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Krim-Krise : Russland rechnet mit 70 Milliarden Dollar Kapitalabfluss

  • Aktualisiert am

Wladimir Putin Bild: dpa

Die Sanktionen treffen Russland kaum, sagt die russische Regierung. Dennoch rechnet sie allein in den ersten drei Monaten des Jahres mit Kapitalabflüssen von rund 70 Milliarden Dollar.

          Die Krim-Krise lässt Investoren aus Russland fliehen - der Kreml rechnet mit massiven Kapitalabflüssen. Vizewirtschaftsminister Andrei Klepach erwartet, dass im ersten Quartal bis zu 70 Milliarden Dollar abgezogen wurden, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Das würde bedeuten, dass innerhalb von drei Monaten mehr Geld das Land verlassen hätte als im gesamten vergangenen Jahr. 2013 waren insgesamt 63 Milliarden Dollar aus Russland abgeflossen.

          Auch deutsche Investoren machen sich Sorgen um ihre Zukunft in Russland. Das ist einer der Gründe, weshalb die Bundesregierung Sanktionen gegen Russland nicht leichtfertig beschließt. Auch deutsche Banken stufen Russland inzwischen als riskanteren Geschäftspartner ein und vergeben weniger Kredite. Der Rubel hat zuletzt deutlich nachgegeben.

          Insgesamt nehmen die Befürchtungen zu, dass die Sanktionen die russische Wirtschaft in die Rezession ziehen dürften. So glaubt die staatliche russische VTB Bank, dass Russlands Wirtschaftsleistung mindestens für zwei Quartal schrumpfen wird. Ferner werde die Kapitalflucht aus Russland im ersten Quartal den höchsten Stand seit der Finanzkrise 2008 erreichen, schätzt der Vize-Wirtschaftsminister Andrei Klepach.

          Russland aus G8 ausgeschlossen

          Die führenden Industrienationen haben Russland derweil wegen der Annexion der Krim bis auf weiteres aus ihrem Kreis ausgeschlossen und den für Juni geplanten G8-Gipfel abgesagt. Bei einem Krisentreffen als Siebener-Gruppe ohne Russland beschlossen die Staats- und Regierungschefs unter Regie von Barack Obama am Montag in Den Haag, ihre Teilnahme an der G8 solange auszusetzen, bis Moskau seinen Kurs ändere. Davon unbeeindruckt schuf Kremlchef Wladimir Putin auf der Krim weiter Fakten und sicherte sich die uneingeschränkte Hoheit über die Schwarzmeer-Halbinsel.

          Der G8-Gipfel hatte Anfang Juni im russischen Sotschi stattfinden sollen. Die Vorbereitungen dafür hatte der Westen bereits kurz nach der russischen Militäraktion auf der Krim ausgesetzt. Stattdessen wird es nun einen G7-Gipfel in Brüssel geben. Zu den G7-Staaten gehören Deutschland, die USA, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan und Kanada. 1998 hatte die Gruppe Russland aufgenommen und war damit zur G8 geworden. „Unsere Gruppe kam wegen gemeinsamer Überzeugungen und gemeinsamer Verantwortlichkeiten zusammen“, hieß es in einer G7-Erklärung in Den Haag.

          Die Krim ist inzwischen fest in russischer Hand. Die Ukraine ordnete am Montag den vollständigen Abzug ihrer Streitkräfte an, nachdem russische Truppen die militärische Kontrolle übernommen hatten. Nach ukrainischen Angaben ist etwa die Hälfte der Soldaten auf der Halbinsel zu den russischen Truppen übergelaufen.

          Mit Wochenbeginn wurde auf der Krim der Russische Rubel zusätzlich zur ukrainischen Landeswährung Griwna eingeführt. Nun werden auch Gehälter und Sozialleistungen sowie Steuern in Rubel gezahlt.

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