cohn, der den Hedgefonds Elliott Management leitet, kritisierte ebenfalls die Führungskultur der Tech-Riesen. „Die glauben, sie sind ein besonderer Klub.“

          Dass die Gehälter der hochrangigen Tech-Manager hierzulande kaum vermittelbar wären, ist kaum zu bestreiten. Hinter der Kritik gerade der Hedgefonds-Manager wiederum stecken aber auch handfeste Eigeninteressen.

          Denn die prallen Kassen der Internet-Giganten wie Google und Apple wecken naturgemäß Begehrlichkeiten unter Investoren - die zum Beispiel einen (größeren) Teil davon ausgeschüttet bekommen wollen. Gerade Ubben und Cohn gehören zu den sogenannten aktivistischen Anlegern, die sich mit ihren Fonds an Unternehmen beteiligen und dann versuchen, ganz konkret und mit Nachdruck Einfluss zu nehmen.

          Ubbens Fonds ValueAct beteiligt sich typischerweise lange an einem Unternehmen, versucht einen eigenen Repräsentanten im Verwaltungsrat zu plazieren. ValueAct ist beispielsweise engagiert bei Microsoft, Adobe Systems und Ebay. Der Fonds gilt als eine der treibenden Kräfte, die Steve Ballmer im vergangenen Jahr zum Rückzug von der Microsoft-Spitze drängen und so einen Führungswechsel in dem Softwareunternehmen einleiteten.

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