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Kritik an François Hollande : Geburten sind gut für das Wachstum

  • -Aktualisiert am

François Hollande stößt mit seiner Äußerung zur Geburtenrate auf Unverständnis Bild: dpa

Ist Frankreichs hohe Geburtenrate der Grund für hohe Arbeitslosigkeit? Wissenschaftler widersprechen dem französischen Präsidenten.

          2 Min.

          Die französische Familienpolitik gilt gemeinhin als Vorbild, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Mit durchschnittlich zwei Kindern pro Frau hat Frankreich die höchste Geburtenrate in Westeuropa. Jetzt hat Präsident François Hollande mit der Aussage für Aufsehen gesorgt, die vielen Kinder seien ein Grund für die hohe Arbeitslosigkeit in Frankreich. Im Vergleich zu Staaten mit niedrigeren Geburtenraten müsse die französische Volkswirtschaft mehr Wachstum generieren, weil mehr junge Menschen auf den Arbeitsmarkt kämen, sagte der Präsident am Sonntagabend in einem Fernsehinterview. Dabei nannte er explizit Deutschland als Gegenbeispiel.

          Mit seiner These stößt Hollande auf großes Unverständnis in Wissenschaft und Forschung. „Das ist eine skandalöse Aussage, die sich der sozialistische Präsident hier erlaubt“, sagt Tilman Mayer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Demographie (DGD). Die hohe Arbeitslosigkeit in Frankreich sei vielmehr Folge der wirtschaftlichen Lage und der Reformunfähigkeit der französischen Sozialisten. „Die Aussage fällt voll auf ihn zurück“, sagt der Politikwissenschaftler.

          „Kein positives Signal für die Familienpolitik der Sozialdemokraten“

          Ganz im Gegenteil sei die nachwachsende Generation eine wichtige Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung eines Staates, sagt Mayer. „Es ist ein Vorteil Frankreichs, dass es sich auf eine gute Höhe der Kinderzahl verlassen kann.“ Die jungen Menschen seien gut für das Wachstum einer Volkswirtschaft. Eine schrumpfende Bevölkerung bringe dagegen Folgeprobleme mit sich, „die man niemandem wünscht“, beispielsweise für die Sozialversicherung.

          Mit seiner Aussage fällt Hollande laut Mayer der erfolgreichen Familienpolitik Frankreichs in den Rücken. Das bleibe nicht ohne Auswirkungen für den Wahlkampf in Deutschland. „Das ist kein positives Signal für die Familienpolitik der Sozialdemokratie in Europa“, sagt der DGD-Präsident. Schließlich orientiere sich gerade die SPD regelmäßig an Hollandes Handeln in Frankreich.

          In der Europäischen Union wurde genau umgekehrt argumentiert

          Der Zusammenhang zwischen Geburtenrate und Arbeitslosigkeit wurde bisher nur in umgekehrter Richtung diskutiert. So hatten Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung und der Universität Lüneburg im Juli darauf hingewiesen, dass die Geburtenrate in krisengeplagten Staaten sinkt, weil viele Menschen ihre Arbeit verloren haben oder ihre wirtschaftliche Situation als unsicher empfinden. Beispielsweise ist die Geburtenrate in Spanien von 1,47 Kindern pro Frau im Jahr 2008 auf 1,36 im Jahr 2011 zurückgegangen.

          Umso skeptischer betrachten die damals involvierten Wissenschaftler die Argumentation des französischen Präsidenten. „Ich habe den Eindruck, François Hollande versucht damit, die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich zu entschuldigen“, sagt Michaela Kreyenfeld vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung. Gerade innerhalb der Europäischen Union sei in den vergangenen Jahren genau andersherum argumentiert worden: In der Lissabon-Strategie und dem Nachfolgepapier Europa 2020 gelten höhere Geburtenraten als erwünschtes Mittel, die Beschäftigung zu erhöhen und die Europäische Union wettbewerbsfähiger zu machen.

          Die Zahlen sprechen eine andere Sprache

          Auch aus den Zahlen der Weltbank aus dem Jahr 2011 lässt sich keineswegs ableiten, dass Staaten mit hoher Geburtenrate tendenziell eine höhere Arbeitslosigkeit aufweisen. Auf den Vergleich Frankreichs mit Deutschland trifft Hollandes These zwar zu, aber Gegenbeispiele sind schnell gefunden: In den Niederlanden ist die Geburtenrate ebenfalls deutlich höher als in Deutschland, die Arbeitslosigkeit aber geringer. Spanien dagegen weist eine ähnlich niedrige Geburtenrate wie die Bundesrepublik auf, die Arbeitslosenquote ist aber um ein Vielfaches höher.

          Im weltweiten Vergleich legen die Zahlen sogar nahe, das Gegenteil von Hollande zu behaupten: Wo viele Kinder geboren werden, ist die Arbeitslosenquote tendenziell niedriger. Dementsprechend kann sich DGD-Präsident Tilman Mayer gut vorstellen, dass die französische Regierung die Aussage ihres Präsidenten relativieren wird. Sonst laufe Hollande Gefahr, in den Konflikt mit einer ganzen Generation zu geraten.

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