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Krim-Krise : Russland bekommt Sanktionen zu spüren

Hier wird die Krise greifbar: An der Börse in Moskau gab der Leitindex am Freitag um 2 Prozent nach. Bild: AFP

Während Brüssel noch über harte Maßnahmen diskutiert, werden die Banken vorsichtiger. Sie geben den Russen keinen Kredit mehr.

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          Die russische Wirtschaft bekommt die ersten Sanktionen der Europäischen Union und der Vereinigten Staaten zu spüren. Auch die Androhung weiterer Schritte zeigt schon Wirkung. Aus Frankfurter Bankenkreisen war am Freitag zu hören, dass aktuell keine neuen Kredite mehr an russische Kunden vergeben werden. Institute wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank äußern sich zu Kundenbeziehungen nicht öffentlich. Das Risiko einer weiteren Eskalation der Krise wird aber in der Kreditwirtschaft als sehr hoch betrachtet. So versuchen Banken verstärkt ihre Kredite, die sie an russische Unternehmen oder Banken vergeben haben, weiter zu verkaufen. Nach Daten von Thomson Reuters sind die Preise für Kredite an russische Schuldner deutlich gesunken und werden an den Märkten mit Abschlägen gehandelt. Diese Entwicklung bestätigt auch die österreichische Raiffeisen Bank International, die größte Auslandsbank in Russland.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dabei ist noch nicht einmal klar, ob die EU überhaupt Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt. Der britische Premierminister David Cameron brachte es in der Nacht zum Freitag auf den Punkt: Wer Russland schaden wolle, werde sich auch ins eigene Fleisch schneiden. Zwar beauftragten die EU-Regierungschefs auf ihrem Gipfeltreffen am Freitag in Brüssel die EU-Kommission damit, konkrete Schritte vorzubereiten. Keine Branche soll außen vor bleiben. Auf das „Wie, Wann und Ausmaß“ dieser Sanktionen gebe es aber noch keine Antwort, sagten ranghohe Diplomaten. Die Staaten wollten ihren Spielraum nicht von vornherein zu sehr einschränken.

          EU uneins: Wer schultert die Lasten der Sanktionen

          Tatsächlich steckt etwas anderes dahinter: Die EU-Regierungen sind sich alles andere als einig darüber, welche Wirtschaftssanktionen die EU überhaupt ergreifen soll. Großbritannien will seinen Finanzsektor schützen, Länder wie die Slowakei, Bulgarien und Litauen sorgen sich vor allem um ihre Energieversorgung, und das wirtschaftlich klamme Zypern will nicht auf seine russischen Touristen und Investoren verzichten. Das erschwert es, eine klare Linie zu finden.

          Die Verhängung der bisherigen Sanktionen war damit verglichen leicht. Zu Beginn der Krise hatte sich die EU auf ein Vorgehen in drei Stufen geeinigt: Die erste Stufe war das Aussetzen der Gespräche mit Russland über Visa-Erleichterungen und ein neues Rahmenabkommen. Die zweite Stufe sind die Sanktionen gegen einzelne Personen, die nach dem Gipfelbeschluss nun 33 Ukrainer und Russen betreffen. Wirtschaftssanktionen wären dann die dritte Stufe. Sie ist für den Fall vorgesehen, dass Russland weiter jenseits der Krim in der Ukraine interveniert. Die Amerikaner haben ihrerseits die Konten von 31 Ukrainern und Russen gesperrt und ihnen Einreiseverbote erteilte. Zudem haben sie Sanktionen gegen Banken verhängt, die entweder einen Teil des Vermögens des innersten Zirkels um Putin verwalten oder von seinen Vertrauten kontrolliert werden.

          Amerikas Sanktionen verursachen Kurverluste an Moskauer Börse

          Die amerikanischen Sanktionen sorgten an der Börse in Moskau am Freitag für Kursverluste. Der Leitindex Micex gab um 2 Prozent nach. In den vergangenen drei Wochen ist er um gut 10 Prozent eingebrochen. Der Aktienkurs des Gasproduzenten Novatek stürzte am Freitag um 12 Prozent ab. An dem Unternehmen ist Gennadi Timtschenko, ein Vertrauter Putins, beteiligt. Zum Zirkel des Präsidenten zählen auch die Brüder Boris und Arkadi Rotenberg, denen die SMP-Bank gehört. Gegen das Institut verhängten die Vereinigten Staaten Sanktionen ebenso wie gegen die Bank Rossiya, die in Putins Heimatstadt St. Petersburg ansässig ist. Die Kreditkartengesellschaften Mastercard und Visa stellten am Freitag die Zahlungsabwicklung für Kunden dieser Banken ein.

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