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Krippenausbau in Deutschland : Gebt den Eltern das Kommando

Schnullerparade Bild: dpa

Der Staat lässt nicht nach in seinem Eifer, Krippen zu bauen. Das wird als bildungspolitischer Fortschritt gefeiert. Auch die Wirtschaft ist glücklich. Nur die Babys fragt keiner. Heute hat Familienministerin Manuela Schwesig zum Krippengipfel nach Berlin geladen.

          Der Krippenausbau in Deutschland kommt voran. Die Eltern sind glücklich, so tönt es allenthalben, und das Volk – zumindest dessen jüngster Teil – schlauer. Nur könnte alles noch viel schneller gehen. Und natürlich braucht es dazu noch mehr Geld vom Steuerzahler. Viel mehr Geld. „Alleine ein bundeseinheitlicher Personalschlüssel von einer Erzieherin auf vier Kinder kostet pro Jahr 1,6 Milliarden Euro“, sagt Familienministerin Manuela Schwesig (SPD). „Wir müssen darüber reden, was zur Qualität gehört und wie wir es bezahlen.“ Teurer wird es in jedem Fall, dabei gibt der Staat im Haushalt 2015 schon so viel Geld für Betriebskosten der Kitas aus wie noch nie.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Am Donnerstag nun ist Krippengipfel in Berlin. Offiziell nennt sich die Veranstaltung Bund-Länder-Konferenz, vereinbart werden soll erstmals ein gemeinsamer Fahrplan für die „Qualitätsentwicklung“ in den Kitas. Geladen hat Ministerin Schwesig. Gefeiert wird eine Zahl, über die Zeitgeist und Politik sich verständigt haben, sie als Triumph zu deuten: Der Anteil der Kinder unter drei Jahren, die außer Haus betreut werden, hat sich binnen sieben Jahren verdoppelt. Im Osten verbringt jedes zweite Kleinkind, im Westen jedes vierte den Tag oder zumindest mehrere Stunden getrennt von den Eltern – ein radikaler Wandel, allgemein gerühmt als Befreiung junger Familien sowie als bildungspolitischer Fortschritt.

          Kinder sind unsere Zukunft, schallt es durchs Land. Kinder sind wichtig, Kinder sind kostbar. So kostbar, dass die Verantwortung dafür nicht dem Einzelnen überlassen werden darf? Der Staat muss es richten, drauf hat sich die herrschende Meinung geeinigt, zugespitzt ausgedrückt: Familienfreundlich ist, was die Familie ersetzt. Das Kind in der Krippe ermöglicht den Eltern Karrieren (was die unbedingt begrüßen) und macht den Nachwuchs klüger: „Bei vielen Kindern verdoppelt sich sogar die Chance, später ein Gymnasium besuchen zu können“, ist als Erkenntnis von Ministerin Schwesig überliefert.

          Vater Staat übernimmt die Macht in den Familien

          Das Planziel von 800.000 Krippenplätzen in Deutschland ist zum Greifen nahe, nur an der politischen Erziehung der Eltern hapert es. Immer noch hat eine Mehrheit ihre Kleinsten lieber daheim als in die Krippe. Wer es so hält, muss damit rechnen, Sätze wie diesen zu hören: „Keine Mutter kann ihrem Kind das bieten, was eine Krippe bietet.“ Der Ausspruch wird einer sozialdemokratischen Staatssekretärin in Rheinland-Pfalz zugeschrieben. In der Debatte um das Betreuungsgeld, vulgo „Herdprämie“, trat offen zu tage, unter welchem Generalverdacht Eltern heute stehen, als die Grünen-Politikerin Sylvia Löhrmann klagte, „das Aufdecken familiärer Gewalt“ werde durch „Heim- und Herdprämien schwieriger“.

          Gegen diese Haltung regt sich nun Widerstand: Wertkonservative treffen sich mit Staatsskeptikern aus dem linken Milieu im Protest gegen das, was sie als „Krippenwahn“ bezeichnen. Wenn die Siedlungen mit jungen Familien sich tagsüber leeren, nirgendwo mehr Geschrei zu hören ist, weil alle Babys auswärts untergebracht sind, läuft etwas falsch im Land, dachte der Münchner Autor Rainer Stadler – selbst Vater zweier Kinder, politisch eher links verortet – und hat ein leidenschaftliches Buch gegen die „Machtübernahme des Staates in den Familien“ geschrieben. „Vater Mutter Staat“ (eben im Ludwig-Verlag erschienen) liest sich wie eine Kampfschrift gegen „das Märchen vom Segen der Ganztagsbetreuung“.

          Ähnlich scharf attackiert der Kinderarzt Herbert Renz-Polster, Wissenschaftler an der Heidelberger Universität und vierfacher Vater, den „Belagerungsring“ um das Kleinkind. „Die Kindheit ist unantastbar“ heißt sein neues Buch (Beltz-Verlag), in dem er die Eltern auffordert, das Recht auf Erziehung zurückzufordern.

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