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Krippen-Ausbau : Kinder, kommt aufs Land!

Kita in Oschersleben in Sachsen-Anhalt. Hier, abseits der Großstädte ist die Krippenwelt noch in Ordnung. Bild: ZB

Kristina Schröders Nachrichten zum Kita-Ausbau sind nicht so gut, wie sie scheinen. Schon mahnt der Städtetag, dass es in einigen Großstädten doch nicht genug Plätze gibt. Auf dem Land ist das anders. Und nun? Die Kinder ins Grüne fahren? Oder umziehen?

          Draußen, abseits der Großstädte, ist die Krippenwelt noch in Ordnung. „Eltern auf dem Land müssen sich keine Sorgen um einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige machen“, sagte an diesem Donnerstag ein Sprecher des Deutschen Landkreistags zu FAZ.NET. Zuvor hatte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder bekanntgegeben, dass der Krippenausbau deutlich besser voranschreitet als gedacht. Rund 30.000 Plätze mehr als laut dem veranschlagten Bedarf nötig hätten die Bundesländer dem Bund gemeldet.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Doch die Nachricht ist nicht ganz so gut, wie sie auf den ersten Blick klingt: Der Deutsche Städtetag mahnt bereits, dass trotz allem in einigen Groß- und Universitätsstädten, in denen der Bedarf sehr hoch ist, Lücken bei der Kinderbetreuung bleiben. „In vielen Großstädten liegt der Bedarf mit über 50 Prozent allerdings auch weit über dem vom Bund angenommenen Durchschnitt von 39 Prozent“, sagte der Präsident des Deutschen Städtetags, Ulrich Maly am Donnerstag.

          In den ländlichen Kommunen ist man dagegen deutlich entspannter. Der Deutsche Landkreistag verweist auf eine Umfrage, derzufolge zum 1. August in sieben von zehn deutschen Landkreisen für alle Kinder Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen werden, in den übrigen drei nahezu für alle. Die gesamte Debatte werde aus Sicht des Präsidenten des Landkreistags Hans Jörg Duppré „zu aufgeregt und zu wenig sachlich“ geführt.

          Nach Plätzen im Speckgürtel Ausschau halten?

          Sollten Eltern nun nach Betreuungsplätzen im Speckgürtel der großen Städte Ausschau halten? Ihre Kinder morgens über die Stadtgrenze hinaus ins Grüne fahren, weil sie dort leichter einen Krippenplatz bekommen? „Bloß nicht“, winkt der Sprecher des Landkreistags ab. „Auch wir können den Rechtsanspruch nur mit großen Anstrengungen erfüllen. Wir könnten nicht auch noch zusätzlich einen Ansturm aus den Ballungszentren auffangen.“

          Dem Landkreistag zufolge müssen auch in den Speckgürteln der Städte Kita-Gruppen vergrößert werden, um genügend Plätze für Unterdreijährige zu schaffen. „Auch können wir schon jetzt nicht allen Eltern einen so wohnortnahen Platz anbieten, wie wir es eigentlich möchten“, so der Sprecher.

          Rechtlich betrachtet ist es zudem gar nicht in jedem Bundesland möglich, den Nachwuchs in einer anderen Kommune betreuen zu lassen, in der weder der Wohn- noch der Arbeitsort der Eltern liegt, stellt der Landkreistag klar. „Hier und da ist das möglich und in Einzelfällen wird auch heute schon davon Gebrauch gemacht“, sagte der Sprecher. „Doch oft sind die Wege raus aufs Land für Eltern auch zu lang, um eine realistische Lösung des Betreuungsproblems darzustellen.“

          Und ein Umzug ins Grüne? „Natürlich will jede Kommune gern mehr Familien als Einwohner“, heißt es von Seiten des Landkreistags. Die Aufforderung „Zieht zu uns“ gelte insofern schon. Man wolle jedoch nicht soweit gehen, Familien mit dem Versprechen auf bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten zu einem Umzug zu überreden. Wer aber sowieso erwäge, seinen Wohnsitz aus der Stadt aufs Land zu verlegen, könne damit rechnen, an seinem neuen Domizil eine entspanntere Kita-Situation vorzufinden.

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